Velovignette: Clevere fahren nur mit Kleber
Spätestens am 1. Juni muss an jedem Velo eine 99er Vignette kleben. Wer keinen Kleber hat, wird gebüsst und ist bei einem Unfall nicht haftpflichtversichert.
Wo gibt es dieses Jahr die billigsten Velovignetten? Diese Frage stellen sich jeden Frühling Tausende von preisbewussten Velofahrern. Die Schnäppchenjagd beginnt schon im Winter.
Der Spareffekt ist jedoch bescheiden: Der Preisunterschied zwischen den günstigsten und den teuersten Klebern beträgt nur Fr. 6.50 (siehe Kasten). Viele Velofahrerinnen und -fahrer erhalten die Vignette gratis: Gemeinden verteilen sie an Schulkinder, und Firmen verschenken sie an ihre Kunden.
Wo und zu welchem Preis Velofahrer die obligatorische Vignette auch immer kaufen: Sie haben noch Zeit bis zum 31. Mai. Danach muss die 99er Marke gut sichtbar am Velo aufgeklebt sein. Wer ohne Vignette erwischt wird, hat mit einer Busse von vierzig Franken zu rechnen. Schlimmer noch: Ohne gültige Vignette fehlt der Haftpflicht-Versicherungsschutz.
Deckung bei Unfall
Die Haftpflichtdeckung über die Velovignette versichert Velofahrer gegen Forderungen aus Sach- oder Personenschäden, die sie Dritten zufügen. Beschädigt ein Velofahrer bei einem Unfall ein Auto oder verletzt er eine Fussgängerin, ist der Schaden via Vignette gedeckt. Nicht versichert sind hingegen Schäden am eigenen Fahrrad sowie Verletzungen am eigenen Leib.
Die Kantone schliessen die Haftpflichtversicherungen mit einzelnen Gesellschaften über Kollektivverträge ab. Einige Kantone etwa Basel-Stadt lassen die Velos bei verschiedenen Gesellschaften versichern. Die Höhe der Deckungssumme muss gemäss Gesetz mindestens 500000 Franken betragen. Immer mehr Versicherungen decken jedoch Schäden bis zu einer Million Franken ab.
Bei Sachschäden dürfte die Höhe der Versicherungssumme kaum eine Rolle spielen: Eine halbe Million Franken reicht im Normalfall längst aus. Anders bei Personenschäden. Bei einem Unfall mit Verletzten kommen schnell hohe Summen zusammen.
Doch auch hier reicht die gesetzliche Deckung in der Regel aus. Weder der TCS-Versicherungsfachmann Viktor Bisang noch Christoph Merkli, Geschäftsführer der IG Velo Schweiz, kennen einen Fall, bei dem die Dekkungssumme zu niedrig gewesen wäre.
Was den Schutz im Ausland betrifft, gibt es je nach Gesellschaft markante Unterschiede. Die Winterthur-Versicherung zum Beispiel, die mit acht Deutschschweizer Kantonen Kollektivverträge abgeschlossen hat, deckt Haftpflichtfälle in ganz Europa, schliesst aber die Türkei, die ehemaligen Sowjetstaaten, Rumänien, Bulgarien sowie Albanien aus. Wer also mit dem Fahrrad ins ferne Ausland reist, sollte vorher die Versicherungsdeckung abklären.
Die Preise variieren
Wichtig zu wissen: Der Dekkungsumfang der Versicherung hat nichts mit dem Preis der Velovignette zu tun. Entscheidend für die Preisunterschiede sind gleich wie bei der Motorfahrzeug-Haftpflichtversicherung die Schäden der Vorjahre. Nehmen die Schadensfälle zu, steigen die Prämien.
Laufen die Kollektivverträge aus, verteuert dies unter Umständen ebenfalls die Vignettenpreise. So kletterte beispielsweise der Preis der Zürcher Velovignetten 1997 von fünf Franken auf Fr. 7.50. Grund: Die Versicherungsprämie bei der «Winterthur» war teurer als die bisherige Prämie bei der «Zürich», die vom Vertrag zurücktrat. «In einer Stadt wie Zürich ereignen sich eben viel mehr Velounfälle als in ländlichen Gegenden», rechtfertigt Nicole Baumann, Pressesprecherin der «Winterthur», die Prämienerhöhung.
Neben dem Schadenverlauf beeinflussen aber auch die «Wiederverkäufer» den Vignettenpreis. Während der Kanton Zug der «Winterthur» Fr. 3.34 pro eingelöstes Velo zahlen muss und die Kleber für Fr. 3.50 weiterverkauft, zahlt der Kanton Nidwalden der gleichen Gesellschaft Fr. 3.33, verkauft die Vignette aber für fünf Franken weiter.
Am teuersten sind die Velovignetten bei der Pro Juventute: Sie verlangt ganze zehn Franken pro Stück. Dafür können die Velomarken samt Geschenkumschlag bereits zu Weihnachten bestellt werden.
Billige Grossverteiler
Geld spart in der Regel, wer den Kleber bei einem Grossverteiler erwirbt. Bei Migros und Coop kosten die 99er Kleber je vier Franken. Migros vertreibt sie über die eigene Secura-Versicherung und verbindet den Verkauf gleich noch mit einer Werbeaktion für ihre Zusatzversicherungen; Coop kooperiert mit dem TCS.
Trotz Unterschieden in Deckung, Preis und Vertrieb sehen alle Velovignetten optisch fast gleich aus so will es die Vereinigung der Strassenverkehrsämter. Differenzen ergeben sich lediglich beim Code. Die 500er-Nummer weist auf den Kollektivvertrag hin und die darunterstehende zweistellige Zahl auf den herausgebenden Kanton.
Die Velomarkennummern sind nicht zentral registriert. «Leider», kritisiert IG-Velo-Geschäftsführer Christoph Merkli. «Dies würde die Suche nach gestohlenen Fahrrädern nämlich um einiges vereinfachen.»
Schutz vor Diebstahl
Obwohl die Schweiz eines der wenigen Länder ist, die Velonummern vorschreiben, halten sich die Vorschriften in Grenzen. Die Vignette ist ohne weiteres von einem Velo auf ein anderes übertragbar. Deshalb werden die Vignetten auch häufig gestohlen.
Wer Angst vor Dieben hat, kann die Vignette jedoch mit einem einfachen Trick sichern: Mit ein paar Einschnitten ist der Kleber gleich wie die Autobahnvignette nicht mehr vollständig ablösbar.
Vignetten im Vergleich
Die Vignettenpreise variieren je nach Versicherung und Kanton. Erhältlich sind sie an Kiosken, Post- und SBB-Schaltern, bei Velohändlern, Strassenverkehrsämtern sowie bei Grossverteilern und Verbänden.
| TI, ZH | 7.50 |
| BL, GE, GL, VD, VS | 6. |
| SO | 5.30 |
| AI, AR, JU, TG | 5.50 |
| BS, GR, LU, NE, NW, OW, SG, SH, SZ, UR | 5. |
| AG | 4.80 |
| BE | 4.50 |
| FR | 4. |
| ZG | 3.50 |
Preis der Vignette bei Grossverteilern und Verbänden: |
4.50 |
| Migros, Coop | 4. |
| VCS | 4.30 |
| TCS | 5. |
| Pro Juventute | 10. |
© Beobachter Ausgabe 7 vom 02. Apr 1999 - Alle Rechte vorbehalten









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