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Pubertät

Denn sie wissen nicht, wie ihnen geschieht

Text:
  • Sarah Renold
Ausgabe:
21/08

Laut und lärmig - wenn es darum geht, ihren achterbahnfahrenden Gefühlen Ausdruck zu verleihen, kennen Teenager keine Zurückhaltung. Wer in solchen Momenten an die Vernunft appelliert, steht auf verlorenem Posten.

«Mami, ich will Schoggi haben - jetzt!» Oder: «Ma, ich muss unbedingt neue Markenjeans haben!» - Der eine Satz stammt aus dem Mund eines Vierjährigen, den anderen sagt eine 13-Jährige. Der Tonfall ist bei beiden gleich: fordernd und laut. Zwei- bis Fünfjährige wollen ihre Grenzen ausloten und geräuschvoll erweitern. Dasselbe wollen Teenager ab etwa elf Jahren. Nur die Themen haben sich verlagert: Jetzt geht es um Handy-Guthaben, die erste Liebe oder das Outfit.

Pubertierende sind der Meinung, nunmehr das Meiste selber bestimmen zu können. Tatsächlich sind sie zunehmend in der Lage, Verantwortung zu übernehmen. Manche brauchen dazu jedoch etwas länger, als sie selbst glauben. Und manche verfallen zur Durchsetzung ihres Willens in kleinkindliches Verhalten: Beim elterlichen Nein fangen sie an zu toben, schreien, jammern. Sie laufen weg, hören laute Musik, verschanzen sich. Und finden manchmal nicht selber zurück zum Punkt, an dem ein echter ­Dialog mit den Eltern möglich wäre.


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Im Gefühlsgewitter

Es sind aber längst nicht nur Meinungsverschiedenheiten mit den Eltern, die zu Gefühlsausbrüchen führen. Auch Streit mit Geschwistern, Ärger in der Schule oder Enttäuschung in der Liebe können einen Teenager von einem Moment auf den andern aus der Bahn werfen. Selten klappt es, in dieser Situation an die Vernunft zu appellieren. Vielmehr geht es darum, dem Gefühlschaos einen gewissen Raum zu geben und Verständnis für die Empfindungen zu zeigen.

Auch wenn es sich anzubieten scheint: Vermeiden Sie in solchen Momenten, von Ihrer eigenen Jugendzeit zu erzählen. Es mag Ihr Kind von Zeit zu Zeit interessieren, wie Sie selber aufgewachsen sind - aber nicht dann, wenn es aufgewühlt und sein eigener Kummer gross ist. Dennoch können Sie einen persönlichen Bezug herstellen, indem Sie erwähnen, auch schon so enttäuscht, so verärgert, so traurig oder verunsichert gewesen zu sein. Es geht in erster Linie um die Benennung des Gefühls, erst zweitrangig um das erlebte Ereignis oder Problem.

Zuhören, unterstützen, machen lassen

So unterstützen Sie Ihren Teenager darin, Gefühlsausbrüche zu bewältigen:

 

  • Hören Sie genau zu, wenn Ihr Kind Ihnen etwas mitteilt. Unterbrechen Sie es nicht.
  • Fassen Sie das Gehörte in eigenen Worten zusammen: «Habe ich dich richtig verstanden, du fühlst dich von deinem Freund betrogen?»
  • Anerkennen Sie das Gefühl, das Ihr Kind gerade erlebt, und benennen Sie es: «Ich merke, dass du sehr enttäuscht bist.»
  • Bieten Sie Unterstützung an. Fragen Sie, ob Sie etwas tun können.
  • Ist Ihr Kind zu aufgewühlt, sorgen Sie für eine Pause. Wenn es sich etwas beruhigt hat, können Sie gemeinsam darüber reden.

 

Helfen Sie bei der Lösung des Problems so viel wie nötig, aber lassen Sie Ihr Kind vieles selber umsetzen. So lernt es, Konflikte und Sorgen besser zu bewältigen.

Die Pubertät kann hohe Wellen schlagen oder ruhig dahinplätschern. Stehen Sie die Gefühlsgewitter gemeinsam mit Ihrem Kind durch. Halten Sie die Beziehung zu ihm aufrecht und lassen Sie zugleich langsam los - auf dass es den Weg ins Erwachsenenleben erfolgreich gehen lernt.

© Beobachter Ausgabe 21 vom 15. Okt 2008 - Alle Rechte vorbehalten

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