Sexualität

Frust mit der Liebeslust

Text:
  • Udo Theiss

Geschlechtskrankheiten wie Syphilis und Tripper sind wieder auf dem Vormarsch – auch in der Schweiz. Aidsexperten beobachten eine zunehmende Präventionsmüdigkeit.

Christoph Kolumbus brachte nicht nur die Kartoffel nach Europa, sondern auch den Syphiliserreger. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts und das 16. Jahrhundert hindurch verbreitete die Seuche Angst und Schrecken. Erst mit dem Penizillin bekam die Menschheit ein Mittel gegen die Krankheit, so dass sie im 20. Jahrhundert in Europa immer seltener wurde. Bessere hygienische Bedingungen, wirksame Antibiotika und der im Aidszeitalter vermehrte Gebrauch von immer besseren Kondomen dämmten die «Lustseuchen» Syphilis und Tripper massiv ein. Mit den Safer-Sex-Kampagnen gegen Aids schienen die klassischen Geschlechtskrankheiten zu verschwinden. Die Syphilis wurde so selten, dass das Bundesamt für Gesundheit (BAG) 1999 sogar die Meldepflicht abschaffte.

Doch ganz verschwunden sind die alten Seuchen nie. «Wir beobachten auch in Europa seit einen Wiederanstieg der Infektionen», erklärt Christoph Schlatter, Sprecher der Aids-Hilfe Schweiz. Laut Mirjam Feuz vom Bundesamt für Gesundheit gibt es verschiedene Anzeichen für eine Zunahme sexuell übertragbarer Infektionen. Zum Beispiel bei der immer noch meldepflichtigen Gonorrhö (Tripper).

Vermehrt ungeschützter Sex
Besonders beunruhigend: Der Wiederanstieg dieser Krankheiten könnte ein Hinweis sein, dass vermehrt ungeschützter Sex praktiziert wird. «Es gibt Anzeichen dafür, dass Safer Sex für manche nicht mehr so selbstverständlich ist», sagt Christoph Schlatter. Durch die neuen Therapien ist Aids nicht mehr unbedingt tödlich. Das könnte, so Schlatter, zu einer «fatalen Sorglosigkeit und gewissen Präventionsmüdigkeit» führen.

Ungefährlich ist die Situation nicht. Denn bei einer sexuell übertragbaren Infektion steigt auch das Risiko, sich mit HIV anzustecken. Und Safer Sex schützt zwar vor Aids, aber nicht vollständig vor Gonorrhö, Syphilis oder den etwas harmloseren Chlamydien. Allerdings warnt Schlatter vor Panikmache: Solange es sich um heilbare Krankheiten handle, sei es vor allem wichtig, die Symptome zu kennen und bei Verdacht zum Arzt zu gehen.

Es gibt allerdings einen weiteren Grund zur Besorgnis: Bis jetzt sind die meisten klassischen Geschlechtskrankheiten mit Antibiotika gut behandelbar. Aber das könnte sich ändern. Schon heute existieren in Afrika und Asien Gonokokkenstämme, also Trippererreger, denen Penizillin nichts mehr anhaben kann. Zudem sind manche Erreger auch schon gegen andere Antibiotika resistent. Wenn sich solche Resistenzen ausbreiten, könnten Tripper und Syphilis wieder zu den Geisseln der Menschheit werden, die sie zu Kolumbus’ Zeiten schon einmal waren.

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