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Prix Courage 2005

Kandidaten Kirchenrat Röschenz

Text:
  • Andrea Haefely
Bild:
  • Gerry Nitsch
Ausgabe:
19/05

Diese Behörde unterstützte ihren Pfarrer Franz Sabo gegen die Kirchenhierarchie.

Franz Sabo, der katholische Pfarrer des Baselbieter Dorfs Röschenz, ist ausserordentlich beliebt in seiner Kirchgemeinde. Wohl nicht zuletzt, weil er lautstark und unbeirrbar für die Gleichstellung der Frau, die Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Paaren und gegen das Pflichtzölibat predigt. Und seinen Bischof als «Funktionär» bezeichnet, der «den Puls der Zeit in seiner Diözese» nicht wahrnehme.

Weniger Freude an dem streitbaren Seelsorger haben besagter Bischof Kurt Koch und sein Generalvikar Roland-Bernhard Trauffer: Im März entziehen sie Pfarrer Sabo auf Ende September 2005 den kirchlichen Auftrag. Dies allerdings, ohne die Rechnung mit der Kirchgemeinde gemacht zu haben: Die Röschenzer wollen ihren Priester behalten und sind gewillt, für ihn zu kämpfen.

Doch die fünf Kirchenräte Heidi Dreier, Bernhard Cueni, Brigitte Karrer, Holger Wahl und Silvia Cueni (Bild oben, von links) beissen im Bistum auf Granit. «Was uns dabei wirklich empört hat, war die Arroganz, mit der uns Generalvikar Trauffer abgekanzelt hat», sagt Bernhard Cueni. «Das wollten wir uns nicht gefallen lassen.»

Auf der Suche nach einem Ausweg vertieft sich der juristische Laie Cueni ins Kirchengesetz und in die Bundesverfassung. Die anderen Ratsmitglieder schreiben Briefe, organisieren Versammlungen und stellen den normalen Kirchgemeindebetrieb sicher. Zu Hause und in den Unternehmen der Kirchenräte steht über Wochen vieles still. Schliesslich beschliesst die 1300 Seelen kleine römisch-katholische Kirchgemeinde Röschenz in einer historischen Abstimmung, dass man Pfarrer Sabo auch wider den Willen und Befehl des Bistums weiterbeschäftigen wolle.

«Bedingungsloser Gehorsam ist eben nicht unser Ding, und ans Aufgeben denken wir nicht», schmunzelt Kirchenrätin Heidi Dreier. Das ist gut so, denn noch ist nicht entschieden, ob Sabo bleiben darf oder nicht.

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© Beobachter Ausgabe 19 vom 15. Sep 2005 - Alle Rechte vorbehalten

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