Winterferien: Preisgünstiger in den Pulverschnee
Ein Beobachter-Test zeigt: In Österreich und in Italien sind Skiferien günstiger als in der Schweiz oder in Frankreich. Sparen kann man primär bei den Hotels.

Nebenartikel
Wer Skiferien plant, hat die Qual der Wahl: Farbige Prospekte mit herrlichen Schneelandschaften flattern ins Haus und versprechen wie unzählige Zeitungsinserate, Plakate und TV-Spots erholsamen Urlaub, Pulverschnee, tolle Pisten und ein attraktives Après-Ski-Programm.
Doch Skiferien haben ihren Preis. Für eine Woche Skiferien mit Hotel zahlt eine vierköpfige Familie in der Schweiz rund viertausend Franken. Viele Schweizer und Schweizerinnen fragen sich deshalb, ob Winterferien im nahen Ausland nicht günstiger sind. Der Beobachter wollte es genau wissen und machte einen Preisvergleich für Skiferien mit allem Drum und Dran in Österreich, Italien, Frankreich und in der Schweiz.
Dabei wurden zwei Fälle für Ferien im Februar berechnet. Im ersten Testfall handelt es sich um eine Familie mit zwei Kindern, die in einem klassischen Familienort ihre Skiferien verbringt. Sie wohnt für eine Woche in einem Dreisternehotel mit Halbpension – Kinder und Erwachsene im gleichen Zimmer. Die Kinder sind während der ganzen Urlaubswoche in der Skischule, die Eltern erkunden mit einem 6-Tage-Skipass das gesamte Skigebiet. Die Mittagessen werden in einem der Bergrestaurants eingenommen; die Kinderportion kostet halb so viel wie ein Erwachsenenmenü.
Im zweiten Testfall wurden die Kosten von Skiferien in mondäneren Skigebieten verglichen. Der vom Beobachter gewählte fiktive Fall: Ein Paar logiert für eine Woche in einem Viersternehotel mit Halbpension. Die beiden haben je einen 6-Tage-Skipass gelöst und essen am Mittag in einem Bergrestaurant.
Der Beobachter-Preisvergleich zeigt: Die Preisunterschiede schlagen nicht beim Skifahren zu Buche, sondern bei der Unterkunft. Die Preise für Skiabonnements, Skischule und Verpflegung waren in allen verglichenen Skiorten ähnlich. Werden die Kosten der vierköpfigen Familie für die Skiferien ohne die Unterkunft berechnet, belaufen sie sich überall auf 1350 bis 1450 Franken.
Vom Kindergarten bis zur Sauna
Die markanten Preisunterschiede zeigen sich bei den Hotels. In Frankreich bezahlen Winterurlauber für die Unterkunft am meisten. Der Standard der französischen Hotels sei höher als im Ausland, sagt Eric Monne, Verkehrsdirektor von Morzine Avoriaz. Viele französische Hotels hätten eigentlich einen Stern mehr verdient, wollen diesen aber nicht, weil sie dann mehr Steuern bezahlen müssten.
In Italien und in Österreich sind die Hotelpreise rund ein Drittel tiefer als in Frankreich und in der Schweiz. Die Erklärung aus Italien: Die Italiener würden hauptsächlich über Silvester Ski fahren und nicht im Februar, demnach sei dann eben keine Hochsaison.
Für Carmen Breuss von Österreich Werbung Schweiz ist der Preis für die Unterkunft nicht das wichtigste Verkaufsargument für Ferien im östlichen Nachbarland. «Die Kosten spielen bei einem Ferienaufenthalt zwar eine bedeutende Rolle. Nicht in Geld messen lasse sich aber die Qualität der gebotenen Leistungen. Wichtig ist, dass der Gast für sein Geld einen entsprechenden Gegenwert erhält.»
Das Bemühen, Wintergästen möglichst viel für ihr Geld zu bieten, wird in den Hochglanzprospekten der Skiorte und im Angebot rund ums Skifahren ersichtlich. Die meisten Skiorte werden auf den Kopf gestellt, um die Wintertouristen bei Laune zu halten. Zur Auswahl stehen Skikindergärten, Kinderhütedienste, Sauna, Rockkonzerte, Schneewandern, Après-Ski, Spezialwochen und vieles mehr.
Das breite Angebot entspricht offenbar einem Bedürfnis der heutigen Wintertouristen. Sie lieben die Abwechslung, wie die Haushaltsbefragung «Reisemarkt Schweiz 1998» zeigt, die das Institut für öffentliche Dienstleistungen und Tourismus (IDT) der Universität St. Gallen durchführte.
Die Hälfte der Wintertouristen möchte vor allem Ski fahren, aber nicht jeden Tag. Auch das Skiwandern (32 Prozent) und das Schlitteln (30 Prozent) sind beliebt. 15 Prozent der Befragten stehen mindestens einen Tag auf dem Snowboard, je 12 Prozent auf den Carving- oder den Langlaufskiern.
Ein Vergleich der Unterhaltungsangebote oder der Qualität des Services war im Beobachter-Test nicht möglich. Der Preisvergleich zeigt aber in beiden Testfällen deutlich: Am teuersten sind Skiferien in Frankreich. Diese Destination wählen denn auch nur drei Prozent der Schweizer Wintertouristen. 84 Prozent bleiben in der Schweiz – beim Beobachter-Test das zweitteuerste Land.
Viele Schweizerinnen und Schweizer scheuen sich nicht, im Winter für ein bisschen Sonne und Strand rund um die Welt zu reisen. Lange Anfahrtswege an die Skiorte aber schrecken viele ab. Dabei könnte es sich auszahlen, etwas mehr Zeit und Geld in die Reise zu investieren.
Der Preisvergleich zeigt: Skiferien in Österreich und in Italien sind tatsächlich günstiger. Fast jeder zehnte Schweizer Skiurlauber fährt denn auch nach Österreich. Dagegen verbringen in Italien, wo Skiferien am billigsten sind, nur gerade 2,4 Prozent der Schweizer ihren Winterurlaub.
Hochsaison und Hotels sind teurer
Fazit: Es lohnt sich, bei der nächsten Winterferienplanung auch die italienischen Skigebiete ins Auge zu fassen. Wer in seinen Skiferien auf Fondue oder Raclette im Schweizer Chalet verzichten kann, könnte in den Bergen Norditaliens auf seine Rechnung kommen.
Sparen lässt sich beim Winterurlaub auch, wenn die Hauptsaison vermieden wird. Dann sind Hotels und Skilifte teurer als in der Nebensaison. Meistens kann man in dieser Zeit die Unterkunft auch nur sieben Tage am Stück – von Samstag bis Samstag – buchen. Kurzentschlossene können aber in der Hochsaison in den Hotels nach Rabatten fragen; die Hoteliers sind nämlich froh, nicht gebuchte Zimmer wenigstens teilweise noch vermieten zu können.
Wer bei der Unterkunft sparen möchte, verbringt seine Ferien mit Vorteil nicht im Hotel, sondern mietet eine Ferienwohnung. Doch auch hier gibt es je nach Grösse, Lage und Komfort grosse Preisunterschiede. Wichtig ist ein sorgfältiger Preisvergleich vor dem Buchen.
Diese nationalen Tourismusbüros geben Tipps zu den Winterferien:
- Schweiz Tourismus, Tödistrasse 7, 8002 Zürich, Telefon 01/288 11 11
- Österreich Werbung, Zweierstrasse 146, 8003 Zürich, Telefon 01/451 15 51
- Französisches Verkehrsbüro, Löwenstrasse 59, 8001 Zürich, Telefon 01/211 30 85
- Italienisches staatliches Fremdenverkehrsamt, Uraniastrasse 32, 8001 Zürich,Telefon 01/211 30 31
© Beobachter Ausgabe 26 vom 16. Dez 1999 - Alle Rechte vorbehalten









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