Weiterbildung: Auf dem richtigen Kurs zum Erfolg
Ständige Weiterbildung ist das Gebot der Stunde in der heutigen Arbeitswelt. Entsprechend gross ist das Angebot an Kursen. Der erste Schritt zum Erfolg ist die Wahl des richtigen Kurses.

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Persönlich, flexibel, professionell», preist eine Computerschule ihre Kurse an. «Beruflicher Erfolg» verspricht eine Marketingausbildung. Und die Heilpraktikerschule lädt zum unverzichtbaren Diplomlehrgang ein.
«Die Forderung nach lebenslangem Lernen hat Aufwind», sagt Andre Schläfli, Präsident der Schweizerischen Vereinigung für Erwachsenenbildung. Die Gründe sind vielfältig: Der Arbeitsplatz ist nirgends mehr sicher, Wissen veraltet schnell, und die Zeiten der gradlinigen Berufskarrieren sind vorbei.
Weiterbildung ist ein Muss, und die Verantwortung dafür liegt immer mehr beim Einzelnen selber. «Wir helfen und unterstützen beratend und finanziell, aber die Mitarbeiter müssen das Heft selber in die Hand nehmen», sagt beispielsweise Reto Wyser, Leiter der Kaderentwicklung der Zürcher Kantonalbank (ZKB).
Das ist leichter gesagt als getan. Wer sich beruflich weiterbilden will, sollte nicht voreilig entscheiden, sondern abwägen, welche Art der Weiterbildung für sie oder ihn am besten ist.
Zuerst die Ziele definieren
Der erste Schritt ist das Abstecken der persönlichen Ziele und nicht das Bestellen von Schulprospekten. «Wer nicht weiss, was er will, für den ist jeder Kurs einer zu viel», sagt Claire Barmettler, selbstständige Berufsberaterin in Bülach ZH.
Zu fragen ist: Genügen die eigenen Kompetenzen? Was tut sich um mich herum? Gibt es neue Techniken, die ich beherrschen sollte? Bin ich zufrieden mit meinem jetzigen Beruf? Welche Tätigkeit oder Position strebe ich an, und welche Voraussetzungen muss ich erfüllen? «Man darf sich nicht von der Gemütlichkeit in der gegenwärtigen Situation einlullen lassen», warnt Berufsberaterin Barmettler.
Je nach Situation ist es angebracht, diese Fragen mit einer Fachperson zu besprechen, sei es mit dem Vorgesetzten oder mit der Personalleiterin der Firma. Nutzen sollte man auch das kostenlose Angebot der öffentlichen Berufsberatungen oder eine honorarpflichtige Beratung durch einen privaten Berufs- und Laufbahnberater. Laufbahnprofis empfehlen, mindestens alle fünf Jahre eine persönliche Standortanalyse vorzunehmen.
Zuerst gilt es, die Lerninhalte zu definieren, die einen beruflich weiterbringen. Ganz wichtig ist es auch, sich den Zeitaufwand einer Ausbildung vor Augen zu halten. «Seien Sie ehrlich», rät Reto Wyser von der ZKB seinen Mitarbeitern, «lassen Sie sich nicht vom Prestige einer Schule zu einem Entschluss verleiten.»
Für Wyser sollte sich jeder Weiterbildungswillige folgende Fragen stellen: Sind die Unterrichtszeiten vereinbar mit dem Privatleben? Ist man wirklich bereit, nochmals so lange die Schulbank zu drücken? Was bedeutet es für einen Familienvater, drei Abende in der Woche abwesend zu sein? Wie wirkt sich der Stress auf die Partnerschaft aus?
Viele Arbeitgeber zahlen Beiträge
Es empfiehlt sich, den Arbeitgeber möglichst früh einzuweihen. Dieser ist nämlich oft zu einer finanziellen Unterstützung bereit. Ublich ist, dass Firmen einen Teil oder die ganzen Kosten übernehmen. Im Gegenzug aber verlangen sie, dass sich der Mitarbeiter für ein paar Jahre bei ihnen verpflichtet.
Beim Verhandeln mit dem Arbeitgeber sollten Arbeitnehmer stets den Nutzen der Zusatzausbildung für die Firma hervorheben. Berufsberaterin Claire Barmettler empfiehlt zum Beispiel, sich zu erkundigen, ob nicht bereits während der Weiterbildung zusätzliche oder andere Aufgaben übernommen werden könnten.
Trotzdem: Weiterbildung scheitert oft an den Kosten und den Zeitanforderungen. Deshalb versuchen die Weiterbildungsanbieter vermehrt, die Kurse im so genannten Baukastensystem voranzutreiben und sie auf mehrere, zeitlich gestaffelte Module aufzuteilen.
Erst wenn das Ziel und die eigenen Möglichkeiten bekannt sind, lässt sich das Angebot unter die Lupe nehmen. Die Kurse und Ausbildungen, die in eine engere Wahl kommen, sollten auf folgende Punkte geprüft werden:
- Inhalt: Wird das behandelt, was ich brauche? Wie ist die Ausbildung aufgebaut? Sind die Lernziele definiert?
- Abschluss: Bereitet der Kurs auf einen Abschluss vor? Ist dieses Zeugnis in der Berufswelt anerkannt? Auf dem Arbeitsmarkt zählt ein anerkannter Abschluss mehr als irgendeine Kursbestätigung einer unbekannten Schule.
- Anforderungen: Welche Voraussetzungen werden verlangt? Wie viel Heimarbeit ist zu leisten? Reden Sie mit Absolventen über deren Erfahrungen, um sich ein Bild zu machen.
- Qualität: Ein schwieriger Punkt. Die Bewertungsstelle für Weiterbildungsangebote (BfW) verleiht seit einigen Jahren Gütesiegel für bestimmte Ausbildungsgänge, deckt aber nur einen Bruchteil des ganzen Angebots ab. Ausbildungen, die das BfW-Siegel tragen, haben objektiv dargelegt, dass sie alles unternehmen, um den Lernerfolg zu ermöglichen. «Ob es im Einzelfall für den Konsumenten die beste Schule ist, kann das Siegel nicht beantworten», sagt Marianne Breu, Leiterin des BfW.
Sie empfiehlt, die Ausbildungsgänge auf eigene Faust näher anzuschauen (siehe Qualitäts-Check). Seriöse Anbieter werden auch für den Besuch einer Probelektion einwilligen. Wichtig ist, bei früheren Absolventen Referenzen einzuholen.
- Preis: Die Unterschiede bei ähnlichen Kursinhalten oder -zielen sind zum Teil enorm. Interessierte sollten daher genau prüfen, was inbegriffen ist. Wie viele Lektionen werden angeboten? Wie lange dauern sie? Sind Ferien vorgesehen? Was geschieht mit ausgefallenen Lektionen? Werden sie nachgeholt?
- Vertrag: Können Sie vor Kursbeginn und während des Kurses vom Vertrag zurücktreten? In welchen Fällen und unter welchen Bedingungen? Was kostet ein Abbruch der Ausbildung? Wie sind die Kündigungsfristen?
Die Wahl der geeigneten Ausbildung braucht Zeit. Doch es lohnt sich, diese Zeit zu investieren. Denn auch hier gilt: Qualität kommt vor Quantität. Wer sein Spanisch für die nächsten Ferien auffrischen will oder als Ausgleich einen Malkurs besucht, braucht sich über die erwähnten Aspekte natürlich kaum den Kopf zu zerbrechen. Doch bei der beruflichen Weiterbildung ist es wichtig, zielgerichtet vorzugehen. «Der Praxisbezug ist entscheidend», sagt Berufsberaterin Barmettler. «Uberlegen Sie sich, was Sie wirklich brauchen und ob Sie es jetzt brauchen. Denn Weiterbildung auf Vorrat lohnt sich in der heutigen Zeit nicht.»
© Beobachter Ausgabe 21 vom 10. Okt 1999 - Alle Rechte vorbehalten









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