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Prix Courage 2003
Kandidatin Margrit Pesenti
Als Kursleiterin im Eislaufclub Frauenfeld prangerte sie die sexuellen Übergriffe eines erfolgreichen Trainers an. Erst Jahre später zeigte ihr Kampf Wirkung.

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Sich gegen Ungerechtigkeit zur Wehr zu setzen ist tief verwurzelt im Denken der 57-jährigen Margrit Pesenti. Schon als Kind empfand die Bauerntochter aus dem Thurgau die Bezeichnung Feigling als schlimmstes Schimpfwort. Also wollte sie nie ein Feigling sein.
In den frühen achtziger Jahren ist Pesenti als Kursleiterin beim Eislaufclub Frauenfeld tätig. Mehr und mehr fallen ihr die eigenartigen Methoden von Trainer M. auf: Bei Haltungskorrekturen etwa berührt er die minderjährigen Sportlerinnen an den Brüsten, greift ihnen unter den Pullover. Pesenti meldet ihre Beobachtungen der Klubleitung. Es kommt zu einer Aussprache. M. ist einsichtig und erhält eine zweite Chance.
Doch die Übergriffe gehen weiter, Margrit Pesentis Interventionen ebenso. «Nur nicht feige sein, nur nicht aufgeben», geht ihr immer wieder durch den Kopf. Trotzdem
bleibt sie ungehört: Als erfolgreicher Trainer ist M. praktisch unangreifbar. Selbst die Mutter einer Betroffenen deckt das Treiben: «Das muss man für den Erfolg in Kauf nehmen», entgegnet sie Pesenti – sexuelle Übergriffe sind Anfang der neunziger Jahre noch weitgehend tabuisiert.
Es dauert ein weiteres Jahrzehnt, bis Pesentis Kampf endlich Wirkung zeigt: Im Februar 2001 erfährt sie in einem Rundschreiben des Vereins, dass es «zwischen zwei minderjährigen Eisläuferinnen und einem Funktionär des Klubs zu fragwürdigen Kontakten» gekommen ist. Für sie ist klar, dass abermals M. gemeint ist. Drei Stunden lang sagt sie bei der Polizei aus. Die Medien schalten sich ein, Betroffene melden sich.
Im Frühjahr 2002 verurteilt das Frauenfelder Bezirksgericht M. wegen sexueller Handlungen mit Kindern und Abhängigen zu dreieinhalb Jahren Zuchthaus; der Berufungsentscheid des Obergerichts steht noch aus.
Wirklich zufrieden ist Margrit Pesenti nicht. Viel zu lange wurde abgewiegelt, beschönigt, verdunkelt. Heute wechseln einstige Weggefährten die Strassenseite, um ihr nicht zu begegnen. Sie stört sich nicht daran – Hauptsache, die Opfer erfahren Gerechtigkeit.
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© Beobachter Ausgabe 18 vom 05. Sep 2003 - Alle Rechte vorbehalten


