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Prix Courage 2002

Mutige Menschen und Taten gesucht

Text:
  • Rahel Stauber
Ausgabe:
21/01

Im Februar 2002 verleiht der Beobachter bereits zum fünften Mal den Preis für aussergewöhnliche Zivilcourage – und erstmals auch einen Publikumspreis.

Malica Skrijelj kennt die Einsamkeit. Alles begann 1995: Die gelernte Dreherin aus dem Waadtland findet bei der Lemo AG in Ecublens eine Stelle. Bald stellt Malica Skrijelj fest, dass die Männer im Betrieb für die gleiche Arbeit 30 bis 40 Prozent mehr verdienen als die Frauen. Das verstösst gegen das Gleichstellungsgesetz, weiss die junge Frau – und beginnt zu kämpfen. Doch der Arbeitgeber will von Lohngerechtigkeit nichts hören.

 

Und so reicht Malica Skrijelj 1998 eine Klage wegen Verletzung des Gleichstellungsgesetzes ein. Das hat seinen Preis: Ihre Vorgesetzten schikanieren sie, und die andern Frauen behandeln sie wie Luft. Selbst sie, die von Skrijeljs Einsatz direkt profitieren könnten, wollen mit der aufmüpfigen Kollegin nichts mehr zu tun haben. Ein langes Warten in der Isolation beginnt. Doch Malica Skrijelj hält durch – und es lohnt sich. Im Frühling 2001 gibt ihr die Rekurskammer des Waadtländer Kantonsgerichts Recht: Die Lohnpolitik der Lemo AG sei diskriminierend.

 

«Wir brauchen mehr solche Menschen mit Zivilcourage», sagt alt Bundesrat Otto Stich. Gerade heute. Die Terroranschläge in den USA und das Massaker in Zug haben uns jäh vor Augen geführt, wie verletzlich wir sind. Umso gefragter sind beherzte Taten. «Unser Land braucht Menschen, die nicht nur an sich selber denken, sondern sich für andere einsetzen und – wenn Not sichtbar wird – helfen, statt einfach weiterzulaufen», sagt Jurypräsident Stich.

 

Das ist auch die Überzeugung des Beobachters. Deshalb zeichnet er Zivilcourage aus. Der mit 25000 Franken dotierte Prix Courage ehrt mutige Menschen und gibt ihnen die Anerkennung, die ihnen oft versagt bleibt. Denn couragiertes Verhalten ist oft unbequem und eckt an. Nicht selten reagiert die Umwelt darauf mit Ausgrenzung und Hass. Der Beobachter will diese Mauer durchbrechen. Er will Haltung und Rückgrat belohnen und so ein klares Zeichen setzen gegen die Gleichgültigkeit.

 

Wie wertvoll diese Auszeichnung sein kann, weiss der Theologieprofessor Hans Küng, Weggefährte des letztjährigen Gewinners Herbert Haag, der vor kurzem verstorben ist. «Die Auszeichnung hat Haag sehr viel bedeutet», sagt Küng. «Es hat ihn geschmerzt, dass die Kirchenoberen seiner Arbeit nie die gebührende Achtung entgegenbrachten.» Der Prix Courage habe da etwas gutgemacht, ihn moralisch aufgebaut und bestätigt. Doch nicht nur das: «Eine solche Ehrung ist nicht nur eine persönliche Angelegenheit – sie setzt auch ein politisches Zeichen.»

 

Ähnliche Erfahrungen machten die anderen Preisträgerinnen und Preisträger: Erst nach der Verleihung des Prix Courage rang sich etwa die Stadt Zürich zu einer finanziellen Entschädigung für die beiden Aufdecker der Zürcher Klärschlammaffäre durch. Mit dem Preis wurden Hanspeter Heise und Angela Ohno gewissermassen öffentlich rehabilitiert. Heute weiss Angela Ohno: «Couragierte Menschen machen auch anderen Menschen Mut.» Es motiviere sie, wenn sie von jemandem höre, der sich für eine gute Sache einsetze.

 

Beim Beobachter laufen die Vorbereitungen für die fünfte Verleihung des Prix Courage bereits auf Hochtouren. Die Galafeier findet allerdings nicht wie bisher im Herbst, sondern am 2. Februar 2002 statt. Grund: Das kleine Fünf-Jahre-Jubiläum des Prix Courage fällt mit dem grossen Jubiläum des Beobachters zusammen – dem 75-jährigen Bestehen unserer Zeitschrift. Eine doppelte Feier. Das macht durchaus Sinn, weil auch der Beobachter dafür steht, nicht bloss zuzuschauen, sondern couragiert einzugreifen, wo es nötig ist.

 

Damit auch die kommende Prix-Courage-Verleihung zum vollen Erfolg wird, suchen wir wiederum mutige Frauen und Männer: Menschen mit Zivilcourage; Leute, die unerschrocken beim Aufdecken von Unrecht, Filz oder Korruption ihren Job aufs Spiel gesetzt oder andere Nachteile in Kauf genommen haben; Menschen, die uneigennützig für Menschlichkeit, Gerechtigkeit und Transparenz in unserer Gesellschaft kämpfen.

 

Das sind nicht einfach wagemutige Draufgänger. Wir reden auch nicht von jenen, die besonders rücksichtslos ihre Ellbogen einzusetzen wissen, um sich in die erste Reihe zu drängeln. Nicht Leichtsinn oder egoistisches Heldentum sind gefragt, sondern wahrer Mut: Menschen, die aus ihren Taten keinen persönlichen Profit schlagen. Frauen und Männer, die nicht nur für sich, sondern für eine gerechte und notwendige Sache kämpfen. Die nicht den eigenen Vorteil, sondern das Gemeinwohl ins Zentrum ihrer Taten stellen.

 

Dass es solche Menschen gibt, zeigen die Persönlichkeiten, die bereits einmal für den Preis nominiert waren. Zum Beispiel Verena Karrer: Seit 1993 hilft die Schweizer Hebamme und Krankenschwester den Ärmsten der Armen im vom Bürgerkrieg gebeutelten Somalia. Oder Cornelia Walser: Die Zürcher Lehrerin rettete einen Säugling vor dem Ertrinkungstod und setzte dabei ihr eigenes Leben aufs Spiel. Oder Kurt Meier alias «Meier 19»: Der Zürcher Stadtpolizist machte in den sechziger und siebziger Jahren Vetternwirtschaft und Korruption in der Zürcher Stadtpolizei publik und wurde deswegen bestraft und aus dem Polizeidienst entlassen. Oder der St. Galler Reallehrer Paul Spirig, der sich stets für das Wohl seiner Schüler einsetzte und dies mit seinem Leben bezahlte, als ihn ein unzufriedener Vater im Januar 1999 erschoss.

 

Falls Sie, liebe Leserin, lieber Leser, mutige Frauen und Männer der Schweiz kennen, Personen oder Organisationen, die sich in den letzten Monaten durch besondere Zivilcourage ausgezeichnet haben, lassen Sie es uns wissen. Das können Personen sein, die bereits für Schlagzeilen gesorgt haben – aber auch Menschen, die von der Öffentlichkeit bisher unbeachtet Preiswürdiges leisten oder geleistet haben. Einzige Voraussetzung: Es muss sich um Personen oder Organisationen in oder aus der Schweiz handeln. Bitte machen Sie Ihre Vorschläge bis spätestens 15. November 2001.

 

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© Beobachter Ausgabe 21 vom 12. Okt 2001 - Alle Rechte vorbehalten

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    Seit 1997 verleiht der Beobachter den Prix Courage, den Preis für ausserordentliche, mutige Taten.

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