Umwelt: Schlechte Noten für Diesel

Text:
  • Kurt Egli
  •  und Esther Haas
Ausgabe:
10/99

Dieselautos sind zwar sparsam im Verbrauch, aus Umweltsicht aber keine valable Alternative zum Benzinmotor. Das zeigt die neuste VCS-Umweltliste.

Im Gegensatz zu Ländern, die den Diesel steuerlich bevorzugen, hatte der Motor von Rudolf Diesel hierzulande gegen jenen von Nikolaus Otto noch nie eine Chance. Annähernd 95 Prozent der in der Schweiz verkauften Personenwagen werden von einem Otto-Benzinmotor angetrieben. Daran änderte auch der Technologieschub Anfang der neunziger Jahre nichts, der den Diesler dank Direkteinspritztechnik noch sparsamer machte. Kritische Autofahrer fragen sich aber vermehrt, ob sie der Umwelt zuliebe nicht auf Diesel umsteigen sollten.

Weniger CO2
Bei der Verbrennung von Öl, Gas, Benzin und Diesel wird Kohlendioxid (CO2) an die Umwelt abgegeben – ein natürlicher Bestandteil unserer Atmosphäre. Zusammen mit anderen Gasen und Wasserdampf erzeugt es einen natürlichen Treibhauseffekt, der das Leben auf der Erde ermöglicht. Doch zuviel des Guten ist problematisch. Das durch Verbrennung zusätzlich entstandene CO2 heizt den Klimaeffekt an. Bei Autos hängt der CO2-Ausstoss direkt vom Treibstoffverbrauch ab. Kein Katalysator und kein Filter kann das CO2 reduzieren.

Der Vorteil des Dieselmotors gegenüber dem Benzinmotor ist sein besserer Wirkungsgrad; bei herkömmlicher Bauweise ist er etwa 15 bis 20 Prozent sparsamer. Modernste Dieselmotoren mit Direkteinspritzung und Turboaufladung erreichen gar einen Verbrauchsvorteil bis zu einem Drittel. Dieses Sparpotential schont das Portemonnaie und die Umwelt.

Ein Diesler mit 25 Prozent weniger Treibstoffverbrauch als ein vergleichbares benzinbetriebenes Modell stösst zwar nicht einen Viertel weniger CO2 aus, sondern pro Liter 13 Prozent mehr. Für den Klimaschutz entscheidend ist somit nicht der Verbrauch in Litern pro gefahrenen Kilometer, sondern der CO2-Ausstoss in Gramm pro Kilometer. Die Auto-Umweltliste des VCS trägt dem Rechnung.

In jüngster Zeit wurden Benzinmotoren mit Direkteinspritzung vorgestellt, beispielsweise von Mitsubishi und Renault, die im Vergleich zum konventionellen Benziner Verbrauchseinsparungen von rund 20 Prozent erreichen. In Zukunft wird es möglich sein, noch genügsamere Motoren zu entwikkeln, deren Wirkungsgrad dem der besten Diesler nahekommen wird.

Allerdings werden diese Motoren einen schwefelempfindlichen Stickoxid-Katalysator benötigen, um die Abgasgrenzwerte einhalten zu können. Diese Technik lässt sich nur mit Hilfe einer weiteren Reduktion des Schwefelgehalts im Benzin realisieren. Leider behindert in Europa die zögerliche Haltung der EU bei der Verschärfung der Treibstoffvorschriften die rasche Einführung.

Probleme mit Russ
Was beim Diesel besonders negativ ist: Die Russpartikel aus den Abgasen belasten die menschliche Gesundheit in hohem Mass. Besonders gefährlich sind die kleinsten Staubpartikel mit einem Durchmesser von weniger als 10 Mikrometern, PM10 genannt. Für das Schutzsystem der Atmungsorgane sind PM10 zu klein. Sie werden nicht aufgehalten und dringen tief in die Lunge vor, wo sie Krebs verursachen können. Krebserregend ist zwar auch das Benzol im Benzin. Laut einer Risikoabschätzung des deutschen Länderausschusses für Immissionsschutz ist die krebserregende Wirkung der Dieselabgase jedoch rund acht- bis zehnmal grösser als diejenige von Benzin. Auch das vermehrte Auftreten von Infektionen der Luftwege, Bronchitis und Asthmaanfällen gehen teilweise aufs Konto der Dieselabgase. Besonders betroffen sind laut der Organisation «Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz» Kinder, ältere Leute und Menschen mit Herz-Kreislauf-Störungen.

Technisch könnte das Problem der Russpartikel längst gelöst sein. Denn mit speziellen Filtern lassen sich die Partikel zum grossen Teil eliminieren. Solche Filter sind für Personenwagen seit Jahren in Entwicklung, kamen aber bis jetzt nicht auf den Markt. Grund: die Kosten und die zuwenig strengen Abgasbestimmungen. Besserung ist nicht in Sicht. Die für Europa auf das Jahr 2000 angekündigten verschärften Grenzwerte werden schon heute von einigen Dieselfahrzeugen ohne Filter erreicht.

In der Regel sind Dieselautos in der Anschaffung teurer als vergleichbare Benziner, und der Treibstoff kostet mehr als Benzin. So kann der höhere Anschaffungspreis erst bei weit überdurchschnittlichen Fahrleistungen ausgeglichen werden.

Der Vergleich von Dieselautos mit ähnlichen Benzinmodellen zeigt klar: Der vermeintlich ökologische Vorteil des Diesels ist verschwunden. Es findet sich kein Modell, das bei vergleichbarer Grösse und Leistung in der Dieselversion wesentlich besser abschneidet und damit als umweltfreundlicher bezeichnet werden kann als in der Benzinversion. Werden zudem die wirtschaftlichen Aspekte mit berücksichtigt, ist die Anschaffung eines Dieselautos in den allermeisten Fällen wenig sinnvoll.

Die VCS-Auto-Umweltliste enthält auf 24 Seiten die Bewertung von über 400 aktuellen PW-Modellen mit Informationen zum Bewertungssystem, zu Antriebstechnologien und Sicherheit. Zu beziehen für Beobachter-Abonnenten für acht Franken (sonst zehn Franken, für VCS-Mitglieder gratis) zuzüglich Versandkosten bei:
VCS, Dokumentationsstelle, Postfach, 3000 Bern 2, Telefon 031/328 82 41, Fax 031/328 82 01,
E-Mail: dok@vcs-ate.ch

Auszug aus der VCS-Liste: Die Besten von 400

Rang/Marke Modell Hubraum in cm3 Leistung in KW und PS Treibstoffart Gesamtpunkte

Mini-Klasse
1 SMART Smart & Pure 599 33/45 B 67.4
  SMART Smart & Pulse 599 40/55 B 67.4
3 DAIHATSU Move 1.0 989 40/55 B 64.0
4 DAIHATSU Cuore 0.8i 847 31/42 B 63.0
5 VW Lupo 1.0 999 37/50 B 58.4
6 SUZUKI Wagon R+ 1.2 1171 51/69 B 57.3
7 FIAT Seicento 1.1 1108 39/54 B 56.6
8 SEAT Arosa 1.0 997 37/50 B 56.0
9 SUZUKI Wagon R+ 1.0 996 48/65 B 55.3
10 SEAT Arosa 1.4 1390 44/60 B 52.9

Kleinwagen
1 OPEL Corsa 1.0i 973 40/54 B 66.8
2 DAIHATSU Sirion 1.0 989 40/55 B 65.8
3 TOYOTA Yaris 998 50/68 B 64.3
4 SUZUKI Swift 1.0 993 39/53 B 60.6
5 RENAULT Clio 1.2 1149 44/60 B 58.8
6 SUZUKI Swift 1.3 1298 50/68 B 58.7
7 TOYOTA Starlet 1.3 1332 55/75 B 57.4
8 OPEL Corsa 1.2i 1199 48/65 B 56.6
9 VW Polo 1.0 999 37/50 B 55.8
10 HONDA Logo 1.3i 1343 48/65 B 53.6

Untere Mittelklasse
1 OPEL Astra 1.2i 1199 48/65 B 56.5
2 SUZUKI Baleno 1.3 1298 63/85 B 51.8
3 OPEL Astra 1.6i 1598 55/75 B 50.0
4 FORD Focus 1.4i 1388 55/75 B 49.6
5 TOYOTA Corolla 1.3 1332 63/86 B 49.1
6 RENAULT Kangoo 1.2 1149 44/60 B 49.0
  FORD Focus 1.6i 1596 74/100 B 49.0
8 HONDA Civic 1.5i 1493 84/114 B 48.6
9 FIAT Bravo/Brava 1.2 1242 60/82 B 48.2
10 VW Golf IV 1.4 1390 55/75 B 48.0

Mittelklasse
1 MITSUBISHI Carisma 1.8 GDI 1834 92/125 B 48.8
2 TOYOTA Avensis 1.8 1762 81/110 B 46.9
3 NISSAN Primera 1.6 Kombi 1597 74/100 B 44.5
4 BMW 320d 1950 100/136 D 41.3
5 TOYOTA Avensis 2.0 1998 94/128 B 40.7
6 VW Passat 1.8 T 1781 110/150 B 40.4
7 OPEL Vectra 1.8i 1799 85/115 B 40.3
8 SKODA Octavia 1.6 1598 55/75 B 40.0
9 OPEL Vectra 1.6i 1598 74/100 B 39.8
10 AUDI A4 1.8 T 1781 110/150 B 39.7

Vans mit mehr als fünf Sitzplätzen
1 OPEL Zafira 1.8 1796 84/116 B 40.4
2 OPEL Zafira 2.0 DTI 1995 60/82 D 40.1
3 TOYOTA Picnic 2.0 1998 94/128 B 36.8
4 OPEL Zafira 1.6 1598 73/100 B 36.7
5 MITSUBISHI Space Wagon 2.4 GDI 2351 110/150 B 35.3
6 RENAULT Espace 2.0 1998 103/140 B 31.6
7 FIAT Multipla 1.6 1581 76/103 B 31.4
8 OPEL Sintra 2.2 2198 104/141 B 31.2
9 TOYOTA Previa 2438 97/132 B 22.9
10 CHRYSLER Voyager 2.0 1995 98/133 B 22.7

© Beobachter Ausgabe 10 vom 14. Mai 1999 - Alle Rechte vorbehalten

created by snowflake productions gmbh