Denkzettel Nr. 17

Ausbildung am Grammophon

Text:
  • Helmut Stalder
Bild:
  • Forschungsbibliothek Pestalozzianum
Ausgabe:
19/09

Lehrer hatten stets den Auftrag, die Jugend mit den technischen Neuerungen vertraut zu machen. Heute jedoch läuft es eher umgekehrt.

Als noch niemand vom DJ sprach: Lehrer erklärt den Plattenspieler.

Die Schule ist ein Spiegel des Fortschritts. Das zeigt sich am Arsenal der Hilfsmittel: Schiefertafel, Schulwandbild, Schnapsmatrize, Fotokopie, Hellraumprojektor, Videofilm, Computer – die Schulzimmertechnologie verlangt, dass sich die Lehrkräfte à jour halten.

Die Entwicklung spiegelt sich aber auch im Fächerkanon der Schule. Sie erhielt stets den Auftrag, die Jugend mit den technischen Neuerungen vertraut zu machen. In den 1920er Jahren wurden Kinder im Gebrauch des Telefons unterrichtet und ab 1930 am Grammophon ausgebildet. «Die Schule kann dies nur, indem sie das Thema didaktisiert», sagt Erziehungswissenschaftler Hans-­Ulrich Grunder. So wurde um 1930 der «Schulfunk» und ab 1960 auch der «Lehrfilm» eingeführt, um den Gebrauch dieser (einst verpönten) Medien zu lehren.

Die Schule komme aber immer zu spät. «Die Neue­rungen sind heute längst von den Kindern okkupiert.» So lernen Lehrer von den Schülern, was Handy und Internet alles können. Und hinken mit ihren Belehrungen für den sinnvollen Gebrauch hoffnungslos hinterher.

Anzeige:

  • Kommentar Formular

© Beobachter Ausgabe 19 vom 17. Sep 2009 - Alle Rechte vorbehalten

created by snowflake productions gmbh