Stichworte
Prix-Courage-Preisträger
Mutige Stimme für immer verstummt
Die katholische Gemeinschaft verliert eine grosse Persönlichkeit: Der international bekannte Kirchenkritiker und letztjährige Prix-Courage-Preisträger Herbert Haag ist kürzlich gestorben.

Artikel zum Thema
Er bestritt zum Beispiel die Existenz des Teufels – und geriet darob in Teufels Küche. Der Luzerner Theologieprofessor Herbert Haag, ein unermüdlicher Kämpfer gegen falsche Dogmen und für die Freiheit in der Kirche, zog mit seinem kritischen Bibelverständnis wiederholt den Zorn des Vatikans auf sich.
Doch der international renommierte Theologieprofessor liess sich nicht beirren. Er unterstützte unbequeme Theologen wie Hans Küng, Eugen Drewermann oder Leonardo Boff. Er förderte den naturwissenschaftlich-theologischen und den christlich-jüdischen Dialog. Er kämpfte für die Ökumene und die Gleichstellung der Frauen innerhalb der Kirche.
Herbert Haag hatte Philosophie, Theologie und Orientalistik studiert und wirkte zunächst als Seelsorger, später als Theologieprofessor in Luzern. Während 20 Jahren lehrte er an der Universität Tübingen in Deutschland. 1985 gründete er die Stiftung «Freiheit in der Kirche».
Im September letzten Jahres erhielt er den Prix Courage, den Beobachter-Preis für mutige Taten. «Erst nachträglich», so schrieb Herbert Haag dem Beobachter, «realisiere ich, wie stark der Prix Courage sich im öffentlichen Bewusstsein unseres Landes eingewurzelt hat. Ich realisiere aber auch von Tag zu Tag neu, welch ungeahnte Möglichkeiten er mir verschafft, meine Stimme zu erheben und mich für Wahrheit, Gerechtigkeit und Freiheit einzusetzen. Es ist das Verdienst des Prix Courage, deutlich zu machen, dass es sich dabei nicht um göttliche oder kirchliche Werte handelt, sondern um menschliche.»
Die mutige Stimme ist verstummt. Haag starb, 86-jährig, am 23. August nach einer kurzen, schweren Krankheit. Am 15. September findet im Andenken an den grossen Theologen in der Jesuitenkirche in Luzern eine öffentliche Feier statt.
Anzeige:
© Beobachter Ausgabe 19 vom 14. Sep 2001 - Alle Rechte vorbehalten


