Schlüsselfunddienste: Nützliche Sache
Die Schlüssel verloren? Wer sie mit einer Fundmarke ausgerüstet hat, kann auf Rückgabe hoffen. Doch nicht alle Schlüsselfundfirmen arbeiten kundenfreundlich.
Die Schlüsselfunddienste funktionieren bestechend einfach: Man kauft eine sogenannte Fundmarke eine metallene Plakette, die man an den Schlüsselbund hängt. Gehen die Schlüssel verloren, fordert die Aufschrift auf der Plakette die Finderin auf, den Schlüsselbund unverpackt in den nächsten Post-Briefkasten zu werfen.
Die Post leitet das verlorene Stück an die Schlüsselfundfirma weiter. Diese eruiert mit Hilfe des eingravierten Zahlencodes den Besitzer und schickt die Schlüssel zurück.
Grösste Anbieterin der Branche ist die Keymail AG. Vor rund zehn Jahren hatte sie ein äusserst günstiges Angebot: Bloss 20 Franken kostete ihre Fundmarke für eine Vertragsdauer von 50 Jahren. Heute verlangt sie Fr. 34.50 bei einer Laufzeit von 10 Jahren.
Viele profitierten seinerzeit vom vorteilhaften Angebot und bekommen nun verwirrende Post von Keymail. «Wie schützen Sie Ihre Schlüssel in den nächsten 10 Jahren?» fragt die Firma im Brief mit Einzahlungsschein. Und fordert: «Lassen Sie Ihren Einzahlungsschein nicht verfallen, sondern verlangen Sie jetzt Ihre neue Fundmarke für die nächsten 10 Jahre Sicherheit.»
Ärger mit Keymail
Kundinnen und Kunden sind verunsichert. «Muss ich nun bezahlen, um weiterhin von dieser Dienstleistung profitieren zu können, obwohl seinerzeit 50 Jahre Laufzeit garantiert wurden?» fragt ein Beobachter-Leser. Andere sind verärgert: Sie können mit der alten Rechnung nachweisen, dass ihr Vertrag noch bis 2039 gültig ist.
Mit dem neuen Angebot, das auch wegen des angehefteten Einzahlungsscheins wie eine Erneuerungsrechnung aussieht, fühlen sie sich getäuscht. Ihre Vermutung: Keymail spekuliert damit, dass viele die Laufzeit nicht mehr so genau im Kopf haben und bezahlen, obwohl ihre Verträge noch gültig sind.
Keymail hat schon vor ein paar Jahren zugegeben, dass sie sich mit dem alten Angebot verrechnet hat. Hingegen bestreitet sie, dass die neuen Zuschriften täuschend sind. «Die Leute lesen halt nicht genau», rechtfertigt sich Myriam Zimmerli, Leiterin des Kundendienstes. Und Marketingleiter Tarzis Bono doppelt nach: «Wir fordern unsere Kundschaft explizit auf, ihre Garantiekarte zu beachten. Das Schreiben ist transparent.»
Transparenz ist aus Konsumentensicht aber etwas anderes: Ein wirklich kundenorientiertes Schreiben würde zuerst die Gültigkeit des laufenden Vertrags bestätigen. Und es würde das neue Angebot zusätzliche Fundmarken zum Beispiel für weitere Familienmitglieder oder als Geschenk deutlich und unverbindlich vorstellen.
Auch in einem zweiten Punkt zeigt sich Keymail wenig kundenfreundlich: Während andere Anbieter gratis Auskunft geben, verweist Keymail ihre Kundschaft, die sich telefonisch nach ihrem Vertrag erkundigen oder sich auch bloss beschweren will, an eine 0900er-Telefonnummer, die zwei Franken Taxe pro Minute kostet. Keymail findet diese Kostenüberwälzung auf die Kundschaft gerechtfertigt: «Zu 100 Prozent liegt der Fehler sowieso bei der Kundschaft», kommentiert Myriam Zimmerli.
Andere Anbieter
Neben Keymail bietet eine Reihe von Firmen die gleiche Dienstleistung an mit Variationen. Zum Beispiel greifen die Firmen Blitz, Fair-Play und Securitas als erstes zum Telefon, wenn ihnen ein Schlüssel zugeschickt wird, «damit sich der Besitzer nicht länger Sorgen machen muss».
Keymail publiziert täglich die Codes der gefundenen Schlüssel im Internet (www. keymail.ch). Dafür kostet bei ihr eine Adressänderung etwas, während die anderen Firmen dies gratis erledigen. Bei Bik und Fair-Play kann der Vertrag sogar gratis auf eine andere Person übertragen werden.
Ausser Alpha notieren alle angefragten Anbieter, dass der Dienst auch grenzüberschreitend funktioniere. Vor allem aus Deutschland und aus Österreich kämen regelmässig Schlüssel zurück, auch aus Spanien, Schweden und sogar aus Ubersee. Voraussetzung: Die jeweilige Post weiss, was sie mit dem unverpackten Schlüsselbund anfangen muss.
Etwas anders funktionieren Securitas und Kaba. Bei der Securitas AG gibt es zwar auch eine Fundmarke aber nicht gegen einen bestimmten Preis, sondern wenn man einen Finderlohn deponiert. Zwischen 20, 50 und 100 Franken lässt sich wählen; der entsprechende Betrag wird auf der Plakette notiert.
Wer einen solchen Schlüsselbund findet, wird mit dem hinterlegten Betrag belohnt. Die Besitzer bekommen den Schlüssel ohne weitere Kosten zurück. Die Securitas ist zufrieden mit dem Zinsertrag, den sie auf der Finderlohnsumme erzielt.
Bei Kaba sind bestimmte Schlüssel, nämlich «Kaba Star» und «Kaba 20», gegen Nachbildung gesichert. Ist bei einem solchen Schlüssel zusätzlich ein Sicherheitsschein bei der Kaba AG in Wetzikon hinterlegt, kann die Firma den Besitzer herausfinden und ihm das verlorene Stück zurückschicken. Preis für die Rücksendung: 25 Franken.
Bei der Wahl einer Schlüsselfundfirma gilt es, Preis und Leistung zu vergleichen. Beim Preisvergleich darf man die Nebenkosten (Adressänderung, Kosten der Rücksendung) nicht vergessen.
Von Vorteil ist es, wenn eine Firma Mitglied beim Schweizerischen Schlüsselfundstellen-Verband (SSFV) ist. Bei einer Geschäftsaufgabe übernehmen die verbleibenden Verbandsmitglieder die Rücksendeverpflichtung.
Wem beim Gedanken an einen verlorenen Schlüssel graut, ist mit dem Service einer Schlüsselfundfirma gut bedient. Hundertprozentige Sicherheit gibts gleichwohl nicht. Das Ganze funktioniert nur, wenn die Finderin oder der Finder den Schlüssel pflichtbewusst weiterleitet.
© Beobachter Ausgabe 6 vom 19. Mär 1999 - Alle Rechte vorbehalten









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