Rosmarie Bühler, 42: «Es ist Zeit, das Tabu zu brechen»

Ausgabe:
9/00

Rosmarie Bühler, 42, ist Sozialarbeiterin, Laienrichterin und SP-Gemeinderätin mit dem Ressort öffentliche Sicherheit in Meiringen BE.

«Die Kinder meiner Freundin fürchten sich vor den Angriffen und Erpressungen der Mitschüler aus Albanien und Ex-Jugoslawien. Ich selber verspüre als Frau Unbehagen vor der Macho-Arroganz und der oft provokativen Kommunikation der Männer.

Die überhebliche Art, wie viele Menschen aus dem Balkan auf den Sozialdiensten und beim Gericht ihre Forderungen stellen, macht mich wütend. Ihre Umgangsformen machen mir Angst – zum Beispiel die Art, wie sie oft rücksichtslos handeln oder zu Gewalt neigen.

Doch am meisten belastet mich die einseitige und blauäugige Reaktion von Schweizer Seite. Wer Kritik oder Unbehagen ausspricht, gilt gleich als Rassist. Unter dem Deckmantel der grenzenlosen Humanität wird höchstens Symptombekämpfung betrieben. Gerade in Sozialarbeiter-Kreisen wird das Thema verdrängt. Es ist ein Tabu.

Letztes Jahr schrieb ich zu diesem Thema einen Leserbrief an eine Berner Zeitung. Viele meiner Berufs- und Parteikollegen regten sich furchtbar auf und machten mir klar, dass es total daneben sei, in dieser Form aktiv zu werden.

Trotzdem bin ich überzeugt: Es ist höchste Zeit, Zahlen und Fakten auf den Tisch zu legen. Denn nur wenn man die problematischen Vorkommnisse und Tendenzen thematisiert, kann man auch Vorurteile abbauen und echte humanitäre Hilfe leisten.

Wenn man die Probleme nicht ernst nimmt, kommen sie eines Tages wie ein Bumerang zurück. Dann gibt es einen politischen Rechtsrutsch – und den will ich nicht. Ich bin für Humanität, aber auch für Gerechtigkeit. Zwischen diesen beiden Idealen ist in unserem Land etwas bedenklich aus dem Gleichgewicht geraten.»

© Beobachter Ausgabe 9 vom 28. Apr 2000 - Alle Rechte vorbehalten

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