Sehhilfen: Damit haben Sie den Durchblick

Text:
  • Cornelia Schürer-Maly
Ausgabe:
18/00

Bye-bye Brillenschlange: Heute ist die Brille ein schickes Modeaccessoire. Ob man trotzdem zu Kontaktlinsen greift, ist nicht zuletzt eine Frage der Verträglichkeit.

Fast ein Drittel der Schweizer Bevölkerung leidet an einem Sehfehler. Kurz- oder Weitsichtigkeit entstehen dadurch, dass die Brechkraft der Augenlinse entweder zu stark oder zu schwach ist. Die Bilder werden dann nicht genau auf die Netzhaut, sondern kurz davor oder dahinter projiziert. Mit einer Linse vor dem Auge lässt sich diese Abweichung ausgleichen. Auch wenn die Hornhaut, die äusserste Schicht des Auges, Unregelmässigkeiten oder eine Verkrümmung aufweist, können solche Zusatzlinsen helfen. Ob jemand die Welt lieber durch eine Brille oder durch Kontaktlinsen betrachtet, ist nicht nur Geschmackssache. «Beide Sehhilfen haben ihre Vor- und Nachteile», erklärt Augenoptiker Jürg Ammann aus Winterthur ZH. Eine Brille muss man sich nur auf die Nase setzen, und schon hat man eine klare Sicht. Dafür kann das Nasenvelo rutschen oder drücken, und im Winter beschlägt es leicht. Durch die optischen Eigenschaften von Linsen mit grossem Durchmesser kommt es in den Randbereichen der Brillengläser zu Bildverzerrungen. Bei vielen Sportarten sind Brillen oft hinderlich oder gar gefährlich. Die Gläser können bei einem Schlag brechen und die Augen verletzen. Deshalb werden die meisten Brillengläser heute nicht mehr aus Glas, sondern aus bruchsicherem Kunststoff gefertigt. Für viele andere Tätigkeiten sind Brillen dagegen bestens geeignet, zum Beispiel für das Arbeiten am Bildschirm.

Eintagslinsen sind der neuste Hit

Kontaktlinsen schwimmen direkt auf dem Flüssigkeitsfilm des Auges. Das Einsetzen der kleinen Haftschalen ist gewöhnungsbedürftig – Übung macht auch hier den Meister. Kontaktlinsen gibt es aus verschiedenen Materialien: hart oder weich wie Pudding, als Dauer-, Monats- oder sogar Eintagslinsen. Letztere benötigen überhaupt keine Pflege. Alle Linsenvarianten besitzen einen gemeinsamen Vorteil: Sie schränken das Gesichtsfeld weniger ein als eine Brille. Sind die Scheibchen einmal im Auge platziert, kann man sie getrost für eine Weile vergessen. Sport ist unbeschränkt möglich, auch Schwimmen und Tauchen. Manche Sehfehler wie Hornhautverkrümmungen lassen sich mit Linsen besser korrigieren als mit einer Brille. Weiche Linsen eignen sich besonders für Leute, die nicht ständig Linsen tragen wollen. Aber die grenzenlose (Seh-)Freiheit hat auch ihren Preis. «Kontaktlinsen aller Art erfordern eine sorgfältige Handhabung und peinlich genaue Hygiene», warnt Spezialist Jürg Ammann, «sonst drohen unangenehme Augenreizungen oder -infektionen. Manche Leute reagieren allergisch auf den Fremdkörper in ihrem Auge; für sie kommen Kontaktlinsen nicht in Frage.» Ausserdem brauchen Kontaktlinsen Bewegung. Mit jedem Lidschlag wird der Flüssigkeitsfilm auf dem Auge neu durchmischt. Klimpert jemand zu selten mit den Wimpern, weil er oder sie beispielsweise wie gebannt auf den Computerbildschirm starrt, trocknet das Auge aus. Dann scheuern Linsen dort wie auf Sand. Künstliche Tränen oder die gute alte «Arbeitsbrille» können hier Abhilfe schaffen.

Eine Linse für zwei Sehfehler

Wer gleichzeitig unter Kurzsichtigkeit und beginnender Altersweitsichtigkeit leidet, muss nicht unbedingt mit mehreren Brillen oder Kontaktlinsen hantieren. Multifokallinsen, also solche mit mehr als einer Brennweite, können verschiedene Sehfehler auf einmal korrigieren. Sieht man nach unten, erscheint alles in der Nähe scharf. Sieht man nach oben, hat man den besten Blick auf alle Gegenstände in der Ferne.

Solche optischen Wunder sind nicht nur bei Brillen, sondern neuerdings auch bei Kontaktlinsen möglich. Allerdings erfordert der Umgang mit den verschiedenen Blickwinkeln ein wenig Gewöhnung. Manche Fehlsichtigen schaffen es nie; die meisten möchten jedoch schon nach einigen Tagen oder Wochen ihre neuen «Zweitaugen» nicht mehr missen.

Schweizerinnen und Schweizer greifen überwiegend zur Brille, um klar zu sehen. Jürg Ammann schätzt, dass nur fünf Prozent aller Kurz- oder Weitsichtigen Kontaktlinsen tragen. Ideal wäre für viele die Kombination von beidem. Auch wenn man die Pflegemittel mit einrechnet, sind Kontaktlinsen nicht oder nur unwesentlich teurer als eine Brille. Die Krankenkassen übernehmen anteilig die Kosten von Brillen und allen Arten von Haftschalen. Bescheinigt der Arzt, dass die Ausübung eines Berufs mit Kontaktlinsen besser möglich ist, werden die Kosten für die Haftschalen sogar voll erstattet.

Buchtipps

 

  • Beate Ludwig, Henry Walter: «Das Brillen-Buch.» Europa-Verlag, 2000, Fr. 27.50
  • Harald Schelle: «Kontaktlinsen.» Trias-Verlag, 2000, Fr. 29.10
  • Hans-Walter Roth: «Kontaktlinsen.» Verlag Urban + Fischer, 1994, 29 Franken
  • Johann Mayr: «Beste Aussichten. Cartoons zur Brille.» Lappan-Verlag, 1995, 19 Franken

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© Beobachter Ausgabe 18 vom 03. Sep 2000 - Alle Rechte vorbehalten

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