Top-Thema: Datenschutz im Internet
Das World Wide Web ist eine virtuelle Plattform, die Menschen oder Unternehmen miteinander in Verbindung bringt. Beim weltweiten Informationsaustausch besteht aber auch die Gefahr, dass persönliche Daten im Internet gesammelt, verknüpft und missbraucht werden. Der Datenschutz gewinnt deshalb immer höhere Bedeutung.
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«Hinter dem Rücken des Internet-Benutzers laufen eine ganze Menge Dinge ab, von denen er nichts weiss», sagt der Jurist und Internet-Spezialist David Rosenthal im Artikel von Beobachter-Redaktor Thomas Angeli zum Thema Data Mining. Tatsächlich ist es für Surferinnen und Surfer schlicht nicht möglich, die Übersicht zu behalten, wer welche Daten über sie sammelt und weiter verwendet.
Grund zur Besorgnis ist gegeben. Nicht jeder Anbieter im Internet pflegt einen sorgfältigen Umgang mit der Wahrheit und achtet die persönlichen Rechte und die Privatsphäre der Besucherinnen und Besucher seiner Site. Im Gegenteil: Geschäftstüchtige Unternehmen verfolgen systematisch die von den Surfern im Netz gelegten Spuren. Für Aufruhr gesorgt hat in den USA Anfang Jahr der Fall der Online-Werbefirma Doubleclick. Sie verknüpfte nicht nur die Daten verschiedener Server miteinander, sondern hatte darüber hinaus ein Datenregister mit über zwei Milliarden Einträgen aufgekauft. Als die US-Handelsbehörde und die Staatsanwaltschaft zu ermitteln begannen, wurde auch die Bevölkerung aufgeschreckt, und Doubleclick verzichtete in der Folge darauf, alle diese neu gewonnenen Personenprofile miteinander zu verbinden.
Die wenigsten Internet-User sind sich der Macht der Verknüpfung von Daten bewusst. Spuren im Netz lassen sich auf verschiedene Art und Weise sammeln. Click-Angaben erhält ein Server, sobald jemand eine bestimmte Site aufruft und damit seine eigene IP-Adresse gespeichert wird. Zudem empfängt der Server die vom User zuletzt besuchte Seite und Angaben über dessen Browser. Häufig gibt jemand auch ganz freimütig direkte Personendaten preis, etwa bei Online-Bestellungen, Anmeldungen zu Gratisdiensten oder Downloads von Software. Indirekte Personendaten können während eines Musik-Downloads oder bei den Suchmaschinen gesammelt werden. Viele Webserver verschicken mit einer Seite auch kleine Textdateien, sogenannte Cookies, die dann im Browser der Besucherin oder des Besuchers abgelegt werden und dem Server bei einem nächsten Besuch vom selben Browser aus weitere wertvolle Angaben zum Aufbau einer Datenbank liefern. Wenn dann ganze Datenbanken von verschiedenen Servern verknüpft werden, spricht man von Data Mining, das zum Beispiel eine speziell auf die betreffende Person abgestimmte Bannerwerbung ermöglicht. Darüber hinaus kann ein Webserver verdeckte Abfragen machen, etwa dann, während jemand am Computer ab CD Musik hört und über spezielle Programme eine Playlist anfordert.
Trotz der trickreichen – und darüber hinaus manchmal illegalen – Methoden, die angewandt werden, um möglichst viele Daten über Surfer zu sammeln, können Internet-Nutzerinnen und -Nutzer das Risiko, dass ihre Daten missbraucht werden, zumindest senken. Dies etwa mit bewussteren, kontrollierteren Eingaben im Netz, indem sie bei Besuchen auf Web-Sites nur die absolut notwendigen Angaben und eventuell sogar bewusst Falscheingaben machen, Privacy Policies und Kleingedrucktes beachten und sich immer im Klaren sind, dass alles was Sie eingeben, weiter verwendet werden kann.
Im Netz selber gibt es zudem eine ganze Reihe von nützlichen Sites, die den Usern helfen, ihre Privatsphäre zu schützen. Der Begriff der Privatsphäre selbst ist sich hingegen laufend am Ändern. Wenn ein Surfer sorglos Persönliches und Privates von sich preisgibt, ist er auf dem besten Weg dazu, ein gläserner Konsument zu werden. Das mag durchaus auch bequem und verlockend sein, weil ihm damit genau das angeboten wird, was seinen persönlichen Bedürfnissen entspricht. Hingegen sind solche Profile höchst problematisch, weil sie dem Persönlichkeitsschutz zuwiderlaufen. Peter Heinzmann, Leiter des Institutes für Internet Technologien und Anwendungen an der Hochschule Rapperswil, ist der Überzeugung, dass viele Menschen noch viel zu vertrauensvoll im World Wide Web surfen, und er meint zur Problematik des Datenschutzes: «Erst wenn sich mehr Internet-Nutzer bedroht fühlen, werden die Datenschutzbeauftragten reagieren.»
© Beobachter Ausgabe 24 vom 24. Nov 2000 - Alle Rechte vorbehalten









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