Tagebuch: Geld gespart dank zwei linken Händen

Text:
  • Martin Müller
Ausgabe:
23/99

Martin Müller über die Mühen einer Lampenmontage

Nein, ich besitze keinen Kreuzschraubenzieher der Grösse 5. Bloss einen gewöhnlichen der Grösse 3 – aber warum muss ich dies am Montagmorgen um 8 Uhr einem ausgebildeten Montageschreiner erklären? Oder besser gefragt: Warum hat der Mann das für sein Handwerk nötige Werkzeug nicht selbst dabei?

So unheilvoll die Geschichte meiner schönen neuen Wandlampe endete, so toll fing sie an. Beschwingt durch die Unterzeichnung des neuen Mietvertrags, gefiel mir die Lampe in der Ausstellung eines Möbelhauses auf Anhieb: rund, blau, sanftes indirektes Licht und dank dem Spiegel in der Mitte die ideale Ergänzung zur Garderobe vis-à-vis – genau so sollte das Ding den Gang meiner neuen Wohnung erhellen. Nicht umsonst heisst es «O Sole Mio».

Die Montage sei kinderleicht, sein Unternehmen könne sie aber selbstverständlich übernehmen, versicherte mir der Verkäufer eilfertig. Perfekt für jemanden wie mich mit zwei linken Händen – darum habe ich ja auch keinen Kreuzschraubenzieher der Grösse 5 in meinem Werkzeugkasten. Gut, gerade billig ist die Lampe nicht. Aber beim Einrichten meiner neuen Wohnung will ich schliesslich nicht knausern.

Das Unheil beginnt einen Monat später mit der Lieferung. Nein, ein Kabel finde er in der Verpackungsschachtel nicht, und überhaupt müsse ich einen Elektriker kommen lassen, erklärt der Monteur der Einrichtungsfirma ungerührt und zieht von dannen. Das Ding hängt zwar dort, wo es sollte, doch ohne Licht ist eine Wandlampe ziemlich sinnlos. Daran ändert auch einige Wochen später der Besuch des Elektrikers nichts. Mit der Sicherung stimme irgendwas nicht, meint er, nachdem «O Sole Mio» genau zweimal geflackert und dann den Geist aufgegeben hat.

Gleichentags liegt eine Mahnung in meinem Briefkasten – das Möbelhaus teilt mir freundlich, aber bestimmt mit, es sei wohl meiner Aufmerksamkeit entgangen, dass die Zahlungsfrist abgelaufen sei, und es erwarte eine Uberweisung «in den nächsten Tagen».

Jetzt wird es mir zu bunt; die Antwort ist ein geharnischter Brief an die Geschäftsleitung. Diese bedauert zwar die «vielen Schwierigkeiten» bei diesem Auftrag, nur leider, leider sei rasche Abhilfe nicht in Sicht: Die Lampe müsse komplett ersetzt werden, was mindestens weitere sechs Wochen dauere.

Nein, so lange will ich nicht in der herbstlichen Finsternis meines Entrees sitzen. Deshalb schickt die Firma wieder einen Monteur vorbei, der das schöne, aber unbrauchbare Ding wieder mitnehmen soll. Aber eben: Er hat keinen passenden Schraubenzieher dabei, und weil es bekanntlich dunkel ist in meinem Korridor, sieht er zu wenig.

Für das Happy End sorgt ein Besuch im Billig-Möbelhaus. Viermal günstiger ist dort ein ähnliches Modell. Nicht ganz so schick, aber viel praktischer, und der Stecker passt erst noch in jede Steckdose. Letztes Wochenende habe ich es in nur einer Stunde mit meinem gewöhnlichen Schraubenzieher und der Bohrmaschine selbst an die Wand gedübelt; die Heftpflaster blieben im Apothekerschrank.

Ein paar Hunderter gespart und erst noch ein Erfolgserlebnis für einen handwerklich Unbegabten – und alles nur dank «O Sole Mio»…

© Beobachter Ausgabe 23 vom 12. Nov 1999 - Alle Rechte vorbehalten

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