Schlafstörungen: Hundemüde und dennoch hellwach
Jeder zweite Erwachsene hat Probleme mit dem Schlaf. In den meisten Fällen ist Alltagsstress der Auslöser der Störungen.

- Insomnie
- Schnarchen
- Schlafapnoe
- Narkolepsie
- Schlaf-Wach-Rhythmus-Störungen
- Schlafwandeln
- Nachtangst
- Zähneknirschen
- Restless Legs Syndrom
Der Blick auf die Uhr zeigt: Wieder ist eine halbe Stunde verstrichen. Zwei Stunden im Bett, total abgekämpft – und trotzdem noch immer hellwach. Da hilft weder ein erneutes Drehen im Bett noch der verzweifelte Versuch, an etwas anderes zu denken. Im Gegenteil: Je mehr man einschlafen will, desto weniger gelingt es einem – ein Teufelskreis.
Gestörter Schlaf ist ein weit verbreitetes Ubel. Laut einer Umfrage leidet die Hälfte aller Schweizerinnen und Schweizer mittleren Alters zeitweise unter Schlafproblemen. Zwölf Prozent der Frauen und sieben Prozent der Männer halten ihren Schlaf sogar für «fast immer gestört».
Wer unter Schlaflosigkeit leidet, leidet nicht nur nachts. Er fühlt sich auch tagsüber müde, schlaff und lustlos, kämpft gegen den Schlaf und hat Mühe, die anstehenden Arbeiten zu bewältigen.
Die Forschung unterscheidet zwischen rund 90 verschiedenen Schlafstörungen. Die wichtigsten sind:
Insomnie
Darunter fallen die Schwierigkeiten beim Ein- und Durchschlafen sowie das vorzeitige Erwachen am Morgen – wahrscheinlich die verbreitetste Schlafstörung. Eine Insomnie liegt allerdings erst vor, wenn der schlechte Schlaf mindestens drei Wochen anhält.
Hinter den Schlafstörungen können sich Krankheiten – auch Depressionen oder Sucht – verbergen. Der häufigste Grund für diese Form von Schlafstörung ist jedoch Stress – hervorgerufen durch Alltagsprobleme, Prüfungen, Knatsch am Arbeitsplatz oder Streit mit dem Partner. Auch die Vorfreude auf ein Ereignis oder Verliebtsein kann einem den Schlaf rauben.
Dauern die Schlafstörungen nur eine kurze Zeit an, sind sie nicht alarmierend. Tritt stressbedingte Schlaflosigkeit jedoch häufiger auf, sollten Sie etwas dagegen unternehmen.
Die Störungen lassen sich meist mit einfachen Mitteln beheben. Dazu zählen etwa Änderungen im Schlafverhalten, Entspannen, Methoden zur Stressbewältigung und Konfliktlösung. Verhaltenstherapien helfen zudem, schlafhindernde «Gedankenkreise» zu durchbrechen.
Oft klagen ältere Leute über schlechten Schlaf. Dies hängt meist mit der veränderten Schlafstruktur zusammen. Mit zunehmenden Alter schläft der Mensch weniger tief und wacht häufiger auf.
Falsch ist die verbreitete Vorstellung, dass ältere Leute weniger Schlaf brauchen. «Der Unterschied zwischen Schlaf- und Wachphasen ist im Alter kleiner als in jungen Jahren», sagt der Schlafexperte Alexander Borbely. «Wer es sich einrichten kann, liegt eben tagsüber hin, wenn er müde ist, und holt sich so sein Quantum Schlaf.»
Wer nachts besser schlafen möchte, sollte möglichst den Mittagsschlaf weglassen. Denn Schlafen am Tag reduziert den Schlafdruck in der Nacht.
Experimentieren Sie nicht mit Schlafmitteln (siehe Artikel)! Wenn der Schlaf länger als zwei bis drei Wochen derart gestört ist, dass Sie sich am Tag beeinträchtigt fühlen, sollten Sie zum Arzt gehen. Dieser versucht, die Ursachen abzuklären, und kann eine Therapie anordnen. Ein Rezept für ein Schlafmittel genügt auf keinen Fall.
Schnarchen
Rund ein Drittel der Männer und knapp 20 Prozent der Frauen schnarchen. Das ist hauptsächlich für die Bettpartnerin oder den Bettpartner störend. Denn die Schnarchgeräusche können so laut sein wie ein Presslufthammer. Geschnarcht wird hauptsächlich im Tiefschlaf, selten im REM-Schlaf, in der so genannten «Traumphase».
Schnarchgeräusche entstehen vor allem, wenn der Schläfer auf dem Rücken liegt. Dann rutscht die Zunge nach hinten und behindert den Atemstrom durch die Nase. Der Schläfer atmet in der Folge durch den Mund. Dies kann das Gaumensegel in Schwingung versetzen – besonders wenn es schlaff ist. Das erklärt auch, warum Schnarchen mit fortgeschrittenem Alter zunimmt.
Auch Ubergewichtige schnarchen mehr, weil sie vermehrt auf dem Rücken schlafen und ein fetter Rachen das Schnarchen begünstigt. Auch wenn das Atmen durch die Nase behindert ist, kommt es oft zum Schnarchen. Gewöhnliches Schnarchen ist für den Schläfer nicht gefährlich. Doch wie kann Schnarchen geplagten Mitschläfern zuliebe verhindert werden? Die Rezepte lauten: Abnehmen, die Nase freihalten, abends keinen Alkohol trinken, keine Beruhigungsmittel einnehmen, nicht rauchen und nicht auf dem Rücken schlafen.
Letzteres kann verhindert werden, indem ein Golfball auf der Rückseite des Pyjamas, aber nicht in der Nähe der Wirbelsäule, eingenäht wird. Will sich der Schläfer auf den Rücken drehen, stört ihn der Ball – und er wechselt sofort seine Schlafposition.
Schlafapnoe
Manchmal ist Schnarchen auch ein Zeichen für eine ernsthafte Krankheit – die so genannte Schlafapnoe. Sie tritt hauptsächlich bei übergewichtigen Männern mittleren Alters auf und sollte unbedingt behandelt werden.
Bei der Schlafapnoe verschliessen sich die oberen Luftwege. Der Atem setzt für Sekunden aus. Der Schläfer bewegt sich unruhig und wacht kurz auf. Dadurch nimmt die Muskelspannung zu, was dem Schläfer ermöglicht, mit einem Schnarchgeräusch wieder Luft einzusaugen.
Der Atem kann nachts über 100 Mal aussetzen. Ein Tiefschlaf ist so nicht möglich. Die Betroffenen sind tagsüber müde und schlafen zeitweise ein. Weil durch die Atemausssetzer zu wenig Sauerstoff ins Blut gelangt, kann Schlafapnoe auch zu Kreislaufstörungen, erhöhtem Blutdruck und Herzrhythmusstörungen führen.
Ob es sich tatsächlich um Schlafapnoe handelt, zeigt eine Untersuchung im Schlaflabor. In leichteren Fällen genügt es, abzunehmen und die übrigen Massnahmen gegen Schnarchen einzuhalten. Wenn das nichts nützt, ermöglicht eine spezielle Maske das bessere Atmen.
Bei Verdacht auf Schlafapnoe sind alkoholische Getränke, Schlaf- und Beruhigungsmittel sowie Antihistaminika unbedingt zu vermeiden: Sie verschlimmern die Atemaussetzer.
Narkolepsie
Bei dieser Schlafstörung leiden die Betroffenen tagsüber unter einem starken Schlafbedürfnis. Viele schlafen mehrmals ein, wenn sie ruhig sitzen. Ähnlich wie beim REM-Schlaf tritt bei manchen plötzlich eine Muskelschwäche auf: Sie bekommen weiche Knie oder fallen um. Diese Muskelschwäche heisst Kataplexie und wird meist durch starke Emotionen ausgelöst.
Ein weiteres Symptom, das bei Narkoleptikern auftreten kann, ist die so genannte Schlaflähmung. Beim Einschlafen oder Aufwachen – manchmal auch beim Entspannen – können sie sich plötzlich eine kurze Zeitlang nicht mehr bewegen oder nicht mehr sprechen. Nur die Augen bewegen sich noch. Werden die Betroffenen berührt, ist der Spuk vorbei.
Besonders beim ersten Mal löst die plötzliche Lähmung Angst aus. Zudem leiden die Betroffenen nachts unter Schlafstörungen. Bei entsprechenden Symptomen sollten Sie unbedingt zum Arzt. Teilweise kann er die Narkolepsie aufgrund der Symptome diagnostizieren. Sonst ist eine Abklärung im Schlaflabor nötig.
In der Therapie geht es einerseits darum, das Verhalten zu ändern. Das heisst: Einmal oder mehrmals tagsüber schlafen und die Tätigkeiten anpassen. Zusätzlich werden Medikamente eingesetzt. Wichtig ist es, Angehörige über die Krankheit aufzuklären.
Schlaf-Wach-Rhythmus-Störungen
Diese Form von Schlafproblemen tritt vor allem nach langen Flugreisen sowie bei Menschen mit unregelmässigen Arbeitszeiten auf. Auch Blinde sind teilweise davon betroffen. Wenn kein Licht ins Regulationszentrum einfällt, können sie den Schlaf-Wach-Rhythmus nicht dem Tag-Nacht-Rhythmus anpassen. Die Störung kann jedoch mit Melatonin wieder behoben werden.
Bei unregelmässiger Arbeitszeit passen sich Körpertemperatur und Stoffwechsel nur langsam den erzwungenen Schlaf- und Wachzeiten an. Die Folge: Die Betroffenen sind bei der Arbeit oft schläfrig, weil der Körper noch auf Ruhe eingestellt ist – und am Abend können sie nicht einschlafen.
Die Fähigkeit, sich den Rhythmusverschiebungen anzupassen, nimmt mit zunehmenden Alter ab. Wichtig ist, dass unregelmässig Arbeitende ihre Tätigkeit in hellen Räumen verrichten und an einem ruhigen, dunklen Ort ungestört schlafen können.
Forschungen der Psychiatrischen Universitätsklinik Basel weisen darauf hin, dass eine Lichttherapie – kombiniert mit einem gezielten Ernährungsprogramm – Schichtarbeitern helfen könnte.
Schlafwandeln
Diese Schlafstörung kommt hauptsächlich bei Kindern und Jugendlichen vor. Schlafwandeln beginnt jeweils im Tiefschlaf. Die Betroffenen sitzen plötzlich im Bett auf, sprechen unzusammenhängende Sätze oder stehen auf und gehen herum. Dabei sind die Augen offen, und der Blick ist starr.
Im Schlafzimmer von Schlafwandlern sollten sich die Fenster verriegeln lassen. Auch sollten keine Gegenstände herumstehen, an denen sich die Person verletzen könnte. Zu empfehlen ist eine Klingelvorrichtung, die anzeigt, wenn der Schlafwandler das Zimmer verlässt. Mit der Pubertät verschwindet das Schlafwandeln meist von selbst.
Seltener, aber weniger harmlos ist das Schlafwandeln bei Erwachsenen. Sie sind nämlich eher gewalttätig. Oft steckt eine Epilepsie hinter den Störungen. Die Betroffenen sollten sich in einem Schlafzentrum untersuchen und allenfalls behandeln lassen.
Nachtangst
Dabei schrecken Betroffene mit einem fürchterlichen Schrei aus dem Schlaf auf. Sie sind stark erregt, der Puls verdoppelt sich, die Pupillen sind geweitet. Manchmal springen sie sogar aus dem Bett. Kurz darauf schlafen sie wieder ein.
Diese Störung unterscheidet sich von den Albträumen dadurch, dass sie im Tiefschlaf stattfindet und die Betroffenen am Morgen nichts davon wissen. Hier ist eine Untersuchung im Schlaflabor nötig, um eine Epilepsie auszuschliessen.
Zähneknirschen
Sehr häufig bewegen Leute den Mund im Schlaf oder mahlen mit den Zähnen. Dabei schleifen sich die Zähne ab, und das Kiefergelenk kann geschädigt werden. Hilft keine Schlaftherapie, kann der Zahnarzt eine Schiene einpassen, was Abnützungserscheinungen vorbeugt.
Albträume: Im REM-Schlaf können Träume auftreten, die den Schlafenden stark ängstigen. Er wacht auf und erinnert sich in allen Einzelheiten an den schrecklichen Traum. Dies hindert ihn oft daran, wieder einzuschlafen.
Restless-Legs-Syndrom
Diese Störung ist noch wenig bekannt, für die Betroffenen aber sehr unangenehm. Immer wenn der Patient ruht, spürt er einen dumpfen Schmerz, ein Ziehen und Kribbeln sowie eine grosse Unruhe in den Beinen. Er hat ein starkes Bedürfnis, die Glieder zu bewegen. Dies hindert ihn am Einschlafen.
Die Krankheit tritt oft in Wellen auf, verschwindet aber nie mehr ganz. Ein Arztbesuch ist dringend angezeigt. Die Krankheit ist medikamentös behandelbar.
Informationen
- Auskünfte zu Narkolepsie gibt die Schweizerische Narkolepsiegesellschaft, Beatrice Langer, Magnenette 69, 1350 Orbe VD, Telefon 024/441 20 30.
- Zu einigen Schlafstörungen wie etwa Schlafapnoe gibt es Selbsthilfegruppen. Auskunft erteilt die Stiftung KOSCH, die Dachorganisation der Selbsthilfegruppen in der Schweiz, Laufenstr. 12, 4053 Basel, Tel. 0848 810 814. Auf schriftliche Anfrage sind die Adressen der regionalen Selbsthilfeteams erhältlich.
© Beobachter Ausgabe 24 vom 26. Nov 1999 - Alle Rechte vorbehalten









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