Otto Piller: «Die Patienten im Zentrum»

Mitarbeit:
  • Adrian Schmid
Ausgabe:
11/02

Sanft renovieren will der Bundesrat das Gesundheitswesen. Dieses Ergebnis der Bundesratsklausur ist für Otto Piller, Direktor des Bundesamts für Sozialversicherung (BSV), ein Grund zur Genugtuung.

Beobachter: Otto Piller, Sie machen einen zufriedenen Eindruck.

Otto Piller: Stimmt. Wenn der Bundesrat unserer Arbeit in der Krankenversicherung weitgehend zustimmt, darf man zufrieden sein.

Beobachter: Seit Jahren warnen Sie vor überstürzten Eingriffen ins System. Das meint jetzt auch der Bundesrat. Ein Sieg für die Bremser?

Piller: Bremser? Also bitte sehr! Schauen Sie, wie speditiv wir eine Vorlage zur Verbesserung der Spitalfinanzierung präsentiert haben. Wenn wir aber zum Schluss kommen, dass man mit Hauruckvorschlägen auf einen gefährlichen Weg geht, müssen wir natürlich bremsen.

Beobachter: Zum Beispiel bei der Abschaffung des Vertragszwangs zwischen Krankenkassen und Ärzten?

Piller: Genau. So wie sich die Krankenkassen das vorstellen, geht es nicht. Wir wollen keine einseitige Verschiebung der Macht hin zu den Kassen. Im Zentrum müssen die Anliegen der Patientinnen und Patienten stehen. Dass der Bundesrat nur im grösseren Zusammenhang über den Vertragszwang diskutieren will, halte ich für weise.

Beobachter: Ein anderes Beispiel: Die Kantone hegen und pflegen ihre Überkapazitäten in den Spitälern. Was spricht dagegen, dass der Bund das Heft rasch in die Hand nimmt?

Piller: Die Kompetenzen zwischen Bund und Kantonen kann man nicht einfach so ändern. Das ist ohnehin unnötig. Viel besser ist es, wenn die Kantone echte Anreize bekommen, ihre Spitalplanung zu optimieren. Daran wird gearbeitet.

Beobachter: All das dauert. Was aber sagen Sie den Prämienzahlern, die sich für neue Schreckensmeldungen im Oktober wappnen müssen?

Piller: Im Frühjahr malen die Krankenkassen immer den Teufel an die Wand. Häufig sieht es im Herbst weniger schlimm aus.

Beobachter: Heisst das, die Kostensteigerung ist gar nicht so dramatisch?

Piller: Das sage ich nicht. Die Kosten steigen jährlich um fünf Prozent. Das ist zu viel – ganz klar. Aber wir sitzen auf einem Schiff, dessen Kurs sich nur langfristig korrigieren lässt. Das Versprechen, die Zunahme der Gesundheitsausgaben würde längerfristig auf das Niveau der Teuerung sinken, war zu optimistisch. Dafür gibt es Gründe.

Beobachter: Welche?

Piller: Zum Beispiel der medizinische Fortschritt oder die Zunahme der Anzahl älterer Menschen.

Beobachter: Sie werden in wenigen Wochen 60 Jahre alt. Wird Otto Piller in seiner Amtszeit als BSV-Chef noch eine Trendwende verkünden können?

Piller: Ich hoffe, dass ich im Herbst nicht wieder eine so hohe Prämiensteigerung bekannt geben muss wie im Vorjahr. Ein Ausblick in die weitere Zukunft wäre fahrlässig.

© Beobachter Ausgabe 11 vom 31. Mai 2002 - Alle Rechte vorbehalten

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