Standpunkt
Hysterie ist ein schlechter Richter
Das Bundesgericht verlangt die Freilassung eines Verwahrten. Das ist ein Weckruf – auch für IV-Stellen und Migrationsämter.
Pflegekinder
«Das ist Kinderhandel»
Gute Plätze für Pflegekinder zu finden ist schwierig. Immer häufiger übernehmen private Vermittler die Platzierung von Kindern. Es geht um sehr viel Geld – und das Wohl der Kinder bleibt oft auf der Strecke.
Pro Juventute
Die Angst vor der eigenen Vergangenheit
Pro Juventute feiert mit viel Pomp den 100. Geburtstag. Dabei vertuscht sie aber die Verfolgung jenischer Familien durch ihr «Hilfswerk für die Kinder der Landstrasse». Historiker schütteln den Kopf, Opfer fühlen sich übergangen.
Pro Juventute
«Das berührt eigenartig»
Indem Pro Juventute im Jubiläumsjahr das Thema «Kinder der Landstrasse» an den Rand drängt, wird eine wichtige Chance für die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte vertan, findet der Zürcher Historiker Thomas Meier.
Film «Der Verdingbub»
«Ohrfeige, Pause, Ohrfeige, Pause»
Der 18-jährige Max Hubacher spielt im Film «Der Verdingbub» die Hauptrolle. Er lernte ein Stück hässliche Schweizer Geschichte kennen – und machte schmerzhafte Erfahrungen.
Verdingkinder
Man nahm ihnen sogar das Sparbüchlein
Die Schweiz hat jahrzehntelang Personen bevormundet, sterilisiert, weggesperrt und verdingt. Jetzt entschuldigt sie sich – aber es braucht auch finanzielle Wiedergutmachung.
Verdingkind
Hans-Jörg Klauser wurde mit 20 Jahren weggesperrt
In der Erziehungsanstalt lernte Hans-Jörg Klauser, wie man Autos knackt.
Verdingkind
Rolf Horst Seiler lebte 40 Jahre draussen im Wald
Auf Abfallhalden sammelte Rolf Horst Seiler Flaschen. Vom Pfand kaufte er sich Essen - 40 Jahre lang.
Verdingkind
Erika Benz wurde mit 19 Jahren zwangssterilisiert
Der Vormund versprach Erika Benz einen Ausflug. Doch er fuhr sie in die psychiatrische Klinik.
Aufarbeitung von administrativ Versorgten
Was bisher erreicht wurde
Der Beobachter machte vor einem Jahr auf die Opfer fürsorgerischer Zwangsmassnahmen aufmerksam. Dann handelten Bundes-, National- und Regierungsräte und Private. Doch es bleibt viel zu tun.
Administrativ Versorgte
Mit gutem Beispiel voran
Bund und Kantone diskutieren, die Stadt Zürich handelt: Ehemaligen administrativ Versorgten bietet sie gar finanzielle Hilfe an.
Gewalt in Kinderheimen
Luzern schaut hin
In Luzern startet die römisch-katholische Landeskirche eine umfassende Studie zu den jahrzehntelangen Übergriffen in Kinderheimen.
aktualisiert am 24.05.2011Zürcher Journalistenpreis
Journalismus mit Wirkung
Mit ihrem Artikel «Ein dunkles Kapitel» rüttelten die beiden Beobachter-Redaktoren Dominique Strebel und Otto Hostettler Öffentlichkeit und Politik auf - nun wurden sie mit dem renommierten Zürcher Journalistenpreis 2011 ausgezeichnet.
Administrativ Versorgte
Es geht voran mit der Rehabilitierung
Administrativ Versorgte sind einen Schritt weiter auf dem Weg zur Wiedergutmachung: Eine breit abgestützte parlamentarische Initiative verlangt ein Gesetz zur Rehabilitierung.
aktualisiert am 15.04.2011Administrativ Versorgte
Gesetz zur Rehabilitierung
Eine parlamentarische Initiative verlangt ein Gesetz zur Rehabilitierung der administrativ Versorgten. Das Parlament soll sich für das Unrecht entschuldigen, das Tausenden von Menschen angetan wurde.
Zwangsadoption
Kindersuche erleichtert
Kaum hatte Marlene Häsler 1960 im Kantonsspital Aarau Marco zur Welt gebracht, rissen sie ihr das Baby aus den Armen.
Fürsorgerische Zwangsmassnahmen
Entschädigung der Opfer
Die Berner Kantonsregierung schlägt vor, einen nationalen Unterstützungsfonds für Verdingkinder, Heimkinder, administrativ Versorgte und Zwangssterilisierte einzurichten.
Zwangssterilisation
Schweiz verweigert Wiedergutmachung
Tausende wurden in der Schweiz zwangssterilisiert. Die Uno fordert eine Entschuldigung – vergeblich.
Kinderheime
Privater ermöglicht Heim-Aufarbeitung
Die düstere Geschichte der Schweizer Kinderheime dokumentieren: Weil die offizielle Schweiz noch immer davor zurückschreckt, macht sich jetzt die private Stiftung von Guido Fluri daran.
Weggesperrte
Entschuldigung genügt nicht
Behörde um Behörde bittet die Opfer von Willkür und Zwangsmassnahmen um Entschuldigung. Das ist ein wichtiger Schritt – darf aber nicht der letzte sein.
Kinderheime
Heilsarmee foutiert sich um 82-jährige Frau
Die Heilsarmee versprach, sich bei Betroffenen für erlittenes Leid in ihren Kinderheimen zu entschuldigen. Eine betagte Frau wartete vergebens.
Rehabilitation
Tränen der Erleichterung
An einem Gedenkanlass in der Strafanstalt Hindelbank haben sich Bund und Kantone endlich für das Unrecht entschuldigt, das administrativ Versorgten angetan wurde.
aktualisiert am 28.09.2010Administrativ Versorgte
Ein dunkles Kapitel
Jugendliche wurden in der Schweiz zwangssterilisiert, unschuldig weggesperrt, als Verding- oder Heimkinder ausgenutzt und misshandelt – bis in die achtziger Jahre. Die Zeit ist reif für eine umfassende Wiedergutmachung durch die offizielle Schweiz.
Kinderheime
«Die Schwester mit dem Stock gab das Kommando»
Sie waren Täter und Opfer zugleich: Angestellte in Kinderheimen der sechziger und siebziger Jahre hatten es schwer, wenn sie sich gegen Gewalt an den Kindern wehrten.
Remo Largo
«Wer überfordert ist, schlägt irgendwann zu»
Wie konnten schwere Übergriffe in Kinderheimen bis in die siebziger Jahre üblich sein? Kinderarzt Remo Largo sieht als Basis dafür die repressive Erziehungshaltung, die damals breite Akzeptanz fand.
Thomas Huonker
«Die Heime brauchten Zöglinge, die Behörden lieferten sie»
Thomas Huonker ist froh, dass die Gräueltaten an Kindern publik werden. Der Historiker über die einstige Praxis in Heimen und Verflechtungen mit Behörden.
aktualisiert am 28.09.2010Kinderheime
Düstere Jahre
Die Gesellschaft wollte sie «erziehen», doch die Kinder wurden systematisch gedemütigt, verprügelt, missbraucht. Jetzt berichten Betroffene, was ihnen angetan wurde.
Misshandlungen in Kinderheimen
Weitere Opfer klagen an
Als Reaktion auf den Artikel «Düstere Jahre» in der letzten Ausgabe meldeten sich zahlreiche weitere Opfer beim Beobachter.
Standpunkt
Peinliches Schwarz-Peter-Spiel
Die Schweiz muss die Grösse haben, sich bei Zwangssterilisierten, Verdingkindern und administrativ Versorgten zu entschuldigen. Dabei gehts nicht um Vorwürfe an Behörden, sondern um Respekt gegenüber Betroffenen.
Administrativ Versorgte
Widmer-Schlumpf nimmt sich Zeit
Im Spätsommer dieses Jahres ist es so weit: Justizministerin Widmer-Schlumpf, der Zürcher Sozialdirektor Hans Hollenstein und der Berner Polizeidirektor Hans-Jürg Käser empfangen administrativ Versorgte in der Strafanstalt Hindelbank.
Vormundschaftsopfer
Ringen um Rehabilitation
Wer früher ohne Urteil zur Erziehung ins Gefängnis gesteckt wurde, verdient eine Wiedergutmachung. Dies fordern Betroffene schon länger – doch keine Behörde erklärt sich für zuständig.
«Administrative Versorgungen»
Rehabilitation verweigert
Niemand will sich entschuldigen bei den Frauen, die als unschuldige Jugendliche in der Strafanstalt interniert wurden. Der Bund verweist auf die Kantone, diese halten sich für machtlos.
Hindelbank
«Was die mit uns gemacht haben!»
Drei Frauen suchen Wiedergutmachung. Als junge Mädchen wurden sie ohne Gerichtsurteil zur Erziehung in die Strafanstalt Hindelbank eingewiesen. Jahrzehnte später kehren sie dorthin zurück. Mit einem Ziel: «Es soll wenigstens mal jemand sagen, dass das falsch war.»
Rückblende
Auf dem Weg zur Wiedergutmachung
«‹Was die mit uns gemacht haben!›», titelte der Beobachter vor zwei Monaten. Der Artikel beschrieb das Schicksal dreier Frauen, die in ihrer Jugend ohne gerichtliches Urteil zur Erziehung in die Strafanstalt Hindelbank eingewiesen worden waren. Der Bericht fand ein starkes Echo.
Behördenwillkür
Zur Erziehung ins Gefängnis
Ursula Biondi sass ein Jahr lang in der Strafanstalt Hindelbank hinter Gittern - ohne eine Straftat begangen zu haben. So sah vor 40 Jahren eine Erziehungsmassnahme der Amtsvormundschaft Zürich aus. Auf eine Entschuldigung wartet sie bis heute.
Jenische
«Wir dürfen nicht einfach vergessen»
Eine Studie befasst sich erneut mit dem Hilfswerk «Kinder der Landstrasse». Laut Mitautor Roger Sablonier hat wohl nicht nur Pro Juventute jenische Kinder fremdplatziert.
«Kinder der Landstrasse»
Der Kinderklau
1972 deckte der Beobachter einen Skandal auf. Die hoch geachtete Pro Juventute hatte jahrzehntelang fahrenden Familien ihre Kinder geraubt - mit behördlicher Duldung.
Adoption
Verachtet und vergessen
Der Beobachter-Artikel über ledige Mütter hat ein grosses Echo ausgelöst. Viele betroffene Frauen melden sich und klagen an: Im Verborgenen mussten sie ihre Kinder zur Welt bringen.
Adoptionsfreigabe
«Diese Mütter passten oft nicht ins Schema»
Die Expertin Charlotte Christener-Trechsel über «debile» Mütter, respektlose Behörden und die heutige Praxis bei Adoptionen.
Adoption
«Sie rissen mir mein Kind aus den Armen»
Bis in die siebziger Jahre wurden Tausende Kinder ihren Müttern weggenommen und zur Adoption freigegeben - weil sie unehelich geboren waren. Ein unbewältigtes Stück Schweizer Geschichte.
Verdingkinder
Erneut wie Luft behandelt
Das Schicksal der Verdingkinder interessiert die Politik offensichtlich nicht: Es werden weder die Archive geöffnet noch erhalten Zwangssterilisierte eine Entschädigung.
Verdingkinder
«Fürsorgliches System»
Das Parlament war dagegen, dass Zwangssterilisierte und -kastrierte eine Entschädigung erhalten.
Verdingkinder
Eine sehr späte Genugtuung
Während die Behörden weiter mauern, bekam das ehemalige Verdingkind Nelly Haueter ein schönes Geschenk: Die Nachkommen ihres Pflegevaters wollen sich mit ihr versöhnen.
Verdingkinder
«Du chasch nüüt, du bisch nüüt, us dir gits nüüt»
Auf einen Bauernhof abgeschoben, gequält und missbraucht: das Schicksal von Verdingkindern, wie es in der Schweiz tausendfach vorkam.
Appell ans Volk
Die Beobachter-Aktion von 1946
Ein besonders krasser Fall erschütterte im Februar 1945 die Schweiz: das Verdingkind von Frutigen.
Verdingkinder
Kinder auf dem Sklavenmarkt
«Verdingkinder» wurden ihren Eltern von der Waisen- oder Armenbehörde weggenommen und gegen eine Entschädigung («Kostgeld») bei einer Familie in Pflege gegeben.
Zwangssterilisation
Nicht genug Genugtuung für die Opfer
Im letzten Jahrhundert wurden viele Menschen ohne driftigen Grund zwangssterilisiert. Sie werden eine Entschädigung dafür erhalten, nur ist diese viel zu tief.
Zwangskastration
Keine Genugtuung?
Ein neues Gesetz soll eines der düstersten Kapitel der Schweizer Justiz abschliessen. Eine Entschädigung der Betroffenen lehnt die bürgerliche Mehrheit jedoch ab.
Rosa Bolliger
«Wir Jenischen finden immer wieder zueinander»
Das Hilfswerk «Kinder der Landstrasse» hatte Rosa Bolliger-Moser alle fünf Kinder weggenommen. Nun traf die 99-Jährige erstmals ihre Enkelin.
Waisenschicksale
Mit gesenktem Kopf durchs Leben
Zwischen 1920 und 1970 wurden in der Schweiz rund 100'000 Kinder in Anstalten und bei Pflegefamilien «versorgt» – einige sogar öffentlich versteigert. Die Kinder erlitten psychische und körperliche Gewalt. Jetzt brechen einige das Schweigen.
Jenische
«Das Kapitel ist noch nicht abgeschlossen»
Innenministerin Ruth Dreyfuss über das weitere Vorgehen im Fall «Kinder der Landstrasse»
Jenische
Der Kampf gegen das Vergessen
Sie wurden vor vielen Jahren ihrer Kultur entrissen, ausgebeutet und sexuell missbraucht. Doch die Leiden der Kinder der Landstrasse dauern bis heute an.
Thomas Huonker
«Wir müssen die Jenischen respektieren»
Die Schweiz hat im Zweiten Weltkrieg Fahrende in Registern fichiert und an der Grenze abgewiesen – auch Schweizer. Dies geht aus einem kürzlich erschienenen Historikerbericht hervor. Dessen Autor Thomas Huonker schildert die Details.
Fahrende
Höchste Zeit für klare Worte
Während Jahrzehnten versuchte das Hilfswerk «Kinder der Landstrasse», die Fahrenden unter Zwang sesshaft zu machen. Der Beobachter deckte den Skandal auf - und erhält jetzt von Historikern endgültig recht. In einer Studie fordern sie von den Beteiligten endlich «aufrichtige Gesten der Entschuldigung».



































Kinderheim Rathausen
Die Vergangenheit «vergessen»
Der ehemalige Direktor des Kinderheims Rathausen war für seine brutalen Strafen berüchtigt. Nun ist er gestorben; sein Nachruf verschweigt die Direktorenstelle.