Swissair-Personal: Überteuerte Kasinoträume

Text:
  • Elisabetta Antonelli
Ausgabe:
4/02

Flight-Attendants interessierten sich für den Beruf Croupier. So lange, bis sie die saftige Rechnung für den Kurs erhielten.

«Ausbildung zum Croupier» hiess die Infoveranstaltung, die die Kapers (Gewerkschaft für Kabinenpersonal) zusammen mit der privaten Croupierschule Swiss Casino Equipment Company Ende November durchführte. Gut 80 Flight-Attendants haben daran teilgenommen.

«An der Veranstaltung klang alles so locker und easy», sagt Ralph Knoepfel (Bild), Kommissionsmitglied der Kapers, «dann kam der Hammer.» Und zwar in Form eines Einzahlungsscheins über 9000 Franken an alle, die sich provisorisch für den 165 Stunden dauernden Kurs angemeldet hatten – zahlbar im Voraus. «Dabei hiess es ausdrücklich, dass die Umschulung kostenlos sei», sagt Knoepfel.

Neben den sonstigen Kursteilnehmern wären Flight-Attendants für Peter Ueltschi, Geschäftsleiter der Casino Equipment, ideale Kunden gewesen. Ein Grossteil der Angemeldeten sprang jedoch ab, nachdem sie die Rechnung erhalten hatten. Er habe nicht gesagt, die Ausbildung sei gratis, so Ueltschi, das sei ein Missverständnis. «Flight-Attendants, denen gekündigt wurde, hätte die Arbeitslosenkasse die Ausbildung bezahlen sollen.»

«So einfach ist das nicht», sagt Edith Gitermann, Abteilungsleiterin des Arbeitsmarktzentrums Swissair. «Eine solche Ausbildung würden wir nur dann bezahlen, wenn die Integration in den ersten Arbeitsmarkt erschwert ist.» Von kostenlos kann also keine Rede sein.

Der Kurs bringt den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ohnehin nicht viel. Ueltschi sagt zwar, der Bedarf der Kasinos an Croupiers sei «enorm gross». Doch wer seine Schule besucht, hat noch lange keine Stelle auf sicher. Das Casino Baden zum Beispiel stellt nur Leute an, die die hausinterne Ausbildung durchlaufen haben. «Ich kenne den Kurs der Casino Equipment nicht», sagt Kasinomanager Ernesto Sommer.

Ralph Knoepfel von der Kapers ist enttäuscht: «Ich finde es unfair, wenn aus Existenzängsten Profit geschlagen wird.» Für ihn selber ist die Umschulung zum Croupier jedenfalls kein Thema mehr.

© Beobachter Ausgabe 4 vom 22. Feb 2002 - Alle Rechte vorbehalten

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