Telefongebühren: Dank Nulltarif solls klingeln in der Kasse
Seit der Liberalisierung des Telekom-Marktes befinden sich die Preise fürs Telefonieren im freien Fall. Die Anbieter werben mit Dumpingangeboten um neue Kundschaft – und jetzt wird sogar eine Gratisrunde eingeläutet.

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«Wir bieten Lokalgespräche gratis an», verspricht Gerd Freeland, Marketingchef Schweiz beim Telekommunikationsanbieter Catel. Die bisher vor allem auf Geschäftskunden spezialisierte Firma lanciert im April eine weitere Preisrunde im hart umkämpften Telefonmarkt. Vorerst profitieren die 20000 Preselect-Kunden von Catel. Also jene, die auch alle Ferngespräche und internationalen Anrufe über Catel führen.
Damit bahnt sich in der Schweiz eine Entwicklung an, wie sie in anderen Ländern mit liberalisiertem Telekom-Markt bereits seit längerer Zeit üblich ist. In den USA etwa sind Lokalgespräche im Allgemeinen gratis oder in der monatlichen Grundgebühr inbegriffen.
Die anderen Anbieter in der Schweiz reagieren skeptisch: «Bei uns ist das vorderhand kein Thema. Wir erachten unseren Tarif von knapp sieben Rappen pro Minute als tief genug», sagt eine Diax-Sprecherin. Für einmal gleicher Meinung ist Swisscom. «Der Preis ist je länger, desto weniger ein Kriterium», meint Pressesprecher Sepp Huber. «Wir bieten stattdessen Gratis-Dienstleistungen an, zum Beispiel den Anrufbeantworter Combox.» Bloss: Angesichts des harten Preiskampfs reagierte die Konkurrenz bisher immer sehr rasch auf jedes Vorprellen eines Anbieters.
Econophone-Chef Samuel Gross begründet das Zögern: «Es braucht zuerst tiefere Interkonnektionstarife.» Gemeint sind damit die Gebühren, die sämtliche privaten Telekom-Anbieter der Swisscom dafür bezahlen müssen, dass sie die Kabel der Exmonopolistin zwischen ihrem eigenen Leitungsnetz und dem Anschluss in jedem Haus benützen dürfen. Diese «letzte Meile» ist noch fest in Swisscom-Hand. Allerdings nicht mehr lange. Fünf Alternativen stehen demnächst bereit oder werden technisch erarbeitet, darunter die Nutzung des Kabelfernsehnetzes oder der Stromkabel sowie Funkverbindungen.
Bis es so weit ist, kassiert die Swisscom weiterhin Interkonnektionsgebühren. Wer Gratistelefonie anbietet, legt also drauf bei einem Vier-Minuten-Lokalgespräch immerhin 20 Rappen. Billiganbieter Catel macht eine andere Rechnung: «Es kostet uns viel mehr, jedes Gespräch einzeln abzurechnen», erklärt Gerd Freeland. Ausserdem sei das Angebot auch eine perfekte Marketingmassnahme, um neue Kundinnen und Kunden zu gewinnen. Geld zu verdienen gebe es ohnehin nicht mit Lokalgesprächen, sondern mit kostenpflichtigen Informationsdiensten oder mit Call-Center-Angeboten für die Geschäftskundschaft, sagt Freeland.
Sydney ist billiger als Winterthur
Zur gleichen Beurteilung kommt Richard Eisler, Geschäftsführer der auf Tarifvergleiche spezialisierten Firma Comparis. «Das Geschäft machen die Anbieter mit Internet sowie mit Serviceleistungen wie Auskunftsdiensten und ähnlichen Angeboten.» Weltweit wurden in den letzten Jahren riesige Leitungskapazitäten aufgebaut. Verschiedenste Datenübertragungen brauchen viel mehr Platz auf diesen Netzen; ein Telefongespräch wird dabei zur Kleinigkeit, die fast nichts mehr kostet. «Zeit und Distanz spielen praktisch keine Rolle mehr», bestätigt auch Sunrise-Sprecher Stephan Howeg.
Selbst für den unabhängigen Fachmann Richard Eisler sind die Preise schneller gefallen als erwartet: «Seit der Liberalisierung sind die Inlandtarife um rund 75 Prozent, die Auslandstarife sogar um 85 Prozent gesunken.» Das hat zu absurden Preisdifferenzen geführt: Ein einminütiges Telefongespräch von Zürich nach Sydney kostet bei Telesonique gerade noch neun Rappen, ein gleich langer Anruf mit Swisscom von Zürich nach Winterthur schlägt mit zwölf Rappen zu Buche. Eisler rechnet damit, dass die Tarifzonen in naher Zukunft gänzlich abgeschafft werden und es keine Rolle mehr spielen wird, wohin man telefoniert.
Angebot für Vielsprecher
Der Anbieter GTN Telecom setzt mit der «Flat rate» auf eine andere Strategie: Für 49 Franken monatlich kann die sprechende Kundschaft unlimitiert in der gesamten Schweiz telefonieren, allerdings nur zu Niedertarif- und Nachttarifzeiten und ohne Internetsurfen. Damit lohnt sich das Angebot nur für ausgesprochene Plaudertaschen, die pro Tag mehr als eine halbe Stunde an der Strippe hängen.
Das GTN-Angebot mag noch nicht allzu attraktiv sein ist aber zukunftsträchtig. Fachleute sind sich einig, dass die Konkurrenz schon in wenigen Monaten andere Pakete zu einem fixen Preis anbieten wird. Auch der Marktleader Swisscom. Ein entsprechendes Angebot werde «noch im ersten Halbjahr 2000» lanciert, sagt Pressesprecher Sepp Huber.
© Beobachter Ausgabe 7 vom 31. Mär 2000 - Alle Rechte vorbehalten









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