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Prix Courage 2002

Kandidat Stefano Malpangotti

Text:
  • Matthias Pflume
Ausgabe:
26/01

...kämpfte einsam gegen den Tessiner Filz.

Allein gegen den Filz – das klingt nach Kino und beschreibt doch nur die mühevolle Arbeit von Stefano Malpangotti im Tessiner Grossen Rat. Der gelernte Filmregisseur bricht im Frühjahr 2000 mit beharrlichem Nachfragen das Schweigen um den Zigarettenschmuggler Gerardo Cuomo. Der lebt, obwohl in Italien verurteilt, seit Jahren ohne Aufenthaltserlaubnis unbehelligt im Kanton.

 

Der Fall wird zur Justizaffäre – im Zentrum: Gerichtspräsident Franco Verda. Dieser wird im Sommer 2001 wegen Bestechlichkeit verurteilt, Cuomo wegen Beihilfe zur Korruption. Und Malpangotti gilt jetzt vielen als Gewissen des Tessins.

 

Eine Rolle, für die der 33-Jährige aus Bellinzona bezahlen muss: Er wird politisch isoliert, als angeblicher Mafia-helfer verleumdet, von anonymen Anrufern terrorisiert. Berufliche Perspektiven – ob als TV-Regisseur oder Primarlehrer – erweisen sich als so konsequent verbaut, dass man nicht an Zufall glauben mag. «Ich werde schlechter behandelt als ein Verbrecher», klagt der frühere Schwimmchampion, der sich auch schon als Bademeister über Wasser halten musste.

 

Malpangotti ist stolz auf das, was er erreicht hat. «Das öffentliche Interesse hat heute mehr Gewicht – auch beim Beurteilen gewisser Freundschaften.» Doch der Erfolg hat ihn Kraft gekostet. Zu viel Kraft – im Oktober 2001 tritt er als Grossrat zurück.

 

Der Anlass mag zunächst unbedeutend wirken, aber für Malpangotti geht es um das Wesen von Politik. Er möchte, dass der Grosse Rat den Völkermord an den Armeniern im Osmanischen Reich ausdrücklich als solchen bezeichnet. Doch das Parlamentspräsidium reagiert nicht einmal.

 

Nun hat Stefano Malpangotti genug. Er will nicht länger Teil eines Politikbetriebs sein, den Fragen der Humanität gleichgültig lassen. «Ihr werdet mich nicht verbiegen. Nie!» – das ist ihm wichtiger als jedes Amt.

 

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© Beobachter Ausgabe 26 vom 21. Dez 2001 - Alle Rechte vorbehalten

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