Seti@home: E.T. zu Besuch am Heim-PC
Millionen Internetbenutzer suchen fieberhaft nach Ausserirdischen. Die Jagd auf E.T. blieb zwar bisher noch ohne Ergebnis, doch dank «Internauten» wird das Netz zur stärksten Rechenmaschine der Welt.

Der Erfolg des US-Projekts «seti@home» hat selbst die Macher vom Space Science Laboratory in Berkeley überrascht (www.setiathome.ssl.berkeley.edu). «Seti» steht für Search for Extraterrestrial Intelligence, also die Suche nach ausserirdischer Intelligenz (astronomie.ch/scriptum/heck/seti/). «@home» meint zu Hause, denn jeder Besitzer eines PC mit Internetzugang kann am Projekt teilnehmen: Man kopiert die Freeware «seti@home» (jetzt in der Version 3.0 verfügbar) auf einen PC und startet das Bildschirmschoner-Programm; dieses besorgt sich vom Server in Berkeley Aufzeichnungen vom Radioteleskop im mexikanischen Arecibo (www.naic.edu), analysiert die Daten auf unnatürliche Radiostrahlung aus dem All und schickt danach die Resultate an den Server zurück.
Fast 2,5 Millionen Menschen weltweit beteiligen sich bereits an der Suche nach E.T. darunter fast 17000 Schweizer. Seit das Projekt 1999 startete, rechneten alle PC zusammen insgesamt 437672 Standard-Computerjahre und jeden Tag kommen 500 bis 1000 Jahre dazu.
Der Erfolg von «seti@home» bezieht sich aber vorläufig nur auf die Methode und nicht aufs Resultat. Denn trotz geballter Rechenpower gibts noch keine Hinweise auf Ausserirdische. Die Chancen, als Mitentdecker in die Geschichte einzugehen, sind also noch intakt.
Doch ob «seti@home» E.T. findet, ist Nebensache. Faszinierend ist vielmehr, welche Rechenleistung durch das «verteilte Rechnen» über das Internet mobilisiert werden kann: Die vielen vernetzten PC des Projekts bilden den mächtigsten und schnellsten Supercomputer der Welt und das für wenig Geld. Die Entwicklung des Programms kostete bloss 500000 Franken.
Die Bereitschaft der Internetgemeinde, den PC «auszuborgen», wollen deshalb auch andere Forscher nutzen (www.mersenne.org). So wird auf diese Art bereits nach Primzahlen gesucht (www.mersenne.org/prime.htm), und bald wird das Klima-21-Projekt (www.climate-dynamics.rl.ac.uk) starten, das Wettermodelle fürs Jahr 2050 entwerfen will. Selbst die leistungsstärksten Supercomputer der Klimaforscher sind dafür nicht schnell genug.
© Beobachter Ausgabe 23 vom 10. Nov 2000 - Alle Rechte vorbehalten









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