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Prix Courage 2003

Kandidatin Ursula Gygax

Text:
  • Sibylle Stillhart
Ausgabe:
18/03

Die Finanzverwalterin engagierte sich im Alleingang gegen den Filz in der Gemeindeverwaltung. Wegen «Umstrukturierungen» verlor sie ihren Job.

Die Zahlen auf dem Lohnausweis des Gemeindepräsidenten stechen Ursula Gygax sofort ins Auge. Als Finanzverwalterin von Duggingen weiss sie, dass der Dorfpatron in Tat und Wahrheit einen höheren Lohn bezieht, als auf dem Dokument deklariert

ist. Zudem sind dort Entschädigungen aufgeführt, die weit über der bewilligten Pauschale von 5000 Franken liegen. Gygax weigert sich, den Ausweis zu unterzeichnen: Sie will nicht zur Mittäterin werden.

 

Stattdessen reicht sie im Sommer 2002 gegen den Präsidenten eine Strafanzeige wegen Amtsmissbrauchs ein. Nie hätte sie gedacht, dass sie damit «in einen solchen Strudel» geraten würde. «Ich glaubte, mit einer Meldung sei meine Pflicht getan», sagt die 40-Jährige heute.

 

Gygax' Anzeige bringt die ganze Verwaltung des 1200-Seelen-Orts im Laufental ins Wanken. Die Untersuchungsrichterin beschlagnahmt sofort sämtliche Akten, und alle fünf Mitglieder des Gemeinderats werden noch am selben Tag verhört. Zudem wird gegen den Gemeindeschreiber ein Verfahren wegen Begünstigung eröffnet.

 

Die örtlichen Behörden bleiben nicht untätig. Schleunigst wird eine Studie in Auftrag gegeben, mit dem Ziel, den Verwaltungsapparat zu reorganisieren. Das Ergebnis hat für Gygax schlimme Folgen: Der Posten der Finanzverwalterin soll künftig in eine Vollzeitstelle umgewandelt werden. Für Ursula Gygax, mit einem 35-Prozent-Pensum angestellt, ist das ein Ding der Unmöglichkeit, da sie sich um ihre beiden schulpflichtigen Töchter kümmern muss. Damit hat die Gemeinde einen Grund, die gewählte Finanzverwalterin nach 13 Amtsjahren zu entlassen.

 

Gygax spricht von einem «Racheakt», sie ficht die Kündigung an. Pikant: Kurz zuvor wurde ihr Wunsch, die Stelle minimal aufzustocken, abgewiesen. Gygax: «Damals hiess es, dass man dafür kein Geld habe.»

 

Das Verfahren gegen den 74-jährigen Gemeindepolitiker ist hängig. Konsequenzen hat er dennoch gezogen: Auf Ende 2002, früher als geplant, gab er seinen Rücktritt

bekannt – aus «gesundheitlichen Gründen».

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© Beobachter Ausgabe 18 vom 05. Sep 2003 - Alle Rechte vorbehalten

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