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SOS Beobachter
Erfolgreiche Sommeraktion 2000
Erfolgreiche Sommeraktion: Seit unserem Spendenaufruf Anfang Juni sind rund 360000 Franken bei SOS Beobachter eingetroffen. Damit können wir auch in Zukunft jungen Menschen, die unsere Hilfe brauchen, eine Perspektive geben.
Jonas (Name geändert) geht in die dritte Klasse der Primarschule. Mit seinen zwei Geschwistern wächst er bei der Mutter auf. Die Familie lebt von der Sozialhilfe. Die Stimmung daheim ist ziemlich angespannt, die Mutter oft am Rande ihrer Kräfte. Nun hat Jonas während der Schulferien ein Lager besuchen können. Er hat sich riesig darauf gefreut. Gefehlt hat ihm allerdings noch ein Schlafsack. Die zuständige Sozialarbeiterin auf dem Jugendsekretariat hat deshalb SOS Beobachter angeschrieben und um Finanzierung des Schlafsacks gebeten. Keine Frage, SOS Beobachter hat dem Knaben geholfen.
Wie Jonas beziehen in der Schweiz Abertausende von Kindern und Jugendlichen Sozialhilfe. Diese Tatsache bewog SOS Beobachter vor ein paar Monaten, die zunehmende Jugendarmut zum Thema der diesjährigen Sommeraktion zu machen. Das Ergebnis ist hocherfreulich: Rund 360'000 Franken sind seit dem Sammelaufruf Anfang Juni zusammengekommen. Dafür sind wir sehr dankbar. Denn die Zahl der bei SOS Beobachter eintreffenden Hilfsgesuche hat trotz der Entspannung auf dem Arbeitsmarkt bis jetzt nicht abgenommen: Allein im Juli waren es rund 300. Hinter vielen von ihnen stehen Jugendliche.
Wichtige Hilfstätigkeit
Beispiel Tina: Ihre Mutter ist vor Jahren gestorben, der Vater kämpft mit Arbeitslosigkeit und Schulden. Das Mädchen wuchs im Kinderheim auf. Als Teenager begann sie zu stehlen, wurde immer aggressiver, bis sie in der Schule kaum mehr tragbar war. In einer sozialpädagogisch betreuten Wohngemeinschaft konnte sich die heute 18-Jährige allmählich wieder auffangen. Sie schloss die Schule erfolgreich ab; vor kurzem hat sie eine Lehrstelle angetreten.
Nun ist Tina genügend selbständig geworden, um eine eigene Wohnung zu beziehen. Der Leiter der Wohngemeinschaft bittet nun SOS Beobachter, der jungen Frau einen Zustupf an die Einrichtung – Möbel, Geschirr und was es sonst noch so braucht – zukommen zu lassen, da der Lehrlingslohn dafür nicht ausreicht. SOS Beobachter hilft.
Wie wichtig die Hilfstätigkeit von Institutionen wie SOS Beobachter ist, wurde diesen Sommer einmal mehr klar. «Jung sein wird zunehmend zum Armutsrisiko», kommentierte die «Berner Zeitung» Anfang Juli die Präsentation des neuen Kennzahlenvergleichs der Sozialämter von acht Schweizer Städten. Die Zahl der von Armut betroffenen Jugendlichen sei alarmierend, hielten die Sozialvorsteherinnen und -vorsteher anlässlich ihrer Presseorientierung fest; es brauche dringend familienpolitische Massnahmen.
Politiker verschliessen die Augen
Dass solche allerdings kaum realisierbar sind, hatte sich gerade zehn Tage vorher auf eindrückliche Art gezeigt. Der Nationalrat sprach sich in der zweiten Junihälfte gegen eine Einzelinitiative aus, die Ergänzungsleistungen für bedürftige Familien vorsah. Und auch der Zürcher Kantonsrat wollte Ende Juni nichts von Ergänzungszulagen für Familien wissen; Kinder seien Privatsache, wurde in der Debatte geltend gemacht. Wer so argumentiert, verschliesst allerdings die Augen vor den Sorgen und Nöten armutsbetroffener Kinder.
Beispiel Alain: Seine Eltern leben nicht zusammen. Der Achtjährige wächst bei der Mutter auf, den Vater sieht er von Zeit zu Zeit. Die Familie lebt von der Sozialhilfe, denn Alains Mutter leidet an Depressionen und kann deshalb seit einiger Zeit keiner geregelten Arbeit nachgehen. Beim Schuleintritt wurde festgestellt, dass Alain ein sehr begabtes Kind ist. Seine Mutter ist stolz auf ihn und versucht, ihn nach Kräften zu fördern. Im Alltag die dafür nötige Energie zu tanken ist allerdings schwierig. Alains Beistand möchte dem Knaben deswegen ein paar Ferientage zusammen mit der Mutter ermöglichen und bittet SOS Beobachter um einen Beitrag. SOS Beobachter hilft.
Dass unsere Stiftung auch in Zukunft helfen kann, verdanken wir der Grosszügigkeit und Solidarität der Leserinnen und Leser, darunter auch viele Kinder und Jugendliche. Die Viert- und Fünftklässler des Schulhauses Scheuren BE beispielsweise führten das Märchen «Des Kaisers neue Kleider» auf und schickten den Erlös an SOS Beobachter. Die Konfirmandinnen und Konfirmanden aus Rifferswil ZH beschlossen zusammen mit ihrem Pfarrer, die Konfirmationskollekte unserer Stiftung zukommen zu lassen. Und die Kinder aus der Überbauung «Im Bühl» in Staffelbach AG organisierten am Quartierfest eine Tombola zugunsten von SOS Beobachter – «damit anderen Jugendlichen geholfen werden kann, die es nicht so gut haben», so der Begleitbrief zur Spende.
Zeugen schwerer Misshandlungen
Beispiel Rolf: Der 16-Jährige hat zusammen mit seinen beiden jüngeren Brüdern jahrelang zusehen müssen, wie der Vater die Mutter schwer misshandelte. Erst vor einem Jahr fand diese die Kraft, sich aus der unheilvollen Beziehung zu lösen. Heute ist sie zusammen mit ihren Söhnen von der Sozialhilfe abhängig. Im Rahmen einer Psychotherapie versucht sie, die traumatischen Geschehnisse der vergangenen Jahre allmählich zu verarbeiten.
Quälend sind für Rolf und seine Familie aber nicht nur die Erinnerungen, sondern auch finanzielle Sorgen – darunter offene Arztrechnungen. Die Opferberatungsstelle bittet SOS Beobachter deshalb, hier zusammen mit andern Institutionen einzuspringen. SOS Beobachter hilft.
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© Beobachter Ausgabe 18 vom 03. Sep 2000 - Alle Rechte vorbehalten











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