Verdingkinder
Erneut wie Luft behandelt
Das Schicksal der Verdingkinder interessiert die Politik offensichtlich nicht: Es werden weder die Archive geöffnet noch erhalten Zwangssterilisierte eine Entschädigung.
Der Bund wird die Geschichte der Verdingkinder nicht vertieft aufarbeiten lassen – dies beschloss nach dem Bundesrat nun auch der Nationalrat. FDP, SVP und grossmehrheitlich die CVP stimmten gegen eine Motion der Zürcher SP-Nationalrätin Jacqueline Fehr. «Hier ist sie wieder, jene unsichtbare Mauer, von der viele ehemalige Verdingkinder berichten», kritisiert Fehr. «Als ob sie Luft wären.»
Bis in die sechziger Jahre wurden rund 100'000 Kinder «verdingt» oder fremdplatziert. «Ein Ja des Nationalrats hätte eine Signalwirkung gehabt, damit Gemeinden, Kantone und Private ihre Archive öffnen», sagt Thomas Huonker.
Der Historiker führt Interviews mit ehemaligen Verdingkindern. «Es wird wohl darauf spekuliert, dass die Betroffenen verbittert resignieren», schreibt die Vereinigung «Verdingkinder suchen ihre Spur».
Bereits vor einem Jahr zeigte das Parlament kein Herz für die Schwächsten: Zahlreiche Opfer, die gegen ihren Willen sterilisiert oder kastriert worden waren, sollten symbolisch mit 5000 Franken entschädigt werden. Die Antwort der Volksvertreter war kalt und klar: Nein.
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© Beobachter Ausgabe 25 vom 08. Dez 2005 - Alle Rechte vorbehalten


