Web-publishing: Der brillante Auftritt im Internet

Text:
  • Manuela Müller
Ausgabe:
21/99

Lust auf eine eigene Homepage? Kein Problem. Mit ein wenig Know-how und professionellem Material wird das Publizieren im Internet zum Kinderspiel.

Mein erster Gedanke war: Lässig, als Normalbürger kann ich mich mit einer eigenen Homepage der ganzen Welt vorstellen», erinnert sich der Zürcher Grafiker Markus Hasler an seine ersten Gehversuche im Internet. Schwierig war dann aber die Entscheidung, was er der Welt überhaupt bieten wollte: «Meine Homepage sollte sich von den anderen abheben. Doch wie viele Katzen ich besitze, interessiert wohl niemanden.»

Ob es um reine Selbstdarstellung geht, um das Publizieren von Kochrezepten oder um Gedichte – schnell stellt sich die Frage: «Wie wirds gemacht?»

Grundsätzlich gilt: Ans Internet dürfen nicht dieselben Ansprüche gestellt werden wie an ein Printprodukt, denn die Gestaltungsmöglichkeiten sind beschränkt. Zum einen werden Schriften auf jedem Browser in der Grösse dargestellt, die der Benutzer vorgibt. Zum anderen macht es keinen Sinn, einen Lauftext in Spalten darzustellen, weil der Surfer ständig scrollen müsste, um ihn zu lesen. Auch kommt es auf Grösse und Auflösung des Monitors sowie die Browser-Version an. Zudem gibts grosse Unterschiede zwischen Macintosh- und Windows-Computern.

Bei der Veröffentlichung von Bildern ist darauf zu achten, dass sie die Seite nicht «zupflastern» und sie nicht zu speicherintensiv sind. Wer per Modem und Telefonleitung mit dem Web verbunden ist, weiss, was es heisst, mit Bildern überfüllte Websites zu laden. Zu lange Wartezeiten nagen an der Geduld und verleiten oft dazu, den Ladevorgang abzubrechen, bevor die Seite vollständig aufgebaut ist.

Schauen, was andere tun
Wer eine eigene Homepage kreieren möchte, lässt sich am besten von anderen Web-Seiten inspirieren. Was andere publizieren, ist über Suchmaschinen mit Eingabe des Begriffs «meine Homepage» oder «my Homepage» einsehbar.

Nach solchen Schnüffeltouren kann man mit der Arbeit an der eigenen Web-Seite beginnen. Zuerst gilt es, den Inhalt zusammenzutragen. Am einfachsten ist es, wenn die Daten bereits in digitaler Form vorhanden sind. Ein Word-Dokument beispielsweise kann in den neusten Versionen des Programms direkt als HTML-Datei exportiert werden.

Bilder können entweder vom Web gezogen oder selbst erstellt werden. Bei der ersteren und wohl einfachsten Methode ist allerdings eines zu beachten: Man stiehlt fremdes Eigentum. Obwohl viele Homepage-Betreiber nichts dagegen haben, wenn eine Grafik mit Quellenangabe kopiert wird, ist es doch sicherer, sich Bilder von Online-Galerien – etwa von www.altavista.com – herunterzuladen.

Wer für die persönliche Note seine Ferien- oder Familienfotos auf die Homepage laden möchte, lässt sich diese von einer Foto-Entwicklungsfirma – etwa Photocolor Kreuzlingen – für einen Aufpreis von rund 20 Franken zusätzlich auf CD brennen. Einige Copy-Shops scannen Bilder für 15 bis 20 Franken pro Stück ein. Wem das zu mühsam ist, kauft sich einen Scanner (bereits ab 150 Franken erhältlich). Für die Bildbearbeitung ist kein teures Grafikprogramm erforderlich. Ein solches lässt sich gratis herunterladen wie etwa das Windows-Programm Paint Shop Pro.

Für die Einbindung in eine Web-Seite müssen Bilder im GIF- oder JPEG-Format gespeichert werden. Das sind Grafikformate, die das Web versteht. Hinter den Seiten, wie sie der Surfer zu Gesicht bekommt, steckt die Internetprogrammiersprache HTML. Mit diesem Code wird definiert, in welcher Formatierung der Text erscheint und wo welches Bild platziert wird. Zudem können Hyperlinks (Verknüpfungen zu andern Web-Seiten) angegeben sowie Töne oder Filme eingebunden werden.

Die Erstellung von Internetseiten ist heute keine Kostenfrage mehr. FrontpageExpress von Microsoft Internet Explorer sowie der Composer von Netscape Communicator werden meist mit der Browser-Software ausgeliefert und sind geeignete Werkzeuge für die Gestaltung einer Homepage. Mit ihnen können Seiten mittels FTP (File Transfer Protocol) vom Server heruntergeladen und nach der Aktualisierung wieder aufgeschaltet werden. Bei Editoren, die diese Funktion nicht enthalten, braucht es zusätzlich ein FTP-Programm. Günstige FTP-Software wie Anarchie oder WS-FTP finden sich auf www.download.com.

Programme für Fortgeschrittene
Reine HTML-Editoren setzen gute Kenntnisse des HTML-Codes voraus und eignen sich nicht für Anfänger. Umfangreiche WYSIWYG-Editoren funktionieren nach dem Prinzip «What You See Is What You Get», das heisst: Alle Änderungen sind sofort sichtbar.

Im professionellen Bereich werden immer häufiger Adobe GoLive oder Microsoft-Frontpage eingesetzt. Einige sind relativ teuer – Adobe GoLive kostet zurzeit 315 Franken – und verfügen über Funktionen, die der Normalverbraucher meist gar nicht benötigt. Eine solche Anschaffung macht erst Sinn, wenn jemand kompliziertere Seiten realisieren und sich intensiver mit der Materie beschäftigen möchte.

Die meisten Provider bieten ihren Kunden gratis Speicherplatz zwischen einem und 20 Megabyte. Dies ist für einen kleineren Auftritt völlig ausreichend, denn für ein paar Textseiten mit wenigen Bildern genügen bereits zwei bis drei Megabyte.

Als Alternative gibt es so genannte Internet-Communities wie Geocities oder Tripod. Diese stellen kostenlosen Serverplatz zur Verfügung und helfen mit so genannten Softwareschablonen bei der Gestaltung von Web-Seiten.

Der deutsche Homepage-Publishing-Service Tripod, ein Dienst von Lycos Bertelsmann, bietet die Möglichkeit, ohne jegliche Internetvorkenntnisse kostenlos mit einer eigenen Homepage im Internet aufzutreten. Anfänger gestalten ihre Homepage mit einem Express-Assistenten, Fortgeschrittenen bietet der Dienst einen Profi-HTML-Editor an.

Auch die Innerschweizer Firma Amaris AG verschenkt mit dem Programm Gen-i fertige Homepages. Die Software enthält vorgefertigte Web-Seiten, die der Benutzer nur noch anpassen und füllen muss. Mit Gen-i kann in vier Schritten eine einfache Homepage erstellt und auf einen Server geladen werden.

Eine Homepage ins World Wide Web zu stellen ist das eine, sie ständig zu aktualisieren das andere. Dieser Aufwand ist nicht zu unterschätzen. Der Grafiker Markus Hasler hat seine Erfahrungen gemacht: «Die Arbeiten an der Homepage nehmen viel Zeit in Anspruch. Wer sich davor drückt, hat bald keine Besucher mehr auf seiner Seite. Und wird die Seite nicht besucht, entfällt auch der Ansporn, sie zu erneuern.»

Auf Haslers Homepage erhalten Besucherinnen und Besucher unter anderem detaillierte Infos zu seiner Person, seinen engsten Freunden – und können gar einen Blick in die Wohnung werfen.


Nützliche Links

  • Tripod: Schritt-für-Schritt-Assistent für Anfänger, HTML-Editor für Fortgeschrittene. Einfaches Editieren und Updaten der Seiten

  • Geocities: gute Anleitungen und viele Tools

  • FortuneCity: Pflege der Seite via Online-Dateimanager. Bedingung: «Bürgerrecht» in FortuneCity (kann kostenlos beantragt werden bei der FortuneCity-Polizei

  • Homepage Online Construction Set: Erstellen von Web-Seiten ohne grosse Vorkenntnisse, auch online

© Beobachter Ausgabe 21 vom 10. Okt 1999 - Alle Rechte vorbehalten

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