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Prix Courage 2003
Ansprache von Filippo Leutenegger
- Text:
- Filippo Leutenegger
Die Eröffnungsrede des CEO der Jean Frey AG zur Eröffnung der Galafeier.

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Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Jury
Es ist mir eine Freude, Sie zur Verleihung des sechsten Prix Courage begrüssen zu dürfen.
Für die Neuen der Führungs-Crew von «Beobachter» und Jean Frey AG ist es der erste Prix Courage. Und an der letztjährigen Verleihung war nicht einmal klar, ob es nach dem Verkauf des Verlags überhaupt je wieder einen Prix Courage geben würde.
Die Frage ist erlaubt: Was würde der Schweiz denn fehlen ohne den Prix Courage?
Die Kandidatinnen und Kandidaten für den diesjährigen Prix Courage haben Leben gerettet, Missstände aufgedeckt und sogar einem Krieg getrotzt. Und fast alle haben sie dafür ihr Leben, ihren Ruf, ihre Gesundheit oder zumindest ihren Job riskiert. Aber was sagen diese Heldinnen und Helden des Alltags, wenn man sie nach ihrer couragierten Tat befragt: «Das hätte jeder getan.» Wenn jeder in dieser Situation so gehandelt hätte wie unsere Kandidaten, bräuchte es tatsächlich keinen Prix Courage.
Ist dies also die sechste und letzte Preisverleihung? Nein. Natürlich beweisen jeden Tag viel mehr Schweizerinnen und Schweizer Zivilcourage, als wir auszeichnen können. Aber es sind immer noch zu wenige. Und genau die soll der Prix Courage ermutigen. Zum selbstlosen, aber bei weitem nicht selbstverständlichen Einsatz gegen Willkür und Ungerechtigkeit, für Menschen in Not, für ein friedliches, respektvolles Zusammenleben, für eine lebenswerte Schweiz.
Nicht immer sind es grosse Taten, die Zivilcourage verlangen. Oft sind es auch die kleinen Herausforderungen des Alltags, wo man zuallererst gegen sich selbst antritt. Gegen die eigene Bequemlichkeit. Gegen seine Ängste. Gegen innere Widerstände und faule Ausreden.
Dies ist ein Kampf, den wir alle kennen. Lassen Sie mich aus dem eigenen Haus berichten: Vor gut eineinhalb Jahren standen wir – Mitarbeiter, Kader, Verwaltungsrat und Investoren – vor einer grossen Herausforderung und auch ein bisschen vor einer Mutprobe.
Kein Fall für den Prix Courage, keine Angst: Wir haben weder Leben gerettet noch Skandale aufgedeckt. Aber wir haben, sagen wir mal, einen alten Onkel an der Hand genommen und über die Strasse begleitet. Viele Leute, ja selbst Experten haben diesem alten Onkel keine grosse Zukunft mehr prophezeit, sein Gesundheitszustand war damals tatsächlich sehr kritisch, und manche dachten wohl schon an die Erbteilung. Wir haben diesen älteren Herrn, Jean Frey mit Namen, aber nicht etwa ins Altersheim geführt, sondern mit einer bemerkenswerten Teamleistung zurück ins pulsierende Leben, wo er sich heute auf ziemlich gesunden Beinen bewegt.
Heute Abend wird der Prix Courage aber an eine Persönlichkeit – oder an mehrere Persönlichkeiten – verliehen, die diesen Preis wirklich verdient.
Mein Dank geht an den Jurypräsidenten, alt Bundesrat Otto Stich, an die Mitglieder der Jury, an Balz Hosang, Chefredaktor des «Beobachters», und seine Redaktion, an Verlagsleiter Peter Kümmerli und sein Team und an Sie, verehrte Damen und Herren, weil Sie den Prix Courage mit Ihrer Anwesenheit zu einem Ereignis machen.
Wenn die Verleihung des sechsten Prix Courage nur einen einzigen Menschen dazu ermutigt, über sich hinauszuwachsen und mit einer couragierten Tat einem Mitmenschen zu helfen, dann hat der Prix Courage seinen Zweck mehr als erfüllt.
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© Beobachter Online 25. Sep 2003 - Alle Rechte vorbehalten


