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Alterspflege

Günstige Alternativen zum Pflegeheim

Ausgabe:
3/04

Die beste Alternative zum teuren Pflegeheim ist, den Eintritt dort so lange wie möglich hinauszuzögern. Geeignete Modelle und Massnahmen dafür gibt es viele.

Präventive Hausbesuche: Speziell ausgebildete Fachpersonen besuchen ältere Menschen regelmässig in ihren Wohnungen. Beim ersten Mal erfassen sie den physischen und psychischen Gesundheitszustand sowie die soziale Situation der Betagten. Daraus werden Ratschläge abgeleitet für die Gestaltung der Wohnung, den Tagesablauf, die Ernährung und genügend Bewegung. Die Besuche finden alle drei Monate statt, um die Wirksamkeit der Empfehlungen zu überprüfen und diese gegebenenfalls anzupassen.

Das System stammt aus Kalifornien; seit 1993 erprobt es der Berner Altersmediziner Andreas Stuck in der Schweiz. Studien dazu zeigen klar, dass präventive Hausbesuche die Pflegebedürftigkeit verzögern und die Betreuungskosten senken – besonders effektiv sind sie bei Menschen ohne oder mit geringfügigen Behinderungen. Das Gesetz bietet die Möglichkeit, solche Hausbesuche zulasten der Grundversicherung abzurechnen.

Innovative Wohnformen: Es gibt heute eine Reihe von Wohnmodellen, in denen ältere Menschen auf die Unterstützung von Mitbewohnern zählen können:
Alterswohngemeinschaften (auch Kollektivhaushalte genannt), Mehrgenerationenhäuser oder -siedlungen, betreute Alterswohnungen. Besonders Wohnbaugenossenschaften bemühen sich darum, bei Renovationen oder Neubauten die Bedürfnisse von pflegebedürftigen Menschen zu berücksichtigen (Gemeinschaftsräume mit Aktivierungsprogrammen, Betreuungs- und Mahlzeitendienste, organisierte Nachbarschaftshilfe). Auch gibt es Hotels, vor allem kleinere Familienbetriebe, die an Dauermietern interessiert sind.

Förderung der Freiwilligenarbeit: Je attraktiver die Freiwilligenarbeit ist, desto mehr Leute sind bereit, ältere Menschen in ihrem Alltag zu unterstützen: Einkauf, Wohnungsreinigung, Kochen, Spaziergänge, Pflege von Pflanzen und Tieren, Umgang mit Behörden und Ämtern, Reparaturen. In einem Sozialzeitausweis können die freiwilligen Helfer und Helferinnen ihre Arbeitsleistungen eintragen; dieser kann etwa bei Stellenbewerbungen die Sozialkompetenz unterstreichen. Zur Diskussion stehen weitere Anreizsysteme wie Bildungsgutscheine und Steuerabzüge. Im Ausland gibt es Projekte mit Pflegegutschriften oder alternativen Zahlungsmitteln: Das Guthaben, das jemand für freiwillige Arbeit erhält, kann er gegen Nahrungsmittel oder Dienstleistungen tauschen.

Integrierte Versorgungsnetze/E-Care:Das Parlament hat die 2. KVG-Revision zwar zum zweiten Mal abgelehnt, dennoch werden sich Versorgungsnetze weiter ausbreiten: Durch bessere Verzahnung der Leistungserbringer – Arzt, Spital, Rehabilitation, Spitex, Pflegeheim, Physio- und Psychotherapie – werden die spezifischen Bedürfnisse von älteren Menschen früher und gezielter erfasst. Auch werden künftig vermehrt moderne Kommunikationsmittel eingesetzt. In Skandinavien, wo die Distanzen zwischen Betagten und Betreuungspersonen oft sehr gross sind, ist dies bereits gang und gäbe: Übermittlung von Messwerten, Unterstützung bei der Medikamenteneinnahme, Alarmsysteme. Ziel ist immer, den Betagten so lange wie möglich ihre vertraute Umgebung zu erhalten.

 

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© Beobachter Ausgabe 3 vom 05. Feb 2004 - Alle Rechte vorbehalten

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