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Prix Courage 2003

Kandidaten Theo Egger und Simon Forster

Text:
  • Edith Lier
Ausgabe:
18/03

Der Bäcker und der Gemüsegärtner retteten im thurgauischen Stettfurt ein kleines Mädchen, das von fünf kräftigen Hunden attakiert wurde.

Für wenige Minuten kreuzen sich am 19. November 2002 ihre Wege. Dann verlieren sich Simon Forster, 22, und Theo Egger, 44, aus dem thurgauischen Stettfurt aus den Augen. Erst beim Fototermin für den Beobachter begegnen sich die beiden «Helden des Alltags» wieder.

 

Die Bilder des Schreckens kommen wieder auf: Fünf kräftige Hunde raufen sich am Strassenrand um ein Bündel und zerren es auf die Wiese. Egger, gelernter Bäcker und Schichtführer in einem Hefebetrieb, fährt mit seinem Auto auf das heulende Rudel zu. Er vermutet, dass sich die Tiere über einen Kehrichtsack mit aufgeklebter Leuchtmarke hermachen. Zur gleichen Zeit springt Gemüsegärtner Forster vom Traktor und versucht, die Hunde mit Fusstritten fern zu halten.

 

Egger hält an, eilt herbei – und erkennt das Ausmass der Situation: Der vermeintliche Kehrichtsack ist der Körper eines Mädchens, das ein Leuchtband für den Weg zum Kindergarten trägt. Der Anführer des Rudels hat sich in den Kopf des Kindes verbissen, die anderen vier Hunde kreisen um den Schauplatz. Während Forster mit den Fäusten auf den Hund einprügelt, gelingt es Egger, das Mädchen vom Boden hochzuheben. Trotz den Schlägen verbeisst sich das Tier in den Rossschwanz des wimmernden Kindes, bis es endlich von ihm lässt.

 

Mit dem Opfer auf dem Arm rennt Egger zur Strasse und fährt es mit einer Dorfbewohnerin und der Pflegemutter ins Spital. Das Mädchen hat schwere Bisswunden am ganzen Kopf bis hin zur Halsschlagader und einen doppelten Kieferbruch. In der Zwischenzeit streunen die grossen Hunde durchs Dorf und beissen noch drei andere Kinder. Wie die Alaskan Malamutes aus ihrem Zwinger ausbrechen konnten, ist nicht klar.

 

Das Mädchen hat das Trauma erstaunlich gut überwunden und besucht wieder den Kindergarten. Zurück bleiben Narben, die nachbehandelt werden müssen. Die beiden Lebensretter sehen sich nicht als Helden. «Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort», sagt Theo Egger. Und Simon Forster ist überzeugt: «Jeder, der vorbeigekommen wäre, hätte genauso gehandelt.»

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© Beobachter Ausgabe 18 vom 05. Sep 2003 - Alle Rechte vorbehalten

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