Spreitenbach: Paradies ist in die Jahre gekommen

Text:
  • Martin Müller
Ausgabe:
8/00

Der älteste Einkaufstempel der Schweiz feiert den 30. Geburtstag. Doch die Euphorie um das Shopping-Center Spreitenbach ist verflogen.

Am 12. März 1970, morgens um 10 Uhr, brach für Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten eine neue Ära an: Im Shopping-Center Spreitenbach AG warteten 50 Geschäfte auf Kundschaft. Und die kam in Massen aus der halben Schweiz. Alles unter einem Dach, immer genügend Parkplätze, regelmässiger Abendverkauf, lautete das aus den USA importierte Erfolgsrezept.

Doch das einst als «Paradies» angepriesene Einkaufszentrum ist in die Jahre gekommen. Braune Kunstlichthallen und plätschernde Springbrunnen locken heute keine Kaufwilligen mehr an. Nur eine mehrere Millionen teure Auffrischung konnte den Umsatzrückgang stoppen. 1999 wurde erstmals seit 1991 wieder ein leichtes Plus auf 203 Millionen Franken verzeichnet.

Auch die Hoffnungen der Raumplaner blieben Makulatur. Der Einkaufstempel sollte Zentrum einer neuen Stadt mit 35000 Einwohnern werden. Tatsächlich wohnen heute 9035 Leute in der gesichtslosen Gemeinde – zu gross für ein Dorf, zu provinziell für eine Stadt. Ubertroffen wurden einzig die Verkehrsprognosen.

Also hat das Shopping-Center das Jubiläum bewusst vergessen? «Uberhaupt nicht», sagt Geschäftsführerin Margot Rösch. «Wir wollten der Neueröffnung eines Restaurants in unserem Zentrum nicht die Show stehlen. Gefeiert wird im Sommer oder im Herbst.»

© Beobachter Ausgabe 8 vom 14. Apr 2000 - Alle Rechte vorbehalten

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