Tätowierung: Kunst am Körper
Tattoos sind im Trend. Wer den Schritt nicht bereuen will, muss sich vorher gut informieren.
«In den letzten fünf Jahren gab es in der Schweiz einen regelrechten Tattoo-Boom. Jedes Jahr werden mehrere 10000 neue Tätowierungen gemacht.» Franz Pignat vom Tattoo-Studio «Hot Flash» in Luzern muss es wissen. Als Sekretär des Verbands Schweizerischer Berufstätowierer (VST) und seit 15 Jahren Profi, kennt er die Szene.Die grosse Nachfrage freut den Geschäftsmann.
Sorgen bereiten ihm aber die zahlreichen unseriösen Anbieter. Vor 20 Jahren gab es in der Schweiz gerade mal fünf Berufstätowierer. Pignat schätzt, dass es heute über 50 sind. «Darüber hinaus gibt es aber Hunderte, die das Handwerk mehr oder eben weniger professionell ausüben. Eine Grundausrüstung ist schon für etwa 300 Franken zu haben. Aber eine Motorsäge macht noch keinen Förster.»
Auf Hygiene achten
Der Arzt Christoph Waechter, medizinischer Berater und Präsident des VST, sieht die grössten Probleme bei den hygienischen Verhältnissen in einigen Tattoo-Studios. «Eine Tätowierung ist eine Wunde. Es besteht die Gefahr von Infektionen, schlimmstenfalls mit Aids oder Hepatitis B und C. Deshalb müssen Tätowierungen unter streng hygienischen Verhältnissen und mit modernen Apparaten angefertigt werden.»
Der VST verlangt eine saubere und professionelle Führung des Geschäfts. Die Mitglieder sind verpflichtet, weder Minderjährige noch Schwangere, noch an einer Infektionskrankheit Leidende zu tätowieren. Im Tattoo-Studio sind Rauschmittel für Kunden und Tätowierer tabu. Der VST führt unangemeldete Kontrollen der Studios durch. Allerdings haben sich dem Verband bislang lediglich 15 Berufstätowierer angeschlossen.
Vor der Tätowierung steht die seriöse Kundeninformation. Dazu gehört der eindringliche Hinweis besonders an Jugendliche, dass Tätowierungen Folgen für das ganze Leben haben. «Wenn Jugendliche etwa den Namen ihrer Lieblingsband tätowiert haben möchten, mache ich das natürlich nicht.» Wer sich Nazi-Symbole oder ähnliches in die Haut ritzen lassen will, ist bei VST-Mitgliedern ebenfalls an der falschen Adresse.
Dennoch bekommt der Basler Dermatologe Ruedi Flückiger jede Woche Besuch von einem oder zwei Patienten, die sich meist laienhaft tätowierte Jugendsünden entfernen lassen möchten. «Der krasseste Fall war ein Jugendlicher, der wollte eine gerade eine Woche alte Tätowierung entfernt haben», erinnert sich Flückiger.
Wer seine Haut mit einer Tätowierung verzieren möchte, sollte sich vorher also gut überlegen, ob er das Tattoo wirklich das ganze Leben lang tragen will. Auch die Körperstelle sollte mit Bedacht gewählt sein. Allergiker und Hautkranke sollten vorher unbedingt Rücksprache mit dem Hausarzt halten. Langfristig besteht die Gefahr von Fremdkörperreaktionen. Wer in medikamentöser Behandlung steht, sollte von einer Tätowierung absehen. Die Studios lehnen jede Haftung ab.
Seriöse Beratung
Einige Tips vermeiden unnötigen Ärger:
- Sorgfältige Wahl von Studio und Sujets. Besuchen Sie mehrere Studios, und lassen Sie sich ausführlich beraten.
- Sprechen Sie Leute mit gefälligen Tattoos an, fragen Sie nach dem Studio und nach ihren Erfahrungen mit dem Tragen von Tattoos.
- Achten Sie neben der Qualität der Arbeit vor allem auf die hygienischen Verhältnisse. Sieht das Studio unhygienisch aus, machen Sie am besten gleich kehrt. Lassen Sie sich den sterilen Bereich und die Apparate wie den «Autoklav» oder «Steri» zeigen.
- Die Nadeln müssen nach jedem Einsatz mindestens sterilisiert, besser noch entsorgt werden. Auch die Farbtöpfe und Handschuhe sollten nach jeder Kundschaft gewechselt werden.
- Minderjährige dürfen sich nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Eltern tätowieren lassen. Seriöse Tätowierer bestehen darauf, die Eltern persönlich anzusprechen, weil Unterschriften oft gefälscht werden.
- Bedenken Sie, dass Tattoos an kritischen Stellen sich mit den Jahren etwa durch Gewichtszunahme, Schwanger-schaftsstreifen, Cellulite oder ähnliches verformen können.
- Muttermale niemals übertätowieren lassen. Bösartige Veränderungen kann der Arzt sonst nicht mehr feststellen.
- Sprechen Sie Leute mit gefälligen Tattoos an, fragen Sie nach dem Studio und nach ihren Erfahrungen mit dem Tragen von Tattoos.
Bio-Tattoo oder Henna?
Tattoos: Mit synthetischen Farben wird ein Sujet in die untere Hautschicht gestochen. Einige Farben stehen im Verdacht, krebserregend zu sein. Doch sind weltweit kaum Fälle von Karzinomen auf tätowierten Hautstellen bekannt.
Bio-Tattoos: In die obere Hautschicht werden mineralische Pigmente gestochen, die nach einigen Jahren wieder verschwinden sollen. Bio-Tattoos sind umstritten. Sie verblassen bereits nach einigen Wochen, bleiben aber jahrelang verwaschen erhalten. Die mineralischen Farben bergen ein grösseres Allergierisiko als die synthetischen.
Permanent Make-up: als Bio-Tattoo oder normales Tattoo; wird eingesetzt, um die Konturen der Lippen oder Augenbrauen nachzuzeichnen.
Henna-Tattoos: Die Hennapaste wird auf die Haut aufgetragen und zieht ein. Bleibt einige Wochen erhalten.
Pigment-Laser gegen Tattoos: Mit modernen Pigment-Lasern lassen sich Tattoos entfernen. Allerdings ist die Behandlung langwierig, schmerzhaft und kostspielig. Die Entfernung einer handtellergrossen, einfarbigen Tätowierung kostet mindestens 1200 Franken und erstreckt sich über sechs Monate. Die Entfernung von grösseren und mehrfarbigen Tattoos ist entsprechend aufwendiger und teurer. Spuren bleiben immer zurück, mit etwas Glück aber keine Narben.
Weitere Auskünfte erteilen Fachärztinnen und -ärzte für Dermatologie.
© Beobachter Ausgabe 19 vom 23. Aug 1998 - Alle Rechte vorbehalten









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