Tagebuch: Kläffende Begleiter mit komischen Namen
Thomas Angeli über Schweizer Hundenamen.
Wenn ich frühmorgens auf dem Weg zur Arbeit die Limmat entlang fahre, so treffe ich fast täglich auf meine beiden vierbeinigen Freunde. Die Begegnung mit ihnen lässt mein Herz höher schlagen. Der Puls steigt auf 180, und mein Adrenalinspiegel erreicht gefährliche Werte, wenn sie zähnefletschend auf mich wehrlosen Velofahrer zurennen. Vor meinem geistigen Auge läuft mein Leben noch einmal vor mir ab, und ich sehe mich bereits mit blutigen Waden und durchgebissener Kehle auf dem Weg liegen.
Ein trauriges Ende, das mir aber bisher erspart geblieben ist. Kurz bevor mich meine beiden Lieblinge zerfleischen, zerstören nämlich jeweils zwei Rufe die Morgenidylle: Frauchen ruft ihre Bestien zur Ordnung, ich komme ein weiteres Mal mit dem Leben davon.
Die Namen allerdings, auf die meine beiden vierbeinigen Lieblinge hören (oder hören sollten), irritieren mich immer wieder von neuem. Für mein ursprünglich auf Berndeutsch programmiertes Ohr klingen sie äusserst exotisch: Mein schwarzer Freund nämlich heisst «Ermachtganzsichernüüüt!!!», und der andere, vorne weiss und hinten grau, trägt den erstaunlichen Namen «Erwottnuschpile!!!», Ausrufezeichen inbegriffen.
Selbstverständlich bin auch ich als Berner mit längeren Hundenamen bestens vertraut. Kurzformen wie «Fido» oder «Bäri» sind selbst längs der Aare völlig ausser Mode, so heisst Hund nicht einmal mehr im hintersten Emmentaler Krachen. Aber in der Bundesstadt ist mir wenigstens der Klang der Namen vertraut.
Was sie bedeuten, bleibt mir allerdings verborgen, selbst wenn ich des einheimischen Idioms mächtig bin. So traf ich kürzlich bei einem Spaziergang in heimatlichen Gefilden auf eine wild kläffende Promenadenmischung, die von ihrem Herrchen mit «Äuädulöu» angesprochen wurde – und weiterbellte. Ein paar hundert Meter weiter wehrte sich ein verzweifelter Jogger gegen einen Hund, der von seiner Meisterin offensichtlich auf den obskuren Namen «Lajitzdämmasischeichelos» getauft worden war. Wahrlich, seltsame Sitten auch in Bern.
Meine Faszination für Hundenamen begann übrigens vor ein paar Jahren bei einer Polizeihundevorführung. Die Beamten reagierten dort auf so prosaische Anreden wie «Bamert» oder «Müllerzwo», die Hundenamen allerdings hatten es in sich. Da sprang «Rex von Heidenhof» über ein Hindernis, «Hasso von Wartburg II» kroch durch Tunnels, und «Bodo von Kirgistan» warf einen vermeintlichen Angreifer reglementskonform zu Boden. Nur «Ermachtganzsichernüüüt!» und «Erwottnuschpile!» hatte man für die Demonstration offenbar zu Hause gelassen.
© Beobachter Ausgabe 24 vom 26. Nov 1999 - Alle Rechte vorbehalten









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