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Betreute Jugendreisen

Ferien – garantiert elternfrei

Text:
  • Conny Schmid
Bild:
  • Feriencamps  
Ausgabe:
8/10

Ferien ohne die «nervigen» Eltern: Davon träumen viele Jugendliche. Betreute Jugendreisen machen es möglich – und die Eltern erholen sich dann zu Hause.

Betreute Jugendreisen: Ferien – garantiert elternfrei
  • Eigentlich ist Reto ganz anders. Sagt seine Mutter. «Normalerweise muss man ihm jedes Wort aus der Nase ziehen.» Doch jetzt, während der 17-Jährige wie wild durch die Bildergalerie auf seinem Laptop klickt, sprudelt es nur so aus ihm heraus: «Wir wanderten mit einem Indianer durch das Monument Valley. Da, diese Höhlenmalereien bekommen normale Touristen gar nie zu sehen. Und hier, dieser See, das war unglaublich. Kaum stiegen wir aus dem Wasser, waren wir schon wieder furztrocken, so heiss war die Luft.» Wenn Reto Käch von seiner zweiwöchigen Reise durch den Westen der USA erzählt, ist er kaum zu bremsen. Der Schulabgänger hatte sich letztes Jahr zur Konfirmation eine Jugendreise gewünscht – Ferien ohne die Eltern. Der Wunsch ging in Erfüllung.

    Zu jung, um schon allein mit Freunden ans Meer zu fahren, zu alt, um noch mit Mami und Papi Sandburgen zu bauen – betreute Jugendreisen ermöglichen selbständigen, aber noch minderjährigen Jugendlichen Urlaub nach ihrem und der Eltern Gusto. Die Teenager geniessen so elternfreie Ferien, Vater und Mutter erholsame Urlaubstage ohne Miesepeter und Nörgelsusi.

    «Wir waren nicht unter der Knute»

    Camping in Kroatien, Sportlager an der italienischen Riviera, Partyurlaub auf Teneriffa – all das gehört zum Angebot an Gruppenreisen für Jugendliche, wie sie vor allem in Deutschland weit verbreitet sind. In der Schweiz ist die Auswahl kleiner, doch einige deutsche Veranstalter fahren durch die Schweiz und nehmen auch Schweizer Jugendliche mit (siehe «Tipps»).

    Doch woran erkennen Eltern seriöse Veranstalter? Wie können sie sich sicher sein, dass ihre Kinder gut betreut und die Jugendschutzgesetze eingehalten werden? Die glaubwürdigsten Informationen holt man sich am besten aus dem eigenen Freundes- und Bekanntenkreis. Ist keiner da mit einschlägigen Erfahrungen, lohnt sich der kritische Blick in die Prospekte oder auf die Homepage des Veranstalters.

    Reto buchte seine Reise bei Feriencamps.ch aus Zürich, und da waren die Spielregeln von Anfang an klar: Allein in den Ausgang gibt es nicht, Alkohol und Drogen sind absolut tabu, Mädchen und Jungs schlafen stets getrennt, gegenseitige Besuche im Schlafraum sind nicht erlaubt. Wer dagegen verstösst, wird diskussionslos nach Hause geschickt. Reto haben die strikten Vorschriften nicht gestört. «Der Umgang war sehr kollegial, wir waren nicht unter der Knute», sagt er.

    Für Eltern gilt bei der Wahl des Reiseanbieters eine einfache Regel: Macht der Veranstalter zu all den Fragen rund um den Jugendschutz keine oder nur sehr ungenaue Angaben, sollten sie persönlich nachfragen oder gleich die Finger davon lassen.

    Genauso wichtig ist die Qualifikation der mitreisenden Betreuungspersonen (bei deutschen Anbietern heissen sie meist «Teamer»). Daniela Heimgartner von Pro Juventute rät, zumindest die Hauptleiter sollten eine pädagogische Aus- oder Weiterbildung und Erfahrung im Leiten von Jugendlagern haben sowie über 18 Jahre alt sein. «Ausserdem sollten alle Betreuer insbesondere zu den Themen Alkohol, Drogen und Sucht, sexuelle Übergriffe sowie in Sachen Gleichberechtigung geschult sein», sagt sie. Als optimales Betreuungsverhältnis empfiehlt Heimgartner einen Schlüssel von einem Erwachsenen auf sechs Jugendliche, wobei die Hilfsleitenden nicht gezählt werden.

    Gezielt nachfragen bei den Anbietern

    Während der Ferien ist für seriöse Veranstalter ausserdem eine 24-Stunden-Hotline Pflicht: Eltern sollten jederzeit Mitarbeiter erreichen können, die über die Lage vor Ort im Bilde sind. Und: Gute Anbieter kennen ihre Partner am Reiseziel. Das lässt sich durch gezielte Fragen nach Infrastruktur, Verpflegung, nach Zimmergrössen oder Rückzugsmöglichkeiten prüfen.

    Eine weitere Orientierungshilfe bietet das deutsche Bundesforum für Kinder- und Jugendreisen: ein Zusammenschluss von Jugendreiseveranstaltern und Jugendverbänden, die sich zu gemeinsamen Qualitätskriterien verpflichtet haben. Neben den genannten Punkten müssen sie sich etwa auch für den Schutz vor sexueller Gewalt und Ausbeutung einsetzen und die Jugendlichen in die Programmgestaltung einbeziehen. Mitglieder und Partner des Bundesforums sind vertrauenswürdig.

    Das sind auch Veranstalter, die das Gütesiegel «Sicher gut!» tragen. Für sie gelten noch strengere Standards. Besonderer Wert wird auf die Auswahl der Reiseleiter gelegt. Wer das Label erhalten will, wird genau unter die Lupe genommen. «Externe Auditoren prüfen vor Ort, ob die Kriterien eingehalten werden», sagt Stephan Schiller vom Bundesforum.

    Massen-Partycamps für Teenager

    Jugendreiseunternehmen unterscheiden sich jedoch nicht nur nach Qualitätskriterien. Sie richten sich auch an unterschiedliche Klientelen. Wer eine informative, geführte Reise ohne Rambazamba erleben möchte, ist bei Feriencamps.ch besser aufgehoben als in einem Massen-Partycamp an der Costa Brava. Der Unterschied widerspiegelt sich auch im Preis (siehe «Tipps»). Für Eltern ist zu bedenken: Auch die besten Betreuer können nicht verhindern, dass Jugendliche Verbote umgehen und etwa heimlich Alkohol trinken. Diese Gefahr ist bei Partyferien grösser.Unabhängig von der gewählten Variante können Teenager auf Jugendreisen aber viel lernen: «Durch das neue Umfeld erfahren sie sich in anderen Rollen, als sie es vielleicht gewohnt sind», sagt Feriencamps-Geschäftsführer Hans-Peter Stocker. Das Prinzessli ist plötzlich nicht mehr das einzige Prinzessli am Strand, und der junge Leitwolf kriegt von einem anderen Alphatier die Stirn geboten. «Die Jugendlichen müssen sich im Gefüge neu positionieren. Von Eltern hören wir oft, ihre Kinder seien selbstbewusster und selbständiger nach Hause gekommen», so Stocker.Bei Reto hat die Reise nicht nur die Redefreude geweckt, sondern vor allem auch die Lust auf mehr. Die USA haben es ihm angetan: «Ich will unbedingt wieder dahin. Dann aber gleich für ein Jahr.»

     



  • Zwei Wochen Abenteuerferien in den USA: Für den 17-jährigen Reto Kärch ein unvergessliches Erlebnis - auch weil er mit Gleichaltrigen unterwegs war.













Betreute Jugendreisen: Vertrauenswürdige Anbieter

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Feriencamps.ch: Organisiert seit 1990 Ferienlager für Kinder und Jugendliche. Vor allem bildungsorientierte Angebote (Computer- und Sprachlager), aber auch Reisecamps und «Activitycamps» in der Schweiz (etwa Indianercamp, Abenteuercamp). Es wird grosser Wert auf die 24-Stunden-Betreuung der Teilnehmenden gelegt. Die USA-Rundreise kostet ohne Flug knapp 3300 Franken.

Rotary Summer Camps: Rotary bietet jedes Jahr rund 100 zwei- oder drei­wöchige Sommerlager für Jugendliche zwischen 15 und 24 Jahren im In- und Ausland an. Im Vordergrund steht der Austausch mit Jugendlichen aus anderen Ländern, die Teilnehmerzahl pro Land ist auf eine bis zwei Personen beschränkt. Die Eltern müssen nicht Rotary-Mitglieder sein, sie müssen lediglich einen Beitrag von 250 Franken sowie die Anreise selber bezahlen.

Ruf Jugendreisen: Der deutsche Veranstalter bietet seit 1981 betreute Jugendreisen an, ist Mitglied beim Bundesforum für Kinder- und Jugend­reisen und trägt das Gütesiegel «Sicher gut!». Schweizer Jugendlichen stehen 2010 Flugreisen an die Costa Brava und nach Mallorca (Strand- und Partyferien) offen. Auf Anfrage Abflug in Zürich. Kosten: 800 bis 1200 Franken pro Woche.

Youngtour: Organisiert seit 1977 Jugendreisen und ist Partner des Bundesforums. Für die Strand- und Partyferien auf Korfu und in Rimini nimmt der deutsche Veranstalter Schweizer Jugendliche mit. Zusteigeorte entlang der A2 zwischen Basel und Chiasso. Kosten: rund 700 Franken für zwei Wochen.

Go Jugendreisen: Bietet seit 1986 Jugendreisen an, ist Partner des Bundesforums und hat 2008 das Qualitätslabel «Sicher gut!» erhalten. An Reisen nach Frankreich, Spanien und Italien können Schweizer Jugend­liche teilnehmen. Zusteigeorte: Basel, Bern, Solothurn, St. Gallen, Winterthur und Zürich. Kosten: rund 600 bis 800 Franken für zwei Wochen.

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© Beobachter Ausgabe 8 vom 14. Apr 2010 - Alle Rechte vorbehalten

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