Stichworte
Prix Courage 2002
Kandidat Hans Sommer
Der Friedenskämpfer bot bei einem Hilfseinsatz in Kolumbien Bewaffneten die Stirn.

Artikel zum Thema
Hans Sommer räumt das Geschirr des Abendessens ab, als er plötzlich lautes Geschrei hört: «Die Militärs sind da!» Sommer stürzt die Treppe hinunter. Im kleinen Laden im Erdgeschoss zerschlagen zwei Uniformierte mit schwarzen Gesichtsmasken die Regale und Auslagen. Dann stürmen die zwei Bewaffneten im ersten Stock ein Büro, zertrümmern Telefone und Computer.
Sommer bleibt ihnen dicht auf den Fersen, löchert sie mit Fragen: «Wo ist der Anführer? Wer leitet die Aktion?» Die Männer wirken nervös. Sommer springt auf den Balkon und sieht Schreckliches: «Mein Gott, die zünden das ganze Dorf an», schiesst es ihm durch den Kopf. Aus zwei Häusern an der Hauptstrasse lodern Flammen in den Nachthimmel.
Rund 20 Maskierte sind daran, Geschäfte, das Restaurant und das Haus des Pfarrers in Brand zu stecken. «Beendet die Aktion, das ist ein Angriff gegen die Zivilbevölkerung!», schreit Hans Sommer unablässig vom Balkon herunter. «Halt den Mund», faucht einer zurück, richtet sein Gewehr auf Sommer und hantiert daran herum. Sommer nimmt die Hände hoch.
Der 43-jährige Krankenpfleger aus Basel leistet zu dieser Zeit in Kolumbien einen einjährigen Einsatz für Peace Brigades International (PBI). Die Friedensbrigaden begleiten örtliche Menschenrechtsvertreter und schützen sie so vor Übergriffen durch Armee, Guerilla oder Polizei. Verletzt eine Gruppe die Menschenrechte, informieren PBI-Leute die Weltöffentlichkeit. Die Anwesenheit der PBI-Mitarbeiter kann so in vielen Fällen Schlimmes verhindern.
Wie am 5. März 2001 im kleinen San José de Apartado, als Hans Sommer über Nacht zum Helden wird: Das ganze Dorf ist überzeugt, dass es nur seinem beherzten Einsatz zu verdanken ist, dass es keine Toten gegeben hat. Beim letzten Überfall im Februar 2000 hatten die Bewaffneten fünf Bewohner ermordet.
Anzeige:
© Beobachter Ausgabe 26 vom 21. Dez 2001 - Alle Rechte vorbehalten


