Reiseveranstalter: Kassieren für null Leistung

Text:
  • Eva Gattiker
Ausgabe:
25/00

Reisebüros entdecken eine neue Einnahmequelle: Die Kunden zahlen für Versicherungen, die gar nicht abgeschlossen werden. Reiseombudsmann Nicolas Oetterli spricht von «Betrug».

Die Reise in die Dominikanische Republik sollte ihr Entspannung bringen. Mit ihrem Mann und ihrem Sohn wollte Susanne B. in Santo Domingo für zwei Wochen den Alltag vergessen. Doch dann erkrankte ihr Mann – und aus war der Reisetraum. Doch die Kundin hatte für diesen Fall beim Veranstalter eine Versicherung für 45 Franken pro Person abgeschlossen und reichte sofort ein Arztzeugnis ein.

Weil Susanne B. die Reiseunterlagen in einem Kuvert mit einem Elvia-Logo erhalten hatte, verlangte sie das Geld direkt bei der Versicherung zurück. Und staunte nicht schlecht: Es stellte sich heraus, dass das Reisebüro gar nie eine Annullationskostenversicherung abgeschlossen hatte. Mit andern Worten: Der Veranstalter kassierte zwar die 135 Franken, dachte allerdings nicht im Traum daran, das Geld der Elvia weiterzugeben.

Ein weit verbreiteter Trick unter den Ferienverkäufern. Nicolas Oetterli, Ombudsmann der Reisebranche, warnt vor derartigen Machenschaften und spricht Klartext: «Prämien zu kassieren und die Versicherung nicht abzuschliessen ist Betrug.»

Wer ein Reisearrangement bucht, sollte sich deshalb genau erkundigen, bei welcher Gesellschaft die Versicherung abgeschlossen wurde und welche Leistungen diese abdeckt. Wichtig ist auch, dass der Kunde eine Police oder eine Bescheinigung der Versicherung verlangt. Denn längst nicht in jedem Kuvert, auf dem Elvia steht, ist auch Post von der Elvia drin.

© Beobachter Ausgabe 25 vom 08. Dez 2000 - Alle Rechte vorbehalten

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