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Prix Courage 2002
Kandidatin Sophie Barthod-Malat
Die junge Frau fasste sich ein Herz und griff in eine Schlägerei ein.

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Ein kalter Freitagabend im November letzten Jahres: Sophie Barthod-Malat, 20, verbringt den Feierabend mit zwei Kollegen im «Yorkshire Pub» in Huttwil BE. Da betreten einige kahl geschorene Männer mit Springerstiefeln das Lokal im Unteremmentaler Dorf. Keiner kennt sie.
Sophie, die eine Lehre als Verkäuferin macht, will nach Hause. Die aggressive Stimmung gefällt ihr nicht. Ihre Kollegen begleiten sie. Zwei kahl rasierte Jugendliche folgen ihnen auf dem Weg ins Zentrum. Ein weisses Auto mit zwei anderen Glatzköpfen fährt an ihnen vorbei und hält weiter vorn: Sophie und ihre Freunde sind eingekreist.
Schimpfwörter fallen, es kommt zu einer Schlägerei: Auf einmal liegt Sophies Kollege Kim (Name von der Redaktion geändert), bewusstlos am Boden. Sophie ist ausser sich, weint und schreit. Sie will dem Vietnamesen helfen, schlägt auf den Angreifer ein und versucht, ihn von seinem Opfer wegzuzerren. Obwohl sie nicht sehr gross oder kräftig ist, gelingt ihr das.
«Ich hatte grosse Angst, wusste nicht, was ich tun soll», erinnert sich Sophie Barthod-Malat. Sie sitzt in der Küche und streichelt gedankenverloren ihre Katze. «Ich wollte ihm helfen, er ist schliesslich ein guter Kollege.»
Sie bringt den verletzten Kim ins Spital. Dort wird er gründlich untersucht und verarztet. Sophie und Kim erheben Strafanzeige gegen Unbekannt. «Jedes Mal, wenn ich heute solche Jugendliche sehe, schlägt mein Herz wie verrückt», erzählt Sophie.
Erst nach zwei Monaten traut sie sich wieder ins Pub. Die Angst sitzt ihr noch immer im Nacken; sie möchte den Vorfall am liebsten vergessen. Doch im April erhält sie ein Schreiben vom Untersuchungsrichteramt Emmental-Oberaargau: Wegen Tätlichkeiten gegen einen der Schläger muss sie 150 Franken Busse zahlen. «Ich verstand die Welt nicht mehr: Da helfe ich einem Kollegen und werde verurteilt», sagt Sophie. Die Busse riss ein tiefes Loch in ihr Lehrlingsbudget.
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© Beobachter Ausgabe 26 vom 21. Dez 2001 - Alle Rechte vorbehalten


