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Prix Courage 2010

Kandidatin Saïda Keller-Messahli

Text:
  • Martin Müller
Bild:
  • Monika Fischer/Mathias Braschler
Ausgabe:
16/10

Die 53-Jährige ist fundamentalistischen Moslems ein Dorn im Auge: Die gebürtige Tunesierin kämpft trotz Todesdrohungen für einen toleranten Islam.

Geht es um den Islam, redet Saïda Keller-Messahli mit. Die Präsidentin des Forums für einen fortschrittlichen Islam plädiert in un­zähligen Zeitungsinterviews und auf allen TV-Kanälen für einen moder­nen Islam. Mal kämpft die 53-Jährige mit Menschenrechtlern (gegen Zwangs­­ehen), mal an der Seite der SVP (für ein Burka­verbot), mal mit den gleichen Argumenten wie radika­lere Muslime (gegen das Minarettverbot), aber immer auf ihre eigene Weise: tolerant, hartnäckig und mit Überzeugungskraft.

In Tunis in eine arme muslimische Grossfamilie geboren, kommt Saïda Messahli achtjährig zu Pflegeeltern nach Grindelwald. Hier studiert sie, wird Gymnasiallehrerin, zieht mit ihrem Schweizer Ehemann zwei Söhne gross. Als nach dem 11. September 2001 im Westen die Angst vor allem, was irgendwie muslimisch ist, wächst, handelt sie: «Ich will dazu beitragen, den Islam humanistischer, toleranter zu machen.» Sie gründet 2004 das ­Forum für einen fortschrittlichen ­Islam, greift in die öffentliche Debatte ein, hält Vorträge, bestreitet Podiumsgespräche, berät Heranwachsen­de (etwa bei Problemen mit konservati­ven Eltern) und beherbergt auch mal schutzsuchende Jugendliche.

Diese Aufgabe versteht sie praktisch als Vollzeitjob: «Letztes Jahr ­hatte ich kein einziges freies Wochen­ende.» Ihre moderaten Positionen stos­sen bei fundamentalistischen Muslimen auf wenig Gegen­liebe – wohl weil sie sie pointiert äussern kann. Immer wieder erhält sie Mord­drohungen: «In anderen Ländern wäre jemand wie du schon lange gesteinigt worden», heisst es. Die Drohungen nimmt sie ernst, aber sie brin­gen sie nicht von ihrem Weg ab: «Ich will mich nicht vor ein paar Fundamentalisten ducken. Ich bin schliesslich überzeugt, dass wir die Mehrheit der in der Schweiz leben­den Muslime vertreten.»

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© Beobachter Ausgabe 16 vom 05. Aug 2010 - Alle Rechte vorbehalten

  • Prix Courage

    Prix Courage


    Seit 1997 verleiht der Beobachter den Prix Courage, den Preis für ausserordentliche, mutige Taten.

    Dossier

  • Prix Courage 2011

    Die Kandidaten

     
    Jean-Marc Christe, Raoul Challet, Bernard Hengy & Michèle Christe wehrten sich erfolgreich gegen eine Auto-Teststrecke auf Landwirtschaftsland.
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    Nicole Dill setzt sich nach einer Attacke auf ihr Leben hartnäckig für besseren Opferschutz ein.
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    Zarina Bried kämpfte öffentlich für bessere Bedingungen für Putzfrauen.
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    Richard Lehner & Daniel Aufdenblatten wagten eine Rettung im Heli auf 7000 Metern Höhe.
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    Andreas Roth stellte sich gegen einen wilden Stier und rettete seinem Nachbarn das Leben.
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    Valentin Abgottspon steht ein für eine strikte Trennung von Kirche und Staat.
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    Robert Schönbächler hilft seiner bedrohten Ex-Lehrtochter – trotz Gefahren für sich selbst.
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