Denkzettel Nr. 21

Schulkinder mit Rückgrat

Text:
  • Helmut Stalder
Ausgabe:
23/09

Die Körperhaltung hat etwas mit dem Charakter zu tun, das ist eine Binsenwahrheit. Dass aber die gerade Sitzhaltung nicht von allein kommt, wissen Erziehungsfachleute zur Genüge.

Die Körperhaltung hat etwas mit dem Charakter zu tun, das ist eine Binsenwahrheit. Dass aber die gerade Sitzhaltung nicht von allein kommt, wissen Erziehungsfachleute zur Genüge.

So ersannen einige von ihnen allerlei Bandagen und sogar ergonomisch normierte Schulbänke (siehe Artikel zum Thema: Denkzettel Nr. 4 und 10), die Schülerinnen und Schüler zum aufrechten Sitzen bringen sollten. Nach der Logik: Man muss die richtige Körperhaltung erzwingen, dann folgt die richtige Charakterhaltung automatisch.

Eine Erfindung des berüchtigten deutschen Erziehungsfanatikers Moritz Schreber (1808–1861) ist zum Glück in der Rumpelkiste der Geschichte verschwunden. Der «Schrebersche Geradehalter» von 1858, eine am Stuhl oder am Pult festgeschraubte Konstruktion, die jeden Versuch des «Schiefsitzens, des Vorfallens mit Oberkörper und Kopf, des Andrückens der Brust oder des Unterleibes» verhinderte.

Inzwischen hat sich die umgekehrte Logik durchgesetzt: Man muss darauf hinarbeiten, den Charakter der Kinder zu festigen, dann entwickeln sie auch ein festes Rückgrat – im doppelten Sinn.

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© Beobachter Ausgabe 23 vom 12. Nov 2009 - Alle Rechte vorbehalten

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