Denkzettel Nr. 18
Frontalunterricht war ein Fortschritt
Der Frontalunterricht, bei dem Schulkinder starr in Reih und Glied sitzen, gilt heute als verpönt. Dabei war er einst ein grosser Schritt vorwärts.
Bis ins 19. Jahrhundert galt nämlich eine andere Sitzordnung: Der Klassenprimus sass vorn rechts, schlechte Schüler hinten, die Mädchen seitlich. Der Schulmeister ging von Kind zu Kind und fragte ab, was sie auswendig gelernt hatten. Gute wurden nach vorn versetzt, Schlechte blieben sitzen – wie es heute noch heisst. Allerdings wurden oft nicht die Dummen nach hinten durchgereicht, sondern Schwer-hörige und Kurzsichtige, die umso weniger mitkamen, je weiter weg sie sassen.
Das änderte sich mit der Volksschule um 1835. Jetzt galt der Grundsatz: Alle haben Anspruch auf Bildung. Deshalb gingen die Lehrer zur «frontalen Beschulung» über, die nun Normalmethode hiess und an Lehrerseminaren (Ecoles normales) gelehrt wurde. Der Frontalunterricht war also ein Reforminstrument. Erst in den siebziger Jahren rückte man davon ab, als Gruppenarbeit und Individualunterricht nach neuen Methoden und flexibler Sitzordnung riefen.
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© Beobachter Ausgabe 20 vom 30. Sep 2009 - Alle Rechte vorbehalten



