Rega: Reaktionen auf den Bericht in Beobachter 7/00

Die Enthüllungen über die Rega sind erschütternd. Da die meisten Rettungsflüge von den Versicherungsgesellschaften finanziert werden, könnten doch diese in Zukunft die Oberaufsicht über das Firmengeflecht der Rega ausüben. Und da in der Schweiz jedermann Versicherungsprämien zahlt, sollte die Rega in Zukunft auf Spendenaufrufe verzichten. Mit diesen Aktionen wird den Gönnerinnen und Gönnern nur Sand in die Augen gestreut. Den hoch bezahlten Verwaltungsräten lege ich dringend ans Herz: Legen Sie das Mandat zugunsten eines transparenten und neutralen Gremiums nieder.
Georg Segessenmann, Obergösgen
Ihr Bericht über die Rega stimmt äusserst nachdenklich. Am meisten stört mich, dass FDP-Parteipräsident Franz Steinegger über die Geschäftspraktiken anscheinend bestens im Bild ist. Herr Steinegger sollte diese sinnwidrigen Quergeschäfte der Rega zwingend unterbinden.
Annemarie Zingg, Zürich
Ich gratuliere dem Beobachter zu seiner guten Recherchearbeit über die Schweizerische Rettungsflugwacht. Es scheint, als ob die Aufsichtsbehörde des Bundes in diesem Fall komplett versagt hätte.
August Blum, Köniz
Als Kommandant der Feuerwehr Frutigen arbeite ich seit Jahren erfolgreich mit den Mitarbeitern der Schweizerischen Rettungsflugwacht zusammen. Gerade bei schweren Verkehrsunfällen auf der Strasse ist es für uns Retter enorm wichtig, dass innert kürzester Zeit kompetente Hilfe am Unfallort ist. Das garantiert die Rega. Ich verstehe deshalb nicht, wie der Beobachter seinen Leserinnen und Lesern den Gönnerbeitrag an eine lebenswichtige Institution vergraulen will, die dermassen viel für unsere Sicherheit tut.
Martin Allenbach, Frutigen
Sicher ist es nicht korrekt von der Rega, Geld zu horten und keine Steuern zu zahlen. Aber das gibt dem Beobachter noch lange nicht das Recht, in dieser Art über die Stiftung zu schreiben. Wir brauchen die Rega. Und mit modernen Helikoptern können eben mehr Menschenleben gerettet werden als mit alten Maschinen.
Matthias Loosli, Wyssachen
Die Rega muss sich jetzt entscheiden: Entweder betrachtet sie sich und alle ihre Unterorganisationen weiterhin als ein humanitäres Non-Profit-Unternehmen. Dann soll sie steuerbefreit bleiben, und ich zahle den Sympathiebeitrag, ohne dafür grosse Gegenleistungen zu erwarten. Wenn die Stiftung aber derart lukrative Geschäfte macht, wie das offensichtlich der Fall ist, soll sie ihre Bücher wie eine öffentliche Gesellschaft führen, ihre Geschäftszahlen und -praktiken regelmässig nach aussen kommunizieren und vor allem Steuern bezahlen. In diesem Fall will ich als Gönner aber keine rührseligen Geschichten in der Informationsbroschüre lesen; die Rega soll mich zum Aktionär machen, der sich gern am Wohlergehen des Unternehmens beteiligt.
Arnold Egli, Stäfa
Jedes Jahr zahle ich dieser Institution einen Gönnerbeitrag von 50 Franken – im guten Glauben, dass Menschen in Not geholfen wird. Doch jetzt ist Schluss damit: Ab heute ist diese Spende gestrichen; der Gönnerausweis kommt ebenso ins Altpapier wie der Einzahlungsschein für den Gönnerbeitrag 2000. Anstelle der Rega wird in Zukunft eine andere Organisation meine Spende erhalten.
Rösli Hager, Frutigen
Wir haben uns riesig über den Beobachter-Bericht gefreut. Endlich einmal jemand, der Klartext spricht über eine angeblich gemeinnützige Institution. Uns wurde die Gönnerschaft an einer Gewerbeausstellung verkauft, und zwar mit einem klaren Versprechen: Die Rega-Mitarbeiter sagten uns, dass wir keine Versicherung bräuchten, wenn wir Gönner seien. Als wir die Rega dann aber dringend gebraucht hätten, holte sie uns nicht.
Christine und Patrick Wohlwend, Schellenberg
Ich finde es nicht schlimm, wenn die Rega gut betuchte Kunden gegen Bezahlung befördert. Denn wenn die Rega dies nicht täte, flögen die Flugzeuge entweder leer von einem Transport zurück oder stünden am Boden, weil sie nicht ausgelastet wären. Folgen: Die Flugkosten würden steigen, und die Patienten müssten mehr bezahlen.
Roland Marti-Costantini, Bettlach
Ihr Artikel über die Praktiken der Schweizerischen Rettungsflugwacht hat mich erschüttert. Gibt es denn hierzulande keine einzige Institution mehr, die völlig korrekt arbeitet? Von Nationalrat Franz Steinegger glaubte ich bis heute, dass er total integer sei. Ich kann es kaum glauben, dass er von diesen Geschäften gewusst hat. Vielleicht ist er durch seine verschiedenen Tätigkeiten auch einfach überfordert.
Ernst Ackermann, Buchrain
Was sich die Schweizerische Rettungsflugwacht hier erlaubt, ist ein Skandal. Mich ärgert vor allem, dass eine gemeinnützige Organisation gegen aussen so tut, als sei sie auf Spendengelder angewiesen, in Tat und Wahrheit aber über andere Wege Geld reinholt. Die Rega mag noch so gute Dienstleistungen erbringen – sie hat sich ans Gesetz zu halten und muss vor allem gegenüber ihren Gönnerinnen und Gönnern Transparenz zeigen.
Franz Wagner, Pfäffikon
Ich habe mit den fliegenden Rettern nur gute Erfahrungen gemacht. Vor ein paar Jahren hatte meine Tochter einen schweren Skiunfall im Tirol. Der komplizierte Beinbruch musste in St. Johann operiert werden. Ich nahm Kontakt auf mit der Rega. Ein Mitarbeiter setzte sich sofort mit meiner Tochter und den Ärzten in Verbindung. Ich war über jeden einzelnen Schritt genau informiert, und nach einer Woche wurde meine Tochter mit einem Ambulanzfahrzeug nach Hause gebracht.
Susanne Heiz, Bern
Bei den Geschäftspraktiken der Schweizerischen Rettungsflugwacht scheint es sich wirklich um einen ausgewachsenen Skandal zu handeln. Ich bin sehr gespannt, wie die Aufsichtsbehörde auf die Enthüllungen des Beobachters reagieren wird.
Gerold Heim, Gelterkinden
© Beobachter Ausgabe 9 vom 28. Apr 2000 - Alle Rechte vorbehalten









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