Übergewicht

Wir essen uns krank

Text:
  • Christian Schmidt
Ausgabe:
25/99

Der Mensch isst zu viel, bewegt sich zu wenig – und wird immer dicker. Bereits sind 40 Prozent der Schweizer und 20 Prozent der Schweizerinnen übergewichtig. Das verursacht Gesundheitskosten von rund vier Milliarden Franken im Jahr.

Einmal im Monat steht Daniel Hess frühmorgens auf die Waage und schaut an seinem Bauch vorbei in die Tiefe. Er sieht, wie sich die Anzeige dem Maximum nähert, zur Null weiterdreht und darüber hinauszittert. «130 Kilo», das ist der aktuelle Stand. Hess hat eine tiefe Stimme, sie kommt aus dem Inneren seines grossen Gefässes. Es ist eine angenehme Stimme.

Der Bauch des 42-Jährigen ist zu gross, noch immer. Doch was liesse ihn weiter schrumpfen? Einst drehte die Waage bis 190 Kilogramm. Rund 60 Kilo verschwanden, nachdem er sich vor drei Jahren operativ das Magenvolumen verkleinern liess, aber jetzt geht nichts mehr. Der Körper weigert sich. Auch die tägliche Pille Xenical, die den Körper ein Drittel des aufgenommenen Fetts unverdaut ausscheiden lässt, hilft nicht weiter.

Mitten in der Stube steht Hess' Trainingsgerät, schwarz und fast zwei Meter hoch. Das Gerät steht da wie ein Altar. Zwanzig Minuten tritt Hess gegen den Widerstand der Stufen. Es hilft, dass er sein Gewicht zumindest halten kann und nicht mehr zunimmt.

Daniel Hess leidet unter Adipositas, früher als «Fettsucht» bezeichnet, heute etwas weniger moralisierend mit «Ubergewicht» übersetzt. 40 Prozent der Männer und 22 Prozent der Frauen in der Schweiz haben einen Body-Mass-Index (BMI) von über 25 und gelten laut dieser Skala als übergewichtig. Daniel Hess hat heute einen BMI von 44 – das heisst, er leidet an «krankhaftem Ubergewicht».Hess isst weniger als Normalgewichtige. Seit der Operation sitzt in dem grossen Gefäss ein Magen, der nicht mehr wie üblich zwei Liter aufnehmen kann, sondern nur noch das Volumen einer Espressotasse. Ist die Tasse voll, hat er genug. Der Ballon ist zum Fingerhut geschrumpft. Trotzdem nimmt Hess nicht weiter ab. «Für mich ist das ein Phänomen.»

Hess zieht sich an: Krawatte, Jackett. Dann stellt er ein Joghurt auf den Frühstückstisch. Nach der Hälfte legt er den Löffel wieder hin; der Fingerhut ist voll.

Es ist dunkel draussen, Vorwinter in Glattbrugg. Will Hess über die Stränge schlagen, legt er ein kleines Stück Käse auf den Beifahrersitz seines Autos und knabbert daran auf der Fahrt ins Büro.

Daniel Hess kämpft mit seinem Körper, seit er 15 ist. Damals spielte er Handball und war in der Pfadi. Ein junger Mann mit gutem Appetit. «Ich war ein "Fätze", wie man sagt, das ist alles.» Doch der Lehrer fand ihn zu dick und schickte ihn zum Schulpsychologen. Dieser wiederum überwies ihn ins Kinderspital, wo eine dreissigtägige Nullkaloriendiät verordnet wurde.

Die Therapie schlug an. Hess verliess das Spital 20 Kilogramm leichter. «Das war vermutlich der entscheidende Punkt.» Es war vermutlich der entscheidende Fehler.

Epidemie des dritten Jahrtausends
Im Hinterhof eines Bürogebäudes, mitten im Businessrummel von Zürich, parkiert Hess und steigt aus. Er kennt die Blicke. Klar, er fällt auf. «Aber ich habe inzwischen eine zweite Haut – aus Teflon.» Die Blicke haften nicht. Nicht mehr.

Im Eingang des Bürogebäudes zögert er. Bequem oder unbequem? Links die Treppe, geradeaus der Lift. Er entscheidet sich für «unbequem». Eine kleine Strafe dafür, dass er gestern keine Zeit fand, seinem Altar Fett zu opfern. Hess steigt leicht.

In den USA, in Deutschland, England und Finnland hat sich die Zahl der Ubergewichtigen innert zehn Jahren verdoppelt. Vergleichszahlen für die Schweiz fehlen. Die World Health Organization (WHO) bezeichnet Fettleibigkeit inzwischen als grösstes Gesundheitsproblem der industrialisierten Länder. Reinhard Imoberdorf, Adipositasspezialist am Kantonsspital Winterthur, geht noch weiter. Er bezeichnet Adipositas als «die Epidemie des dritten Jahrtausends».

Der Trend zur Fettleibigkeit ist für Daniel Hess nicht nachvollziehbar. Denn er isst «viel weniger» als früher. Und er ist nicht der einzige. In Schottland etwa ist die durchschnittliche Essensmenge pro Tag von 2900 auf 2200 Kilokalorien zurückgegangen. Auch in den USA wird weniger gegessen, und in der Schweiz sank der Konsum von Fett, Öl, Käse, Butter und Eiern zwischen 1980 und 1995 um elf Prozent. Trotzdem wird das Fett zur Seuche. «Weil wir im falschen Film sitzen», sagt Fritz Horber, Adipositas-Fachmann an der Zürcher Klinik Hirslanden und selbst übergewichtig. «Unsere Gene sind für ein Szenario aus einer anderen Zeit programmiert.»

Das Fettdepot reicht für Jahre
Die Epidemie der Zukunft war in der Vergangenheit lebensrettend. Daniel Hess amüsiert die Bemerkung, er wäre wohl ein «glücklicher Neandertaler» gewesen. Denn sein Körper legt jede Kalorie als Depot für magere Jahre an. Mehr Fett hiess damals, die grösseren Uberlebenschancen zu haben. Fett ist ein Multitalent. Ein Gramm enthält doppelt so viel Energie wie ein Gramm Eiweiss oder Kohlenhydrat. Fett ist der beste Kraftspender, den die Natur erfunden hat. Fett hält warm, ist ein ausgezeichneter Aromaträger und lebenserhaltend: Ohne Fett kann der Körper die Vitamine A, D, E und K nicht aufnehmen.


Erst das Übermass macht das Leben der Betroffenen zum «Dicksal»: Denn trotz Rückgang ist die Fettaufnahme hierzulande immer noch viel zu hoch. Sie liegt bei 126 Gramm pro Tag; 60 würden genügen.

Nach der Nullkaloriendiät im Kinderspital war es um das körperliche Gleichgewicht von Daniel Hess geschehen. «Ich führte danach ein Jahr lang eine Minimal-diät durch.» Kaum mehr als 1000 Kilokalorien: ein Drittel der täglichen Energiemenge, die ein junger Mann im Wachstum braucht. Hess litt, aber hielt tapfer durch. Als er eines Tages auf die Waage stand, sah er, dass er zugenommen hatte. Das nächste Mal stand der Zeiger noch höher.

Eine Diät ist wie ein Bumerang
«Da verjagte es mich. Gegen so etwas bin ich machtlos. Das übersteigt meine Kräfte.» Hess begann zu essen. Wenn er schon zunahm, dann wollte er zumindest die Ursache kennen. Er ass, so viel er wollte und so viel er konnte. Die Waage kletterte auf 100, dann auf 110.

Das Phänomen übersteigt nicht nur die Kräfte von Hess. Uber 95 Prozent aller Personen nehmen nach einer Diät wieder zu – bis zu ihrem ursprünglichen Gewicht oder darüber hinaus. Denn Diäten provozieren den sogenannten Jo-Jo-Effekt: Auf jeden Gewichtsverlust folgt eine Gewichtszunahme. Vom Kalorienmangel gepeinigt, versucht der Körper zu überleben, weil die ausbleibende Nahrungszufuhr automatisch als Notlage interpretiert wird.

Je weniger Energie der Körper erhält, desto sparsamer geht er mit den Reserven um; er sperrt sich gegen jeden Abbau seines Fettschatzes: Obwohl die Leistung gleich bleibt, sinkt der Verbrauch plötzlich um 1000 Kilokalorien pro Tag. Wird in diesem Zustand die Nahrungsaufnahme nur leicht erhöht, speichert der Körper die zusätzliche Menge sofort als Reserve.

Die geschrumpften Fettzellen haben einen raffinierten Mechanismus entwickelt, um ihr Depot möglichst rasch wieder aufzubauen. Sie bilden ein Enzym, das die energiereichen Moleküle so freudig einlässt wie Gemeinden die guten Steuerzahler.

Guter Wille hilft nur beschränkt
Daniel Hess reisst das Bürofenster auf. Der Wind blättert im Papierstapel auf dem Schreibtisch, Dossiers einer amerikanischen Versicherungsfirma, 11500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weltweit. Hess ist Direktor der schweizerischen Niederlassung. Er ist froh, nicht mehr für die inländische Konkurrenz zu arbeiten: «Hier liess man mich wissen, ich solle doch weniger essen, dann sei das Problem gelöst.» Die politische Korrektheit in der Schweiz zu diesem Thema lässt laut Hess «noch zu wünschen übrig».

Der Unterton ist nicht zu überhören. Kaum jemand weiss, dass die Kontrolle des Gewichts nur beschränkt Willenssache ist. «Nicht einmal die meisten Ärzte». Das ärgert Hess.

Dabei ist spätestens seit dem 27. Juli 1995 der Beweis dafür da. An diesem Tag konnte Jeffrey M. Friedman, tätig an der Rockefeller-Universität in New York, in einer aufsehenerregenden Studie zeigen, dass sich das Gewicht von Mäusen nach Belieben steuern lässt: 30 Prozent weniger Gewicht in zwei Wochen.

Friedman hatte herausgefunden, wie er das Hormon Leptin beeinflussen kann. Leptin, griechisch für «schlank», ist ein Botenstoff, der von einem einzelnen Gen in den Fettzellen produziert und ans Hirn gesandt wird. Sinkt der Leptinspiegel, schaltet der Körper auf Hunger um. Steigt er, geht der Appetit zurück. Der logische Schluss drängte sich auf: Mit einer künstlichen Beeinflussung des Leptins lässt sich das Gewicht steuern.

Inzwischen sind vier Jahre vergangen, und die Euphorie ist verflogen. Denn das Leptinkonzept versagt bei den Menschen. Insgesamt 32 Gene und Hormone steuern unser Gewicht. Ein Hauptschalter, der alles steuert, fehlt.

«Friss die Hälfte» funktioniert nicht
Daniel Hess kann zurzeit nicht mehr auf eine schnelle Therapie seiner Krankheit hoffen. Trotzdem verschafft ihm die Entdeckung Genugtuung: Das Motto «Friss die Hälfte» hat als Therapieansatz definitiv ausgedient. Sein Körper wird von Mechanismen gesteuert, die er nicht beeinflussen kann.

Hess setzt sich hinter sein Pult, breitet die Krawatte über seinem Bauch aus, der nicht mehr weiter schrumpfen will, und macht sich an den Stapel hellblauer Dossiers. Seine Versicherung ist spezialisiert auf Umweltschäden, Missbrauch von Computern und das Geschäftsrisiko von Verwaltungsräten. «Wir haben ein paar gute Nischen gefunden.» Wieder diese tiefe Stimme.

Klodeckelgrosse T-Bones verdrückt
Nach einer Bürolehre zog es Hess 1986 in die USA. Als er in Los Angeles landete, wog er 130 Kilo. Hess bildete sich zum Versicherungsfachmann weiter, arbeitete hart und legte zur Erholung viel Fleisch auf den Grill: T-Bones, «gross wie Klodeckel», dazu Pommes frites. Nach kurzer Zeit zeigte die Waage 150 Kilo.

Die Vorbereitung seines Körpers auf mögliche magere Jahre war zu perfekt. Fett macht genauso krank, wie es überleben hilft. Adipositasexperte Reinhard Imoberdorf fasst die Folgen unter dem Stichwort «metabolisches Syndrom» zusammen. Wer darunter leidet, lebt gefährlich. Ubergewicht provoziert Diabetes und Bluthochdruck. Dazu kommen Störungen des Fettstoffwechsels, eine erhöhte Anfälligkeit für Thrombosen, Gallensteine und Empfängnisschwierigkeiten. Das metabolische Syndrom belastet das Schweizer Gesundheitswesen mit 3,9 Milliarden Franken jährlich. Tendenz steigend.

Nach einem Jahr in den USA zeigte Hess’ Waage 165 Kilo. Das war für seinen Körper zu viel. Eines Tages musste er sich mit stechendem Herzen notfallmässig ins Spital begeben.

Hess hatte Angst. Natürlich wusste er, dass seine Lebenserwartung mit diesem Gewicht beschränkt ist. Aber so früh? Er war noch nicht einmal 30 Jahre alt.

Mörderisches Fitnesstraining
Der Arzt beruhigte, kein Infarkt, doch der Schock sass tief; die nächste Diät war angesagt. Die Nahrung kam gefriergetrocknet und abgewogen ins Haus. Hess liess sich zudem psychologisch betreuen, und er betrieb wieder viel Sport. «An manchen Sonntagen stand ich sieben Stunden an den Trainingsmaschinen.»

Als Daniel Hess 1991 in die Schweiz zurückkam, wog er wieder 100 Kilo. Es war ein anderes Lebensgefühl. Lang hielt es nicht. Sein Körper verfolgte einen eigenen Weg.

Der Amerikaner Rudolph L. Leibel, wie sein Kollege Friedman an der Rockefeller-Universität tätig und fasziniert von der Komplexität des menschlichen Stoffwechsels, beschäftigt sich seit Jahren mit dem Stichwort «Setpoint» – auf Deutsch etwa Fettmesser oder Fettregler.

Leibel geht davon aus, dass alle Lebewesen bezüglich Gewicht eine Art eintätowierten Pegel haben: Der Körper versucht mit allen Mitteln, immer wieder jenes Gewicht zu erreichen, das ihm optimal scheint. Der Fixpunkt liegt im Hypothalamus, in einem Teil des Zwischenhirns, der das willentlich nicht beeinflussbare Nervensystem kontrolliert.

Zu diesem Schluss kam Leibel nach Tests mit Mäusen. Die Tiere reagierten auf Eingriffe am Hypothalamus mit Fressorgien: Sie frassen so lange hemmungslos, bis der Körper ihnen meldete, es sei nun genug Fett gespeichert. Als Leibel die Krankheitsgeschichten von Menschen studierte, die ebenfalls am Hypothalamus operiert worden waren, fand er Parallelen. Sein Schluss: Der Körper legt so lang Kalorienreserven an, bis der vorgegebene Pegel erreicht ist. Vorher gibt er nicht auf.

So fühlt sich auch Hess. Sein Setpoint ist verschoben, und er kann nichts dagegen tun. «Ich bin wie eine Heizung, die ewig weiterheizt, obwohl die Raumtemperatur schon lang erreicht ist.»

500 Kilo ab- und zugenommen
Das Sushi-Lokal gleich um die Ecke seines Büros nennt Hess «meine Kantine». Die japanische Küche ist leicht, die Speisen sind weich. Das ist für Daniel Hess entscheidend. Denn was er nicht zu Brei kaut, geht nicht durch die vom Magenband verkleinerte Magenöffnung: Der Eingang verstopft, und es bleibt nur der notfallmässige Gang zur Toilette.

Nach etwas rohem Thunfisch, gefüllten Reisröllchen und einer Tasse Gemüsesuppe legt Hess die Stäbchen wieder weg. Die Platte ist noch halb voll. Er isst wenig. «Trotzdem nehme ich nicht weiter ab.» Hess zuckt die Schultern: frustriert, enttäuscht, aber nicht entmutigt. An die 500 Kilo hat er sich bislang vom Körper gehungert und – bis zur Magenoperation – auch wieder zugenommen. Irgendwann, irgendwie wird er das Eigenleben seines Körpers in den Griff bekommen.

Später Nachmittag. Hess hängt am Telefon und diskutiert über Versicherungskonditionen. Die Kinderportion aus dem Sushi-Restaurant sättigt ihn noch immer. Kurz vor Feierabend öffnet er den Humidor auf seinem Pult und greift sich eine Havanna heraus, eine «Romeo y Julieta».

Zu dick für eine berufliche Karriere
Zurück aus den USA, begann Hess für eine grosse Schweizer Versicherung zu arbeiten. Als Betreuer eines internationalen Grosskunden reiste er um die Welt und leistete gute Arbeit. Ihm blieb keine Zeit für Sport, und so nahm er einmal mehr zu. 130 Kilo, 160. Schliesslich stand die Skala bei 190. Als Hess’ Beförderung zum Direktor zur Diskussion stand, erhielt er von seinem Chef die «knallharte» Antwort, dass er mit seinen Ausmassen nicht in ein solches Gremium passe. Er suchte nach einer anderen Stelle.

Die Havanna glüht, Hess geniesst. Vor halb acht Uhr wird er sich nicht aus dem Stuhl bewegen. Er sitzt ruhig da, zu ruhig. Das ist seine Veranlagung, einmal mehr. Hess leidet nicht nur unter dem Jo-Jo-Effekt, einem zu tiefen Leptinspiegel und einem verschobenen Setpoint: Es fehlt ihm auch an der Zappeligkeit. Der Begriff, im Fachjargon als NEAT bezeichnet, als Nonexercise Physical Activity Thermogenesis, hat in kurzer Zeit einen hohen Stellenwert in der Adipositasforschung erhalten.

Galten früher körperliche Tätigkeit und der sogenannte Grundumsatz – Kalorienverbrauch des ruhenden Körpers sowie der Organe und des Hirns – als massgebende Faktoren für den Energiekonsum, so ist nun die Zappeligkeit als dritte Grösse dazu gekommen. «Ubergewichtige Menschen zeigen deutlich andere Verhaltensmuster und bewegen sich oft auch weniger», sagt Paolo M. Suter, Ernährungsspezialist am Universitätsspital Zürich.

Als Zappeligkeit werden Körperbewegungen bezeichnet, die von Auge kaum wahrnehmbar sind und wahrscheinlich über das Nervensystem gesteuert werden. Unwillkürliche Bewegungen wie Gestikulieren oder mit den Füssen wippen zählen dazu.

Bis zu 700 Kilokalorien pro Tag verbrennen zappelige Menschen zusätzlich. Das entspricht rund einem Viertel der täglichen Energieaufnahme. Für Suter eine Menge, die über dem Bedarf zugeführte Kalorien «problemlos kompensieren kann, ohne dass es zu einer Gewichtszunahme kommt». Hess als zappeliger Mensch wäre ein anderer Mensch.

Wäre er auch ein glücklicherer Mensch? Vielleicht. 90, 95 Kilo bezeichnet Daniel Hess als «ideal». Aber wie? Mit einer weiteren Operation ein Stück Darm überbrücken, damit schneller rauskommt, was oben reingeht? Oder wie Tina Onassis sich den Kiefer mit Draht blockieren lassen, damit nur noch ein Röhrchen zwischen die Lippen passt?

Es gibt keine Qual, die die Menschen des 20. Jahrhunderts auslassen, um ihr Gewicht zu verringern.

20 Uhr. Hess ist zu Hause. Seine Frau tischt eine thailändische Gemüsesuppe auf, das ist alles. Am nächsten Morgen wird er die andere Hälfte des Joghurts essen.

 

 

© Beobachter Ausgabe 25 vom 10. Dez 1999 - Alle Rechte vorbehalten

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