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Prix Courage 2005

Kandidatin Jacqueline Aliesch

Text:
  • Birthe Homann
Bild:
  • Gerry Nitsch
Ausgabe:
19/05

Die Alleinerziehende wurde von einer Telefonsexfirma ausgenutzt und wehrte sich.

Jacqueline Aliesch ist allein erziehende Mutter eines Sohnes. Zu ihrem 50-Prozent-Job als Sekretärin in einer Bauunternehmung sucht die heute 42-jährige Zürcherin einen Zusatzverdienst; darauf ist sie angewiesen, um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können.

Die Sekretärin findet eine Stelle bei einer Erotiktelefonfirma – ein Job, den sie sich selber einteilen und gut von zu Hause aus erledigen kann. Ideal für eine Alleinerziehende, findet Aliesch. Die Zentrale weist ihr Sextelefonate von Männern zu, die sie übernehmen muss. Sie erhält weder einen Arbeitsvertrag noch einen fixen Lohn. Je nach Gesprächsdauer verdient sie pro gesprochene Minute 40 bis 65 Rappen. Und trotz 90 bis 95 Stunden Arbeit pro Monat erhält sie durchschnittlich nur etwa 1300 Franken. Lange Präsenzzeiten und lausige Löhne sind in der Erotikbranche normal. Die Sextelefonfirmen machen grosse Gewinne, während die Mitarbeiterinnen kaum etwas verdienen.

«Ich habe schnell gemerkt, dass die Lohnabrechnungen nicht transparent sind», sagt Aliesch. Wiederholt macht sie ihre Arbeitgeberin, die Firma Torocom, darauf aufmerksam. Die Firma reagiert nicht, sondern kündigt ihr nach zweieinhalb Jahren. «Mir wurde systematisch die Stundenzahl gedrückt», so Aliesch. Zwar wurde die Zeit zwischen den Telefonanrufen pauschal entschädigt, aber nur mit wenigen hundert Franken pro Monat: viel zu wenig.

Jacqueline Aliesch will nicht klein beigeben, sie nimmt sich einen Anwalt und geht vor Gericht – und bekommt Recht. Ihr werden 22'000 Franken für unbezahlte Präsenzzeit und willkürliche Stundenkürzungen zugesprochen. «Frau Aliesch hat Mut und Cleverness bewiesen», sagt dazu Barbara Sarbach von der Gewerkschaft Kommunikation. «Frauen aus dieser Branche trauen sich sonst kaum, sich zu wehren.» Ihr Beispiel mache anderen Betroffenen Mut, ebenfalls zu ihrem Recht zu kommen.

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© Beobachter Ausgabe 19 vom 15. Sep 2005 - Alle Rechte vorbehalten

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