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Prix Courage 2000

Reaktionen auf die Wahl und Medienecho

Text:
  • Rahel Stauber
Ausgabe:
21/00

Das Medienecho auf die Verleihung des Prix Courage an den Papstkritiker Herbert Haag war gross und positiv. Nur die Schweizer Bischofskonferenz tut sich noch immer schwer mit einer Stellungnahme zum Erfolg des engagierten Theologen.

Die Schweizer Bischöfe haben es schwer: Mit Herbert Haag, dem unerbittlichen Kämpfer gegen falsche Dogmen in der katholischen Kirche, erhielt just der Mann den Prix Courage, dem die Bischofskonferenz Anfang Jahr das Vertrauen entzogen hatte. Der Grund: Haag hatte gefordert, dass auch Laien die Eucharistie feiern dürfen.

 

Bereits als die Beobachter-Leserinnen und -Leser den streitbaren Theologen in die Endausscheidung schickten, hätte der Beobachter gern eine Stellungnahme der Bischofskonferenz eingeholt. «Kommen Sie wieder, wenn er gewonnen hat», hiess es damals.

 

Das ist nun geschehen – doch nach wie vor zieren sich die Bischöfe vor einer Stellungnahme. Sie verwiesen von Pontius zu Pilatus: «Bischof Kurt Koch in Solothurn ist zuständig» – Herbert Haag gehört dessen Diözese an; «fragen sie in Freiburg nach» – dort ist die Schweizer Bischofskonferenz zu Hause. So ging es mehrmals hin und her.

 

Erst auf hartnäckiges Drängen liess Kurt Koch, Vizepräsident der Schweizer Bischofskonferenz, dem Beobachter seine Stellungnahme zukommen: «Dass Herbert Haag den Mut hat, seine Meinung öffentlich kundzutun, steht ausser Zweifel», sagt Rudolf Schmid, Generalvikar des Bischofsordinariats Solothurn im Namen seines Bischofs. «Aber meiner Meinung nach würde dazu auch der Mut und die Bereitschaft gehören, die Einladung zur persönlichen theologischen Auseinandersetzung mit seinen Vorgesetzten anzunehmen. Das hat Haag nicht getan.»

 

Bischof Koch habe seinen Untergebenen Haag mehrmals zu einem klärenden Gespräch eingeladen, sagt Rudolf Schmid. Eine Darstellung, die Herbert Haag bestreitet: Zur Einladung sei es erst gekommen, als ihm die Bischöfe bereits das Vertrauen entzogen hätten. Da habe es keinen Grund mehr für ein Gespräch gegeben.

 

Prompt und wohlwollend berichteten hingegen die Medien über den diesjährigen Gewinner des Prix Courage. Bereits am Vorabend stimmte die Fernsehsendung «Quer» mit einem Beitrag zum Thema Zivilcourage auf die Galafeier ein. Gast im Studio war Hanspeter Heise, der zusammen mit Angela Ohno den Prix Courage 1997 gewann.

 

Radiosender waren am schnellsten

Am Samstag waren die Radiostationen am schnellsten: Bereits wenige Minuten nach der Bekanntgabe des Preisträgers vermeldeten Radio DRS und viele Lokalsender die Verleihung des diesjährigen Prix Courage an Herbert Haag. Die Zürcher Lokalsender Radio 24, Radio Top und Radio Zürisee schickten erste Kurzinterviews mit dem glücklichen Preisträger über den Äther.

 

Kurze Zeit später ging die Spätausgabe der «Tagesschau» von SF1 auf Sendung: «Mit dem Prix Courage des Beobachters werden jährlich Leute ausgezeichnet, die durch eine mutige Tat aufgefallen sind. Der Priester Herbert Haag erhält den Preis dieses Jahr.»

 

Prix Courage «zu Recht» erhalten

Das war der Startschuss für eine breite Berichterstattung. Am Sonntagvormittag sendeten Radiostationen ausführliche Berichte über den Preisträger und die Veranstaltung. Radio Zürisee befand, dass Herbert Haag den Preis «zu Recht» erhalten habe, und auch für Radio 24 war klar: «Er hat den Preis erhalten, weil er sich für eine menschenwürdige und moderne Kirche einsetzt.» Der Privatsender Tele 24 ging in den «Swiss News» am Sonntagabend auf das Ereignis ein: «Ein Bahnhof ist ein Ort der Bewegung. Gestern war der Zürcher Hauptbahnhof ein Ort, wo Menschen, die etwas bewegt haben, geehrt wurden.» Herbert Haag sei ein kritischer Theologe, der klar sage, dass manche Ansichten der katholischen Kirche veraltet sind – was Haag dann auch gleich demonstrierte. «Jesus hat nie an einen Papst gedacht», sagte er verschmitzt in die Kamera. Und: «Die Bibel ist ein erotisches Buch.»

 

Radio DRS1 nahm in der Woche darauf den Prix Courage zum Anlass, die einstündige Morgensendung «Treffpunkt» dem Thema Mut zu widmen. «Zivilcourage ist wesentlich für das menschliche Zusammenleben», sagte Herbert Haag. Diese Worte wiederum animierten Beobachter-Leserinnen und -Leser, zum Telefonhörer zu greifen und der Redaktion andere mutige Menschen für den Prix Courage 2001 vorzuschlagen.

 

Auch die Zeitungen – von der Sonntagspresse über den «Blick» bis zu den Regionalblättern – berichteten wohlwollend über die Wahl des «mutigsten Schweizers». «Monsieur Courage», «Der unbequeme Priester», «Für mehr Wärme in der Kirche» lauteten die Titel.

 

«Mit strahlenden Augen und einem sanften Lächeln» habe der 85-jährige katholische Theologe Herbert Haag den Prix Courage entgegengenommen, schrieb die «Neue Zürcher Zeitung». «Just dort, wo Niki de Saint Phalles Schutzengel die Zürcher Bahnhofshalle ziert, überreichte alt Bundesrat und Jurypräsident Otto Stich dem Priester im Rahmen eines feierlichen Galaabends den mit 25'000 Franken dotierten Preis.» Dann zitierte die NZZ den Preisträger: «Je mehr wir uns für die Freiheit einsetzen, desto mehr können wir Mensch sein.»

 

Die «Basler Zeitung» erinnerte an das breite Spektrum der bisherigen Prix-Courage-Preisträger: «War es letztes Jahr der Garagist Diego Barberis gewesen, der für die Rettung zweier Kinder aus einem brennenden Auto für Furchtlosigkeit in einer gefährlichen Situation geehrt wurde, war es dieses Mal ein ganzes Lebenswerk, das mit dem stolzen Preis gewürdigt wurde.» Doch in Konkurrenz seien vier weitere Kandidatinnen und Kandidaten gestanden, «die jeder für sich ebenfalls für ihren Mut Lob verdient hatten».

 

Ähnlich schrieb das «Israelitische Wochenblatt»: «Sympathisch, dass Herbert Haag auch meinte, alle Nominierten hätten den Preis verdient.»

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© Beobachter Ausgabe 21 vom 13. Okt 2000 - Alle Rechte vorbehalten

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    Seit 1997 verleiht der Beobachter den Prix Courage, den Preis für ausserordentliche, mutige Taten.

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