Renovieren: Aus alt mach neu

Text:
  • Jürg Zulliger
Ausgabe:
9/00

Umbauten bringen frischen Wind ins Haus: Gebäude lassen sich besser nutzen, die Wohnqualität nimmt zu – aber nur, wenn die Renovation gut vorbereitet ist.

Der Backofen ist defekt, die dunkle Küchenkombination ist out – jetzt bauen wir eine neue Küche ein. Und bei dieser Gelegenheit wären auch gleich noch Bad und Wohnzimmer zu renovieren…» So könnte die Diskussion am Familientisch beginnen.

Oft geben schadhafte Apparate oder einfach die Lust auf einen Tapetenwechsel den Anstoss für eine Renovation. Durch Grundrissänderungen, Anbauten oder einen Ausbau des Dachstocks lässt sich bei bestehenden Gebäuden einiges herausholen; zudem werden im Gegensatz zu Neubauten Ressourcen geschont.

Eigenheimbesitzer und selbst Baufachleute unterschätzen jedoch häufig den Aufwand von Umbauten. Mancher Berufsstand – aber auch die Ausbildung von Architekten – ist stark auf den Neubau ausgerichtet. Bei der Wahl der Planer und Baupartner sollten Bauherren daher Firmen berücksichtigen, die bezüglich Bauerneuerungen einen Leistungsausweis und Referenzen vorlegen können.

Gebäude gut durchleuchten
Bevor ein Auftrag ausgeschrieben wird, lohnt es sich, die Bausubstanz sorgfältig unter die Lupe zu nehmen. Das «Röntgen» des Gebäudes soll aufzeigen, ob eine Pinselrenovation und das Auswechseln von Möbeln und Apparaten genügen, oder ob grundlegende Änderungen nötig sind. Unter Umständen sind die gesamten Leitungen und die Haustechnik zu ersetzen.

Nur Fachleute können ein Gebäude allgemein beurteilen und eine so genannte Gebäudediagnose erstellen. Zwar ist diese Abklärung nicht gratis, sie kann aber Bauherren vor bösen Uberraschungen beziehungsweise vor erneuten Renovationen nach kurzer Zeit bewahren.

Handelt es sich bloss um eine Pinselrenovation oder den Einbau einer neuen Küche, braucht es normalerweise weder einen Architekten noch eine Baueingabe. In diesem Fall kann man sich direkt an den Küchenbauer wenden. Dieser bietet nicht nur Beratung an, sondern übernimmt auch die Koordination der Arbeiten.

Wer dagegen ein grösseres Projekt realisieren möchte oder eine Grundriss- oder Nutzungsänderung plant, sollte einen Architekten beiziehen. Dieser kümmert sich neben der Planung und Bauleitung auch um den Kontakt mit Behörden oder der Denkmalpflege und wickelt das Bewilligungsverfahren ab.

Ohne Konzept gehts schief
Auftraggeber sollten mit den Baupartnern möglichst früh ein Budget sowie die Termine vereinbaren. Handelt es sich um ein Haus, das während der Umbauzeit bewohnt wird, hat ein zügiges Vorankommen der Arbeiten höchste Priorität.

Entscheidend sind auch klare Vorgaben: Ein Umbau oder eine Renovation lohnt sich nur, wenn das Projekt den eigenen Vorstellungen entspricht und einen zusätzlichen, dauerhaften Nutzen bringt. Das bedingt, dass Bauherren ihre gegenwärtigen und künftigen Bedürfnisse klar formulieren und im Pflichtenheft von Planern und Baufirmen festhalten.

Entscheidend ist, dass Umbauten und Renovationen nicht punktuell, sondern als durchdachtes Konzept realisiert werden. Dazu sind gute Planer und kompetente Bauherren nötig, die wissen, was sie wollen. Ohne klare Zielvorgaben und ohne längerfristige Planung kommt meist nicht viel mehr heraus, als dass einmal hier und einmal dort ein wenig nachgebessert und herumgeflickt wird.

© Beobachter Ausgabe 9 vom 28. Apr 2000 - Alle Rechte vorbehalten

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