Soziale Arbeit
Zur Nachahmung empfohlene Projekte
Der Beobachter hat in den letzten Wochen Sozialprojekte aus sechs verschiedenen Bereichen vorgestellt. Ihr gemeinsamer Nenner: Sie sind aus privater Initiative entstanden und leisten in Nischen, die der institutionelle Sozialapparat nicht abdeckt, wirkungsvolle soziale Arbeit. Die Muster zur Nachahmung im Zeitraffer:
«Grossfamilie» Unterengadin
Der in Scuol GR domizilierte Verein Chüra d’uffants Engiadina Bassa bietet ein Modell, wie auch in strukturschwachen Randregionen ohne Krippen und Horte ausserfamiliäre Kinderbetreuung angeboten werden kann. Das Projekt basiert auf der Idee von Grossfamilien: Frauen betreuen als Tagesmütter nicht nur ihre eigenen Kinder, sondern auch fremde. Vereinspräsidentin Maja Bischoff profitiert bei ihrem sozialen Tun für andere auch persönlich: «Wenn Private Einsatz leisten, um die vom Sozialstaat nicht abgedeckten Lücken zu füllen, fördert dies die Gemeinschaft.»
Sozialfirma Fiwo
Der «innovativen Wollverwertung» widmet sich seit dem letzten Jahr der Verein Fiwo in Bischofszell TG und leistet damit in doppelter Hinsicht Sinnstiftendes: Ausgesteuerte Langzeitarbeitslose erhalten in der Sozialfirma als TeillohnAngestellte eine feste Arbeit. Sie verwerten Wolle von Schweizer Schafen, die sonst weggeworfen würde. Geschäftsführer Pascal Marti: «Private Anbieter initiieren häufig schon früh innovative Antworten auf problematische soziale Entwicklungen. Durch ihre Unabhängigkeit von staatlichen Institutionen können sie rasch agieren.»
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Begleitetes Wohnen UrtenenSchönbühl
Zentral gelegener Wohnraum für Betagte sowie jüngere körperlich Behinderte, je nach Bedarf mit Betreuung durch die Spitex die eigens für diesen Zweck geschaffene «Genossenschaft Begleitetes Wohnen» in UrtenenSchönbühl BE ermöglicht, was für ältere und behinderte Menschen wesentlich ist: ein selbstbestimmtes Leben mitten in der Gesellschaft. Marianna Iff, treibende Kraft hinter dem Projekt: «Ohne ehrenamtliches Engagement von gleichgesinnten und ausdauernden Privatpersonen würden viele Menschen eine schlechtere Lebensqualität haben.»
NachbarNet Basel
Das Internet als Vermittlungsplattform, um Menschen in der anonymen Grossstadt zusammenzubringen: Das NachbarNet Basel ermöglicht mit einfachen Mitteln praktische Zweckgemeinschaften im Alltag vom Kochen für Alleinstehende bis zu Fahrdiensten für Gehbehinderte. Initiant Peter Zemp: «Wo es um Probleme geht, die aus Mangel an mitmenschlichem Kontakt entstehen, sind nicht Institutionen gefragt, sondern Personen. Hier braucht es auch keine Fachausbildung, sondern etwas, das wir alle haben: ein wenig Zeit und mitmenschliches Empfinden.»
Jugendprojekt «Schtifti»
Es geht auch ohne den erhobenen Zeigefinger vorausgesetzt, man spricht die Sprache der Zielgruppe: Die Stiftung für soziale Jugendprojekte «Schtifti» betreibt mit lustvollen Aktionen Gesundheitsförderung. Roger Grolimund, CoGründer der «Schtifti», hält die Experimentierlust für ein grosses Plus privater Initianten gegenüber staatlichen Instanzen: «Wenn man will, kann man auch im kleinen Kreis grosse Wellen werfen. Dazu muss man Lösungen einfach vorleben und anpacken.»
Integrationsprojekt Beraber
Für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund ist eine gute Schulbildung zentral. Das wissen viele der freiwilligen Lehrkräfte des Basler Vereins Beraber aus eigener Erfahrung deshalb geben sie, die es geschafft haben, ihr Wissen weiter. Beraber-Lehrerin Nina Hobi: «Privates Engagement ist von unschätzbarem Wert für das soziale System; leider findet vieles in diesem Bereich wenig öffentliche Anerkennung.»
Die einzelnen Beiträge können im «Dossier Sozialprojekte» gelesen werden.
© Beobachter Ausgabe 14 vom 04. Jul 2007 - Alle Rechte vorbehalten
