Leserwünsche: «Die bösen Buben in den Hintern treten»

Text:
  • Martin Müller
Ausgabe:
2/02

Mehr als eine Million Menschen lesen den Beobachter, die Zeitschrift «für die Schwächeren und gegen die Halunken». Sie sagen, was er im Auge behalten soll. Und loben ihn oft. Als «ehrlichste Zeitschrift» zum Beispiel. Ehrlich.

Die überwiegende Mehrheit der Leserinnen und Leser ist zufrieden mit dem, was sie alle zwei Wochen im Briefkasten findet, und schätzt das massgeschneiderte Angebot des Beratungszentrums. Ernst Hodel aus Heiligenschwendi BE fasst die Meinung vieler in einem Satz zusammen: Der Beobachter sei «für die Schweiz wie das Salz in der Suppe», also unentbehrlich.

Unter dem Motto «Sagen Sie uns Ihre Meinung» fordert der Beobachter die Abonnentinnen und Abonnenten regelmässig auf, Anregungen für eine noch bessere Zeitschrift, ein noch umfassenderes Beratungsangebot zu machen. Doch weit über 90 Prozent der Antwortenden sind rundum zufrieden. Stellvertretend dafür sagt Daniela Wettstein aus Zürich: «Ich finde den Beobachter gut und informativ. Endlich jemand, der zeigt, wie es in der Praxis aussieht. Weiter so!»

Verena Käser aus Zug schätzt, dass im Beobachter «nicht immer nur Stars und Sternchen, sondern Menschen wie du und ich» vorkommen. Und Marianne Zimmermann aus Wiler BE bekennt: «In den letzten 35 Jahren habe ich verschiedene Zeitschriften abonniert und meist nach kurzer Zeit wieder gekündigt. Allein der Beobachter schaffte es, mich die ganze Zeit über zu begeistern.»

Beobachtet und bewirkt etwas Besonders geschätzt wird die gradlinige, engagierte Haltung. «Ich lese den Beobachter, seit ich lesen kann. Was mich beeindruckt: Immer setzt er sich für die Schwächeren ein und gegen Betrüger sowie Halunken», lobt Alfred Pletscher aus Zürich. Und Hanny Pedrett aus Chur schätzt den Beobachter sehr, «weil er sich für das Recht und für die sozial Schwachen besonders einsetzt. Die Recherchen sind seriös und glaubwürdig. Wenn es ihn nicht gäbe, müsste man ihn sofort erfinden!» Darum meint Rosmarie Baumer aus Dörflingen SH kurz und bündig: «Ich lese den Beobachter vom ersten bis zum letzten Buchstaben.» Lies Hostettler aus Oekingen SO doppelt nach: «Der Beobachter beobachtet nicht nur, er bewirkt auch etwas.»

Viel Lob also, doch mangelt es auch nicht an Vorschlägen. Manchen wird das umfangreiche Angebot alle zwei Wochen fast zu viel. Aber lange nicht allen. Claire-Lise Kröpfli aus Landquart GR beispielsweise findet: «Schade, dass der Beobachter nur zweimal pro Monat kommt.» Und auch John Contesse samt Familie aus Chur wäre mit weniger Lesestoff gar nicht zufrieden: «Der Beobachter ist die ehrlichste Zeitschrift der Schweiz. Schade, dass sie nicht wöchentlich erscheint. Wir stürzen uns jeweils alle darauf.»

Trotzdem gibt es im Urteil der Leserschaft noch einiges zu verbessern. Dario Siffert aus Tafers FR hätte gern, dass der Beobachter «ein klein wenig mehr Biss» zeigt, um den «bösen Buben in den Hintern zu treten». Diesem Wunsch sind manchmal rechtliche Grenzen gesetzt. Ernst Keller aus Hinwil ZH wünscht sich einen höheren Nutzwert der Artikel: «Ich fände es gut, wenn mehr Antworten und Hilfestellungen gegeben würden, zum Beispiel mit Auszügen aus Gesetzestexten.»

Daneben gibt es auch viele Wünsche, die von einzelnen Beobachter-Fans genannt werden und keinen Trend bilden: Arthur Wochner aus Zürich plädiert für mehr Einsatz im Bereich Tierschutz, andere setzen sich für mehr Umweltthemen ein. Schwieriger umzusetzen ist die Bitte von Markus Merz aus Basel: «Ich wünsche mehr Tests über Qualität und Preise von Handwerkern. Könnte der Beobachter nicht für seriöse Firmen ein Signet ‹vom Beobachter empfohlen› kreieren?»

Eine Spur zu depressiv

Eher weniger Tests, dafür «mehr Informationen über Trends, Risiken und Chancen von bedeutenden Themen wie Lebensqualität, Umwelt und Politik» möchte Heiner Furrer aus Grabs SG lesen. Josef Strübi aus Zürich plädiert für mehr Augenmass: «Manchmal sind Sie mir etwas zu kleinlich, wenn über Beträge unter 100 Franken gestritten wird.» Edwin Kaufmann aus Dornach SO erachtet den Beobachter als «zuweilen kleinkariert». Armin Lang aus Delsberg JU schliesslich findet ihn eine Spur zu depressiv: «Im nicht immer lustigen Alltag wäre ein bisschen mehr zum Lachen sehr wünschenswert.»

Dass sich der Beobachter in den letzten Jahren verändert hat und vermehrt über neue Themen wie Internet oder Handys berichtet, hat geteiltes Echo hervorgerufen. Vorab ältere Leserinnen und Leser beklagen sich, dass sie mit den «neumödigen Sachen» wenig anfangen können. Auf der anderen Seite stehen Leute wie Niels Lehner aus Bachenbülach ZH, der diesen Bereich ausbauen möchte. Er wünscht sich themenspezifische Newsletter per E-Mail, zum Beispiel zur Mobiltelefonie.

Abonnent sein ist nicht schwer

Alle Anregungen aus der Leserschaft werden ernsthaft geprüft. Eben erst wurden wieder zwei Wünsche erfüllt:

  • Ein «jugendlicheres Erscheinungsbild» regten einige Leserinnen an – erfüllt: Seit dem Jahreswechsel hat der Beobachter ein aktuelleres, lesefreundlicheres Layout.

  • Ein Diskussionsforum anstelle der Leserbriefseite möchte Ulrich Straub aus Rubigen BE – ebenfalls erfüllt: Seit neustem wird im Dialog-Teil des Hefts neben den schriftlichen Leserreaktionen auch ein Ausschnitt aus den Diskussionsforen auf unserer Homepage nachzulesen sein.

Auch zum Beratungsangebot überwiegen die positiven Rückmeldungen. «Das Leben wird immer komplizierter. Umso nötiger ist ein guter Rat, bevor man handelt», schreibt Arno Meyer aus Herznach AG. Dass seit knapp zwei Jahren das Beratungsangebot auf den telefonischen und den elektronischen Weg (E-Mail) fokussiert ist, stösst vor allem bei älteren Leserinnen und Lesern auf Kritik. «Bei einfachsten Problemen kann das ja funktionieren. Aber beispielsweise Sozialversicherungsfragen sollten weiterhin schriftlich und kostenlos gestellt werden können», moniert Daniel Gasser aus St. Gallen. Einige stören sich daran, dass sie zu lange warten mussten, bis eine Leitung frei wurde. Das Angebot sei «noch besser geworden, seit man rasch telefonieren kann», kontern andere.

«Allen Leuten recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann» – das trifft auch auf manche unscheinbare Rubrik zu: Marguerite Henggeler aus Weggis LU ärgert sich über die «viel zu schweren Kreuzworträtsel», Myrtha Uhlmann aus Gipf-Oberfrick AG kanns kaum erwarten: «Ich lese den Beobachter von hinten nach vorn, weil ich so schneller beim Kreuzworträtsel bin: das einzige, das ich löse!»

Wo auch immer man zu lesen beginnt, für sehr viele gilt, was Franz Köpfli aus Zürich treffend umschreibt: «Wenn man den Beobachter einmal abonniert hat, wird man ihn nicht mehr los, denn man hat immer Angst, sonst etwas Wichtiges oder Interessantes zu verpassen.» Und Martin Mattmüller aus Winkel ZH versichert uns: «Ich weiss gar nicht mehr, wie lange ich schon Abonnent bin. Ich weiss nur, dass ich es noch lange bleiben werde.»

© Beobachter Ausgabe 2 vom 25. Jan 2002 - Alle Rechte vorbehalten

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