Crestasee und Pinut

Kühner Aufstieg, kühler See

Text:
  • Andres Büchi
Bild:
  • Andres Büchi
Ausgabe:
17/10

«Nichts für Memmen, selbst Schwindelfreie sollten den Klettersteig nicht ohne Seil, Helm und Handschuhe in Angriff nehmen.»

Crestasee und Pinut: Kühner Aufstieg, kühler See

Beschaulich: Die Wasseroberfläche des Crestasees kräuselt sich leicht im sanften Wind.

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Es träumt sich leicht in der Naturwanne des Crestasees. Rundum nur Nadelwald, Farne, Holundersträucher, der Blick aufs kleine Hotel über der Badewiese und weiter bis zum Flimserstein. Einer der Träume geht so: Am frühen Morgen, wenn der See noch Dampf ausatmet und drunten im Tal lärmend der Tag beginnt, bricht man mit Rucksack, Entschlossenheit und Wagemut auf zum Pinut, dem ältesten Klettersteig der Schweiz.

Nach einer guten Stunde Aufstieg über den Weiler Fidaz erreicht man bald die Wand des Flimsersteins. 400 Meter tiefer funkelt der Crestasee wie ein Versprechen. Senkrecht über einem droht der Plan: 700 Meter hochklettern über furchterregende Stahlleitern bis hinauf aufs Plateau des Pinut, von dort über Bargis in einer sanften Schlaufe wieder zurück. Und abends der erfrischende Sprung in den kühlenden See.

Die ersten imposanten Stufen werden mit kühnem Respekt bewältigt. Auf der zweiten Leiter schwitzen die Hände auf Stufe Alarm, auf der dritten spielt der Kopf schon Karussell, die vierte Leiter – sie führt in einem leichten Winkel in die Luft hinaus – entlarvt den Kletterer als Badetouristen: Stopp, Ende, Umkehr.

Der Pinut ist technisch zwar nicht sehr anspruchsvoll, trotzdem ist er nichts für Memmen, und selbst Schwindelfreie sollten ihn nicht ohne Seil, Helm und Handschuhe in Angriff nehmen. Aber für ein bisschen Gänsehaut und als Abwechslung zum kontemplativen Nichtstun am Crestasee tuts ja auch ein Ausflug bis zum Einstieg in die Wand.

Es bleibt auch so genügend für ein wunderbares Wochenende. Sonnenbaden am daunenweichen Ufer. Neugierige Schmetterlinge auf der Haut. Die Grillstelle für den sorgsam eingeschnittenen Cervelat. Das traumhafte Jugendstilhotel. Der Blick auf den Flimserstein und der Traum, den Pinut irgendwann vielleicht doch noch mal zu schaffen.

Infografik: Beobachter/md

  • Anreise: Mit dem Postauto ab Bahnhof Chur Richtung Flims bis Haltestelle Felsbach-­Crestasee. Zehn Minuten zu Fuss durch ­Wiesen und Wald über die 15 Meter tiefe Flemschlucht bis zum Crestasee.

    Klettern: 700 Meter hoher Klettersteig zum Pinut. Seil, Helm gegen Steinschlag und Handschuhe dringendst empfohlen. Schwierigkeitsgrad K 1–2. Aufstieg 23⁄4 Stunden. Nur für Schwindelfreie. Abstieg via Bargis.

  • Baden: Liegewiese und Badeplätzchen rund um den Crestasee. Eintritt 7 Franken (Erwachsene), Gratisgrillplatz.

    Übernachtung: Vier einfache wunderschöne Zimmer (170 bis 210 Franken für ein Doppelzimmer) im Jugendstilhotel Crestasee.

    www.crestasee.com
    www.klettersteig-flims.ch

     

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© Beobachter Ausgabe 17 vom 19. Aug 2010 - Alle Rechte vorbehalten

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