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Prix Courage 2004

Kandidaten Kurt Mori und Heinz Kuratle

Text:
  • Ursula Gabathuler
Bild:
  • Ursula Meisser
Ausgabe:
18/04

Die beiden Männer setzten sich gegen brutale Schläger zur Wehr.

(Bild: Ursula Meisser)

Es ist sieben Uhr morgens. Der voll besetzte Bus Nummer 32 rollt durchs Zürcher Rotlichtviertel. Kurt Mori fährt zur Arbeit. Er sitzt hinten, noch ganz verschlafen. Plötzlich wird es laut. Sechs junge Männer in weiten Hip-Hop-Kleidern steigen ein, wanken grölend durch den Mittelgang und pöbeln Passagiere an.

 

«Die sind betrunken, das wird gefährlich», denkt Mori, will sich aber nicht beeindrucken lassen. Mori guckt nicht weg, im Gegenteil, er steht auf und blickt den Jugendlichen in die Augen. Das ist schon Provokation genug: Zwei der Männer wenden sich dem 52-jährigen Postangestellten zu und prügeln ohne Vorwarnung auf ihn ein. Blut fliesst.

Buspassagier Heinz Kuratle kann dem nicht tatenlos zusehen. Der 1,90 Meter grosse Maler mischt sich ein. «Hört auf!», schreit er, immer wieder. Da treffen auch ihn die Fäuste, er fällt zu Boden. «Zu zweit traten sie mir immer wieder in den Bauch. Der Weg zur nächsten Haltestelle kam mir unendlich lang vor. Ich bangte um mein Leben», sagt der 38-Jährige.

Endlich öffnet sich die Bustür. Die Prügelei verlagert sich auf die Strasse. Kuratle kann die Polizei rufen. Mori wird weiter bedrängt: «Die Männer schlugen mir das Handy aus der Hand.» Sein Nasenbein ist gebrochen, ein Zahn abgebrochen, die Brille weg. Aus der Wunde beim Auge tropft Blut.

Die Schläger lassen erst von ihm ab, als das Heulen der Polizeisirene näher kommt. Die Beamten bringen Kurt Mori ins Spital. Heinz Kuratle geht zur Arbeit. Im Laufe des Tages beginnt seine Rippe zu schmerzen. Auch er landet im Spital.

Die Polizei ist beeindruckt vom beherzten Handeln der zwei Passagiere: «Sie schauten nicht weg und liessen sich nicht provozieren», sagt Sprecherin Judith Hödl. Dass die Pöbelnden mit Gewalt reagieren würden, konnte niemand wissen.

«Ich hatte Glück, dass die Typen keine Waffen zückten», sagt Mori heute. Er bereut seine Tat nicht, ist jedoch vorsichtiger geworden: «Ich beobachte genauer, wer in den Bus einsteigt. Und manchmal glaube ich, einen der Täter auf der Strasse wieder zu erkennen.» Gefasst wurden sie bis heute nicht.

Auch Heinz Kuratle würde gleich handeln: «Es ist doch verrückt. Alle schauen aus dem Fenster, wenn eine Ungerechtigkeit geschieht. Ich kann das nicht.»

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© Beobachter Ausgabe 18 vom 02. Sep 2004 - Alle Rechte vorbehalten

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