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Prix Courage 2003
Kandidatin Gretel Seebass
Die Journalistin setzte sich 13 Jahre lang für gerechte Entlöhnung ein. Wegen systematischem Mobbing gab sie ihre Stelle auf, kämpfte aber weiter.

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«Alles, was recht ist: So geht es nicht», denkt die Journalistin Gretel Seebass, als sie 1990 den Lohnausweis sieht, den ihr Kollege offen liegen gelassen hat. Der frisch
eingestellte Redaktor ohne Berufserfahrung verdient 1600 Franken mehr als sie – obwohl sie schon seit drei Jahren für die «Schweizerische Bodensee-Zeitung» aus Bischofszell und Umgebung berichtet.
Seebass ist mit Begeisterung Lokaljournalistin. Ob in der Konservenfabrik ein Arbeiter verunfallt oder ein anonymes Flugblatt die Wahl einer Kirchgemeinderätin verhindern soll – sie hakt nach, stellt auch unangenehme Fragen. «Ich wollte die besten Recherchen in Bischofszell machen», blickt sie lachend zurück, «und das ist mir auch geglückt.»
Weniger Glück hat sie bei der Durchsetzung ihrer Lohnforderungen; ihr Salär wächst nur in kleinen Schritten. Das ändert sich auch nicht, als das «St. Galler Tagblatt» die Zeitung übernimmt. 1996 tritt das Gleichstellungsgesetz in Kraft, das gleiche Löhne für Mann und Frau fordert. Seebass zögert nicht lange und leitet ein Verfahren ein. «Es war die Wut, die mir den nötigen Mut gab», sagt die heute 64-Jährige.
Doch erst einmal sorgt die Wut für Ärger. Die Journalistin erinnert sich: «Die Chefredaktion machte meine Person systematisch schlecht, um den tieferen Lohn zu
rechtfertigen.» Bezirks- und Kantonsgericht St. Gallen weisen ihre Klage ab. Seebass verkraftet das gespannte Arbeitsklima schlecht: Sie erkrankt an Gürtelrose und kündigt ihre Stelle.
Ein Rekurs ans Bundesgericht bringt die Wende: Das Kantonsgericht muss den Fall neu aufrollen. Nun sagen auch Kollegen von Seebass aus – fast alle zu ihren Gunsten. «So viel Lob habe ich noch nie bekommen, ich schwebte wie auf Wolken.»
Doch das Kantonsgericht weist die Klage erneut ab. Wieder gelangt die Journalistin ans Bundesgericht: Nun endlich erhält sie 60'000 Franken Lohn zugesprochen. Vor 13 Jahren forderte Gretel Seebass erstmals gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit – bezahlt hat das «St. Galler Tagblatt» bis Redaktionsschluss noch keinen Rappen.
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© Beobachter Ausgabe 18 vom 05. Sep 2003 - Alle Rechte vorbehalten


